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Spucke muss sein! Die Speichelproduktion eines gesunden Erwachsenen beträgt knapp einen Liter pro Tag.


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Spucke muss sein


Ausserhalb seiner angestammten Heimat Mundhöhle hat der Speichel einen schlechten Ruf. Ausspucken ist verpönt, vom Anspucken gar nicht zu reden. Dabei ist die wässrig-schleimige Substanz wegen ihrer vielen guten Seiten unverzichtbar und darüber hinaus ein interessan-ter Stoff für die Forschung.

Spucken verboten!
Vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking versuchten die Behörden, den chinesischen Brauch des auf-den-Boden-Spuckens in Räumen, Bussen und auf Strassen mit Benimm-Kursen und Geldstrafen zu unterbinden. Auch in der Schweiz und in Deutschland gibt es Bussen fürs Hinterlassen von Speichelpfützen in der Öffentlichkeit (falls die – häufig jugendlichen – Übeltäter erwischt werden, was selten genug geschieht).
Das Spucken von Fussballspielern auf den Rasen scheint eine unausrottbare Angewohnheit, von der auch schon Tennisprofis angesteckt sind. Seit aller-dings die Schweinegrippe grassiert, wurden die Kicker der Premier League von ihren Clubs aufgefordert, das Spucken auf den Rasen zu unterlassen. Ob sich die Fussballer bei ihrem Ausscheidungsritual tatsächlich in die Suppe spucken lassen?

Hygiene-Fortschritt: Spucknapf
In den USA des späten 19. Jahrhunderts gehörten in Hotels, Saloons, Banken, Büros, Geschäften, Universitäten und Reisezügen Spucknäpfe per Gesetz zum Inventar. Die Messingbehälter standen überall auf dem Fussboden, um die braune Spucke der Tabakkauer aufzufangen. Was einem heute vor Unbehagen Gänsehaut bereitet, war damals ein Benimm-Fortschritt: Statt überall auf den Boden zu spucken, mussten nun die Näpfe benutzt werden.
Eine ähnliche Phase gab es auch in China. Nach 1949 wurden in öffentlichen Gebäuden und manchen Privathaushalten farbige und oft reich verzierte Spuckbehälter aus Porzellan platziert. In den späten 1980er Jahren wurden die öffentlichen Speibehälter allerdings wieder entfernt.
Heute kennt man Spucknäpfe nur noch von Kaffee- und Weintests oder anderen Degustationen.

Anspucken: extrem demütigend
Spuckt man vor jemandem auf den Boden, gilt das als Zeichen der Verachtung. Noch viel kränkender, ekliger und (auch juristisch gesehen) beleidigend ist es, angespuckt zu werden.
Leider greift das Anspucken immer weiter um sich. Sicher ist vor der Ekel erregenden Demonstration, die bisher noch eine Männerdomäne zu sein scheint, niemand mehr: weder unbeteiligte Passanten noch Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter im Dienst oder Mitspieler auf dem grünen Rasen.

Spucken erlaubt?
Wer hat nicht schon mal eine Briefmarke abgeleckt, mit befeuchtetem Finger eine Zeitungsseite umgeschlagen, mit Spucke einen Fleck weggewischt oder einen Insektenstich besänftigt? Welche Mama hat nicht schon mal ins Taschentuch gespuckt, um die Hände der lieben Kleinen zu säubern?
Aus Russland soll der Theaterbrauch des sich Glück- und Erfolgwünschens mit dreimaligem Spucken über die linke Schulter stammen. Das heute übliche «Toi, toi, toi» ist eine lautmalerische Version des richtigen Spuckens, das dann später als unfein galt.  (...)


• Autorin: Ingrid Zehnder




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