|
||||||||||||||||
|
|
|
Aktuelle Ausgabe: Die Themen des Monats |
Jetzt neu in der 23. Auflage: «Die Leber reguliert die Gesundheit»: Neuauflage des Klassikes von A. Vogel.
Weitere Informationen ![]() Die Uhr auf Gesundheit umstellen? «A.Vogel Gesundheits-Nachrichten»: Jetzt kostenloses Probeabo bestellen ![]() |
Zeitumstellung oder: Warum wird an der Uhr gedreht? Sommerzeit. Winterzeit. Zweimal im Jahr gehen bei uns die Uhren plötzlich anders. Die wenigsten wissen, warum wir es tun, die meisten finden es sinnlos, viele leiden darunter. Am Ende dieses Monats ist es wieder so weit. Am Sonntag, dem 29. Oktober 2006 um zwei Uhr nachts werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Wir können also beim Wechsel von der Sommerzeit zur Normal- oder Winterzeit eine Stunde länger schlafen. Im nächsten Frühjahr, am letzten Märzwochenende, wird uns diese Stunde wieder geraubt. Mit Beginn der Sommerzeit wird es um zwei Uhr nachts plötzlich schon drei sein. Benjamin Franklin ist an allem schuld Der amerikanische Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Politiker und Erfinder machte sich bereits 1784 Gedanken darüber, wie man Beleuchtungskosten sparen könne. Er, ein fleissiger und sparsamer Mann, hätte abends gerne länger gearbeitet, ohne dabei Kerzen zu verbrauchen. Die Idee, die Zeit zu verändern, empfand er allerdings eher als amüsanten Witz. Erst 1907 formulierte ein Engländer den Begriff der «Tageslichtverschwendung». Das führte zu einer breiten Diskussion um nutzbare Arbeitszeit bei Tageslicht und Energiekosten. 1916 war es dann so weit: Irland, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder hatten eine «Sommerzeit». Ab da ging es drunter und drüber mit der Zeit. Was einst fest und unveränderlich schien, wonach wir uns richteten, und nicht umgekehrt, wurde nun zum Instrument der Wirtschaft – und wir mit ihr, unserer Zeit. Munteres Zeigerdrehen Zu Kaisers Zeiten gab es also eine Sommerzeit in Deutschland, in der Weimarer Republik keine mehr, während des zweiten Weltkriegs wurde sie wieder eingeführt. 1947 trieb man die Sache auf die Spitze: Deutschland und einige andere Länder verordneten sich zusätzlich zur Sommerzeit noch eine Hochsommerzeit. Zwischen 1950 und 1980 wurde in Deutschland der natürliche Lauf der Zeit nicht verändert, ab 1980 begann das Vor- und Zurückstellen der Uhren von neuem. Gründlich, wie man so ist, gibt es sogar ein Gesetz zum Zeigerdrehen. Ab 2002 wurde per Verordnung zum Zeitgesetz die mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) auf unbestimmte Dauer eingeführt. Die Helvetier trieben es nicht ganz so toll. In der Schweiz galt nur in den Jahren 1941 und 1942 eine Sommerzeit von Anfang Mai bis Anfang Oktober. Nach einer öffentlichen Debatte Ende der 1970er Jahre wollte man die Zeitumstellung eigentlich auch nicht wieder einführen. 1980 allerdings stellte die Schweiz eine Zeitinsel inmitten von Ländern dar, deren Uhren anders gingen. So entstand Chaos – von Fahrplänen bis Verabredungen wusste niemand mehr, wieviel die Uhr geschlagen hatte. Also entschloss man sich 1981 doch, sich den Nachbarstaaten anzuschliessen. Von 1981 bis 1995 galt die «Tageslichtsparzeit» von Ende März bis Ende September, seit 1996 sparen wir von Ende März bis Ende Oktober. 60 Prozent der Bevölkerung gaben in einer Umfrage aber an, nicht zu wissen, warum es überhaupt eine Zeitumstellung gibt. Wie spät ist es, bitte? Zeitparadoxe Sie finden das alles etwas verwirrend? Machen Sie sich nichts daraus. Anderswo herrscht erst recht Tohuwabohu. Die Israelis dürfen ungefähr am ersten Freitag im September länger schlafen – so genau weiss man das nicht, da in Israel das Innenministerium jedes Jahr aufs Neue den genauen Tag bestimmt. Die Palästinenser folgen am ersten Freitag nach dem 15. Oktober; und in Europa und Nordamerika dürfen sich alle am letzten Oktobersonntag richtig ausschlafen. China, Japan und der US-Bundesstaat Arizona legen sich gleich ganz quer und stellen ihre Uhren gar nicht um. Nicht genug damit, dreht Australien noch ein wenig mehr am Rädchen. Bereits während der Olympischen Spiele 2000 hatte das Land besondere Zeitzonen-Regelungen eingeführt, wofür z.B. die Computer mit spezieller Software ausgerüstet werden mussten. Dieses Jahr verschob Australien einfach das Ende der Sommerzeit. Wegen der Commonwealth Games endete sie statt am 26. März erst am 2. April. Die Sonne hat nicht mehr Recht Im Übrigen orientiert sich die Zeit durch unsere Eingriffe auch nicht mehr am Stand der Sonne, der früheren Ortszeit. Schon durch die Normierung der Zeit in den Zeitzonen kommt es zu Abweichungen von der Ortszeit, die wenige bis etliche Minuten betragen. Die Sommerzeit verschiebt das Ganze um eine zusätzliche Stunde. So wird der höchste Stand der Sonne – der Mittag, der einst die Tageshälfte bezeichnete – in vielen Regionen Frankreichs und Spaniens erst nach 14 Uhr erreicht. Ein Spareffekt? Schon seit der Einführung der Sommerzeit wird über Sinn und Unsinn dieser Massnahme diskutiert. Inzwischen ist ziemlich deutlich, dass das eigentliche Ziel – die Einsparung von Energie – nicht erreicht wurde. Zwar wird elektrisches Licht gespart, jedoch muss morgens, besonders in den kalten Monaten März, April und Oktober mehr geheizt werden. Studien zum Gesamt-Energieverbrauch sind widersprüchlich: Manche errechnen einen winzigen Spareffekt, andere einen ebenso minimalen Mehrverbrauch. Ob mehr oder weniger: Die Spannen sind so klein, dass die Energieversorger keine Unterschiede messen können. (... ...) Möchten Sie den ganzen Artikel lesen? Einfach kostenloses Probeabo (3 Ausgaben) bestellen. |
||
|
|
|
||
|