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Schönstes Sporterlebnis: Robert Baldinger, CEO A.Vogel/Bioforce AG, am Engadiner Radmarathon 2008.



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Mein schönstes Sporterlebnis:
Engadiner Radmarathon


Landschaftlich einzigartig, sportlich herausfordernd: Die 211 Kilometer des Engadiner Radmarathons, dessen Strecke über fünf Pässe führt, sind Teil des Alpencups. Das schönste Sporterlebnis für Robert Baldinger, Chef der Firma A.Vogel/Bioforce.



Mit dem ersten Frühlingserwachen Anfang März war es für mich an der Zeit, das Rennrad wieder zu bewegen und die sportlichen Zielsetzungen festzulegen. Den Engadiner Radmarathon hatte ich bisher noch nie bestritten – zu gross war der Respekt vor der Zeitlimite, die für mich kaum erreichbar schien. Doch diese wurde im vergangenen Jahr um eine Stunde verlängert, nun waren 11 Stunden für die 211 Kilometer über die schönsten Passstrassen rund um das Engadin erlaubt ... Das müsste doch zu packen sein!
Frühmorgens am 6. Juli, mit den angestrebten 2000 Trainingskilometern auf dem Rennrad in den Beinen, machte ich mich – natürlich gestärkt mit einem A.Vogel Müesli – auf den Weg zum Start in Zernez.

Meiner persönlichen Marschtabelle entsprechend, ausgerichtet auf eine Endzeit von 10,5 Stunden, reihte ich mich ganz hinten im Feld der 1500 Startenden ein. Bei trockenem Wetter wurden wir um sieben Uhr auf die Strecke geschickt. Leider versprach der Wetterbericht für diesen Sonntag nichts Gutes …

Und Start!
Eindrücklich, wie das Feld der Teilnehmer die ersten Kehren der gesperrten Ofenpassstrasse hochkletterte. Bei La Drossa ging es rechts ab durch den Tunnel, über die Grenze nach Italien, den Stausee entlang nach Livigno. Dort ein kurzer Stopp an der ersten Verpflegungsstation – eine Banane als Kaloriennachschub – und dann bei Sonnenschein weiter aufwärts Richtung Forclapass. Kurz die herrliche Aussicht genossen, und weiter abwärts zur Strasse Richtung Berninapassstrasse gefahren.

Einige Kehren, mit herrlichem Panoramablick ins Puschlav und zu den Berggipfeln der Bernina-Gruppe, brachten uns hoch zur Passhöhe. An der Verpflegungsstation wurde das Getränk nachgefüllt und auch ein Stückchen Engadiner Nusstorte verzehrt, und schon ging es mit über 60 Stundenkilometern die Passstrasse herunter. Kurz vor Pontresina ein kurzer Blick Richtung Morteratsch – immer noch ein herrliches Bild, obschon der Gletscher sich ständig weiter zurückzieht.
Ich nahm die Geschwindigkeit zurück, und schon wurde ich von einer grösseren Gruppe überholt, die schneller unterwegs war, als ich mir zugemutet hatte. Ein kurzes Zögern – dann die Entscheidung, mich dranzuhängen. So brauste ich im Windschatten das Engadin hinab, mit über 40 Stundenkilometern zurück Richtung Zernez.

Wetterwechsel
Der Blick an den Horizont zeigte, dass der angekündigte Wetterwechsel nicht mehr lange auf sich warten liess. So musste die Frage «Weiterfahrt oder Abbruch der Tour mit der ersten Zieldurchfahrt nach 97 Kilometern?» beantwortet werden. Die meisten der Kolleginnen und Kollegen in dieser Gruppe entschieden sich für die Weiterfahrt. Mit gutem Gefühl – meine Beine waren «gut drauf» am heutigen Tag, und ich in war in Zernez 40 Minuten unter meiner angestrebten Durchfahrtszeit unterwegs – radelten wir weiter Richtung Susch. Dort ging es hinein in den 14 Kilometer langen Aufstieg zum Flüelapass.
Dann fielen, mitten im Aufstieg, die ersten Tropfen, verbunden mit einem Temperatursturz. Die mitgeführten Regensachen, Hose, Jacke, Schuhüberzug und Handschuhe, kamen zum Einsatz, und dann fuhren wir, vor Regen und Kälte gut geschützt, weiter zur Passhöhe, wo uns die freundlichen Helfer an der Verpflegungsstation mit heissen Getränken erwarteten.

Weshalb tun wir uns das an?
Es war kalt und wurde kälter! Vor der Weiterfahrt streifte ich daher auch noch den Fleecepullover über, setzte unter dem Helm die Mütze auf und fuhr vorsichtig – die Strasse glich eher einem Flussbett – hinunter nach Davos. Vor der Einfahrt ins Dorf stand ein Kollege mit dem Rennrad – meine Frage, ob er einen Defekt habe oder etwas brauche, verneinte er – und gemeinsam radelten wir weiter das Landwassertal hinunter.
Die Frage «Weshalb tun wir uns das an?» blieb unbeantwortet, vielleicht auch, weil es gerade aufgehört hatte zu regnen. Das Hundewetter hatte zumindest den Vorteil, dass das Verkehrsaufkommen niedrig blieb; auf dem Teilstück bis zur kurzen Gegensteigung nach Wiesen war die Strecke nicht sehr fahrradfreundlich. Nach einem weiteren Verpflegungshalt bei Alvaneu ging es einsam weiter – beim Verpflegungsposten hatte ich erfahren, dass sehr viele der Teilnehmenden das Rennen bereits bei der ersten Durchfahrt in Zernez beendet oder am Flüelapass wegen des Kälteeinbruches abgebrochen hatten.

Ziel erreicht
Nun war die letzte, mit fast 30 Kilometern längste Steigung, der Albulapass, zu bewältigen. Kurz vor Bergün begann es wieder wie aus Kübeln zu schütten, also musste ich mich nochmals umziehen, aber bald war Preda erreicht.
Mit dem guten Gefühl, bald den Kulminationspunkt geschafft zu haben, schraubte ich mich die Kehren hoch. Leider war die noch zu bewältigende Reststrecke länger als erwartet, die Steigung wollte einfach nicht enden. Zudem blies ein kalter Gegenwind, sodass die einzige Schwäche des Tages nicht lange auf sich warten liess.

Der sportliche Ehrgeiz – meine Frau meinte später, da handle es sich eher um beginnenden Altersstarrsinn – trieb mich doch die letzten Meter zur Passhöhe hoch. Die letzte Verpflegungsstation war erreicht: Ein aufmunterndes Wort, ein Glas Cola, ein Riegel, als Service eine Brillenreinigung!
Nach einem herzlichen Dankeschön an die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die der Kälte auf den Passhöhen trotzten – es waren gerade einmal 4 °C – machte ich mich auf das letzte Stück in Richtung La Punt auf. Dank Rückenwind und Trockenheit ging es zügig nochmals das Engadin hinunter – und nach 9h 50’ 43’’ war ich am Ziel in Zernez! Mehr als zufrieden die eigene Zeitvorgabe unterboten zu haben, und um ein tolles Erlebnis reicher.

• Autor: Robert Baldinger


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