|
||||||||||||||||
|
|
|
A.Vogel Welt: Geschichten > Teufelskralle |
|
|
Teufelskralle: Südafrikanische Heilpflanze gegen Rheuma |
||
![]() |
Die Pflanze, aus deren Inhaltsstoffen ein Heilmittel gewonnen wird, das
für Rheumakranke von so grosser Wichtigkeit ist, gibt es nur an einem
Ort auf der Welt: in den Wüstenregionen Südafrikas. Hier, im
Grenzgebiet von Südafrika, Namibia und Botswana, wo das Klima trocken
und die Böden sandig genug sind, wächst Harpagophytum procumbens, die
Teufelskralle. 100 kg frische Wurzeln dieser einzigartigen
Pflanze ergeben rund 10 kg Extrakt (Wirkstoff). Aufgespürt wurde die entzündungshemmende Teufelskralle zuerst von einem Jagdhund. Nach den Kämpfen des Herero- und Hottentotten-Aufstandes (1904–1906) liess sich der kaiserliche Schutztruppensoldat und Farmer G. H. Mehnert in Nababis, Namibia, nieder, um die heimische Pflanzenwelt zu erforschen. Besonders angetan hatten es dem Ex-Soldaten die geheimnisvollen Heilpflanzen der Medizinmänner. Bei Leber-, Gallen-, Magen-, Nieren- und Blasenleiden sowie Rheuma verordneten diese seit Jahrhunderten die getrockneten Wurzeln einer ihm unbekannten Pflanzenart. Beliebt war die Anwendung dieser schmerzstillenden und die Verdauung anregenden Pflanze auch bei der Wundbehandlung und in der Geburtshilfe. Natürlich war Mehnert begierig darauf, den Namen der Pflanze sowie ihren Standort ausfindig zu machen. Doch vergeblich! Die Medizinmänner gaben ihr uraltes Geheimnis nicht preis. Mehnert musste deshalb zu einer List greifen und liess seinen Jagdhund der Spur eines Medizinmannes folgen. So entdeckte er schliesslich das Ausgrabungsloch der Teufelskralle und stiess damit auf eine Heilpflanze mit ganz besonderen Merkmalen. So zeigt sich jede einzelne ihrer hellroten bis rosavioletten, trompetenförmigen Blüten nur einen Tag lang während der kurzen Regenzeit. Der mysteriöse Name der Teufelskralle stammt von den mit krallenartigen Widerhaken versehenen Früchten, die aus den Blüten entstehen. Der findige Farmer entwickelte schliesslich mit seinem aussergewöhnlichen Fund verschiedene Rezepte für die Erntegewinnung und Verarbeitung der Pflanze und half damit manchem Rheumageplagten bei der Linderung der Beschwerden. Begehrtes Heilmittel Vom Ruf der Teufelskralle angezogen, reiste auch der Schweizer Naturheilkunde-Pionier Alfred Vogel (1902–1996) in den sechziger Jahren in die Kalahari- und Namibwüste, um deren Wirkung zu untersuchen. Er war sofort fasziniert von ihr, wies aber gleichzeitig mahnend auf den Raubbau der in der gesamten westlichen Welt begehrten Pflanze hin. Für A.Vogel kam deshalb von Anfang an nur eines in Frage: die Kultivierung von Harpagophytum procumbens. Das sollte sich aber in den Wüstengegenden an der Südspitze des Schwarzen Kontinents als nicht ganz einfach erweisen. Der Hauptgrund dafür liegt in der Pflanze selber und ihren Wachstumsbedingungen: Die Teufelskralle gedeiht ausschliesslich in sandigen Steppenregionen in Namibia, Botswana, Südafrika und Angola, welche die Wüste Kalahari (Botswana) bilden. Sie besitzt eine Haupt- oder Primärknolle und mehrere sekundäre Speicherknollen. Nur aus den Primärknollen kann sich die Pflanze regenerieren; arzneilich verwendet werden nur die Knollen der sekundären Wurzel. Die bis 6 cm dicken und bis 20 cm langen sekundären Speicherwurzeln reichen bis in anderthalb Meter Tiefe. Man kann sich leicht vorstellen, wie mühsam das Ausgraben bei afrikanischer Hitze ist. Wie Andreas Ryser, Leiter des Heilpflanzenbaus der Bioforce, berichtet, benötigte er anlässlich eines Besuches in Südafrika für das Ausgraben der Knollen einer einzigen Pflanze eineinhalb Stunden. Die Wurzeln müssen nach dem Ausgraben sofort getrocknet werden, da sie schon nach kurzer Zeit verfaulen oder verschimmeln. Nachhaltiges Anbauprojekt A.Vogel bezieht den Rohstoff für die Harpagophytum-Tabletten grösstenteils aus einem Anbauprojekt in Südafrika. Dieses nachhaltige Projekt verfolgt drei Ziele: 1. Erhalt der genetischen Vielfalt der Pflanzen, 2. die Rohstoffversorgung mit guter, gleichbleibender Qualität und 3. soll die lokale Bevölkerung an der Nachfrage an ihren einheimischen Pflanzen beteiligt werden. Der Hintergrund dieser Ziele ist der seit den 1990er Jahren geradezu sprunghaft angestiegene Bedarf an Teufelskrallen. Der Export allein aus Namibia hat sich in den letzten Jahren auf ca. 650 Tonnen jährlich eingependelt. Diese Menge entspricht je 8–11 Millionen Pflanzen! Wegen der extrem niedrigen Erneuerungsrate durch Samenkeimung wird damit die Grösse der Wildpopulationen sukzessive dezimiert. Angesichts dieser Gefährdung bedurfte (und bedarf) es dringender Massnahmen zum Schutz der wertvollen Wüstengewächse. nach oben ^ Höherer Ernteertrag dank nachhaltigem Anbau Seit 1998 wird auf der Farm „Avontuur“, 150 Kilometer nördlich der südafrikanischen Stadt Kuruman, in einem Verbundprojekt, dem A.Vogel / Bioforce und ein weiteres Unternehmen angehören, zusammen mit Prof. Dieter J. von Willert vom Institut für Ökologie der Pflanzen von der Universität Münster (D) ein nachhaltiges Anbauprojekt durchgeführt. Grundlage bei der Entwicklung des nachhaltigen Anbaus der Teufelskralle war ein Vorschlag des „Avontuur“-Farmers Gert Olivier. Olivier entwickelte ein Verfahren, dank dem die aus dem Anbau stammenden Teufelskrallen um ein Mehrfaches grössere Wurzeln liefern als solche aus Wildsammlungen. Auf 200 Metern Länge hat er das Weideland so behandelt, dass auf drei Meter breiten Streifen jede Vegetation entfernt wird. Diese vegetationsfreien Streifen alternieren mit fünf Meter breiten Streifen, deren Vegetation belassen wurde. Zahlreiche Reaktionen führen dazu, dass der Boden der vegetationsfreien Streifen bedeutend mehr Wasser enthält und der Wassergehalt in der Regenzeit viel geringeren Schwankungen unterworfen ist als der Boden der Vegetationsstreifen. Der Ertragsvergleich zeigt, dass die kultivierten Pflanzen bereits am Ende der ersten Wachstumsphase mehr Trockenmasse auf die Waage bringen als die wildwachsenden Pflanzen. Bis zum Ende der dritten Vegetationsphase hat sich der Ertrag kultivierter Pflanzen gegenüber den Wildpflanzen beinahe verachtfacht – und das bei gleicher Inhaltsstoffkonzentration! Das ist nicht zuletzt deshalb von entscheidender Bedeutung, weil aus 100 kg frischen Wurzeln dieser einzigartigen Pflanze rund 10 kg Extrakt (Wirkstoff). Bestmögliche Qualität des Rohstoffes Heute, sechs Jahre nach Beginn der Projekts, erfüllt der nachhaltige Anbau der Teufelskralle in Südafrika alle Vorgaben, und das Ausgraben der Pflanzen ist stark erleichtert. Die Mitarbeiter der Farm von Gert Olivier graben ihre Löcher nicht, wie bei den Wildpflanzen, bis zu anderthalb Meter tief, sondern nur noch ca. zwanzig bis dreissig Zentimeter. Der Boden in den Anbaustreifen ist lockerer als der Wüstenboden und die Sekundärknollen wachsen wegen des höheren Feuchtegehaltes in den oberen Bodenschichten weniger in den Boden als bei den wilden Teufelskrallen. Das Anbauprojekt hat noch weitere Vorteile gebracht: Es verhindert etwa die bei Wildpflanzensammlungen häufig auftretenden Verwechslungen mit Knollen anderer Pflanzen. Weil die Standorte bekannt sind, kann die Ernte – nach dem vierjährigen Wachstum – zudem zu jeder Jahreszeit erfolgen. Da die kultivierten Pflanzen etwa 100 Mal mehr Früchte produzieren, kann die Vermehrung über Samen erfolgen. Das bedeutet, dass die genetische Vielfalt des Pflanzgutes erhalten bleibt. Die Wildbestände werden, auch wenn Einheimische die Pflanzen nach wie vor sammeln, nicht mehr ausgebeutet. Damit ist ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Teufelskralle, zum Erhalt der genetischen Ressourcen und zur Sicherstellung der bestmöglichen Qualität des Rohstoffes. nach oben ^ |
||
|
|
|
||
|