Illustration: Ernst Bänziger

Alfred Vogel (1902 – 1996) gehört zu den Schweizer Pionieren der Naturheilmedizin. Seine segensreiche Tätigkeit zum Wohle vieler Menschen entfaltete er im appenzellischen Teufen, wo er unter anderem auch einen ungläubigen Bauer bekehrte …

In Aesch BL aufgewachsen, eröffnete Alfred Vogel bereits im Alter von 18 Jahren in Basel ein Kräuterhaus. Mit dem gezielten Einsatz von Heilpflanzen, aber auch mit Ratschlägen punkto gesunder Ernährung vermochte er vielen Patienten dauerhaft zu helfen. Als er von der liberalen Einstellung der Appenzeller punkto freier Heiltätigkeit vernahm, wanderte er mit seiner Familie kurzentschlossen aus und eröffnete 1937 unter dem Hügelzug Waldegg in Teufen AR ein Kurhaus samt Fabrikationsräumen. Später erwarb er eine nahegelegene landwirtschaftliche Liegenschaft, um mehr Platz für den Anbau von Heilkräutern zu haben.

Auch Brennesseln gehörten zu den von ihm gepflegten und gehegten Pflanzen. „Niemand achtet auf sie, still und schlicht mischen sie ihre Säfte und bereiten eine Medizin, die vielen Menschen zur Gesundheit und sogar als Lebensretter dienen können“, schreibt Vogel in seinem vielbeachteten Buch „Der kleine Doktor“. „Bei manchem Kinde würden die wachsfarbenen, bleichen Bäckchen wieder ein leuchtendes Rot bekommen, wenn die Eltern wüssten, welch wunderbare Säftlein die zu Unrecht verachtete Brennessel bereithält.“

Und jetzt zu unserem ungläubigen Thomas, der in Tat und Wahrheit ein Bauer war, der ein Heimetli ganz in der Nähe von Alfred Vogels Kräutergarten bewirtschaftete. Und jedes Mal giftelte und lästerte der Bauer, wenn er am Brennesselfeld vorbeikam. „Eine Sauerei, dieses Unkraut! Damit würde ich augenblicklich abfahren!“ Der mit Jäten beschäftigte Naturarzt horchte auf, trat näher und fasste das kleine Mädchen ins Auge, das den Bauern begleitete. Sofort fielen Alfred Vogel der traurige Blick und die bleichen Wangen auf. „Dein Kind leidet an Blutarmut. Und genau die von dir verachteten Brennesseln vermögen da zu helfen. Die gehören täglich in den Salat. Ab sofort. Sag’ das gefälligst deiner Frau.“

Der spinnt, ging es dem Bauern durch den Kopf, als er sich  

mit seiner Tochter missmutig auf den Heimweg machte. Haben diese Tökter Ideen. Unkraut im Salat. Aber sicher nicht bei uns, das nützt doch nichts. Tomms cheibe Züüg. Da wär mer denn no. Es war dann das Mädchen, das der Mutter von der Begegnung mit Alfred Vogel und seinem Rat erzählte. Und da Frauen punkto Gesundheit weit empfindsamer sind als Männer, enthielt der Salat ab sofort frische Brennnesselblätter. Fein geschnitten, so dass der Mann nichts merkte.

Und plötzlich waren sie da, die roten Backen und die strahlenden Augen. Auch unternehmungslustig war das Kind geworden, und gerne half es nun dem Vater. Als der seine Frau fragte, was wohl die erfreuliche Veränderung bewirkt habe, lüftete sie das Geheimnis. „Was, Brennesseln? Und die haben tatsächlich geholfen? Da hatte unser Nachbar also Recht, und ich ungläubiger Thomas habe ihn belächelt.“

Am nächsten Sonntag wurde Alfred Vogel von den Bauersleuten in die nahe Wirtschaft eingeladen. In die Gartenwirtschaft unter den lauschigen Bäumen. Der Landwirt war kein Freund grosser Worte, aber mit dem offerierten Zvesperteller und einem guten Schluck Roten brachte er seine Dankbarkeit für die Heilung seiner Tochter gebührend zum Ausdruck. Und überall rühmte nun der Bauer, was der Vogel für ein gutes „Tökterlein“ sei, der sogar mit Unkraut eine Heilung fertig bringe. 

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