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Harpagophytum procumbens A.Vogel
Eine Heilpflanze zeigt Rheumaschmerzen die Kralle

Wärme hilft. Kälte auch
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Teufelskralle: Eine Heilpflanze zeigt Arthrose die Krallen

Warum die schöne Pflanze Teufelskralle heisst, versteht man erst, wenn man sich die Frucht anschaut. Ihre wahren Werte und Geheimnisse aber liegen unter der Erde. Die Wurzeln der Teufelskralle sind ein kraftvolles Mittel gegen rheumatische Schmerzen.

Inhalt:
In der Wüste zu Hause
Hausmittel der San
Traditionell gegen Fieber und Rheuma
Pflanze mit Geschichte
Hoffnung für Schmerzgeplagte
Natürliche Alternative zu NSAR
Gut Ding will Weile haben

Pflanzen wirken eben doch anders
Eine steile Karriere
Ökologie in Afrika
... und bei uns



Mitten in der Wüste, auf rötlichem Sand, leuchten hellrosa bis purpurrote, trichterförmige, auffallend grosse Blüten. Die grünen Triebe kriechen am Boden entlang. Ein Blick auf die verholzenden Früchte erklärt den merkwürdigen Namen: in der Mitte ist mit etwas Phantasie ein fratzenartiges Gesicht zu sehen, die langen Auswüchse sind mit krallenartigen Stacheln bewehrt. Die sorgen für eine raffinierte Art der Verbreitung, denn die Widerhaken können im Fell von Tieren hängen bleiben oder sich sogar in die weichen Teile von Hufen einbohren und werden so weitergetragen.
Unterirdisch sieht die Teufelskralle, die zur Familie der Sesamgewächse gehört, unscheinbarer, doch nicht weniger beeindruckend aus. Sie bildet eine lange, knollige Speicherwurzel, die Primärwurzel, die von etlichen sekundären Knollen  begleitet wird.
In diesen rübenartigen Organen sind die Stoffe enthalten, die die Teufelskralle medizinisch wertvoll machen. Verwendet werden nur die zerkleinerten und getrockneten Nebenknollen, die mehr als ein Pfund wiegen können. So nimmt die Pflanze, die neue Speicherwurzeln bilden kann, keinen Schaden. 

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In der Wüste zu Hause
Heimat dieses Pflanzenwunders ist die Kalahari: Ein riesiges Becken von mehr als einer Million Quadratkilometern, gefüllt mit feinpulverigem rotem Sand. Der zentrale Teil dieser (Halb-)Wüste erstreckt sich von der nördlichen Kapprovinz in Südafrika durch Botswana hindurch bis nach Namibia.
Grosse Teile der Kalahari sind offene Akazien-Savanne. Im Sommer herrschen hier Temperaturen von 40 °C und mehr, in den Wintermonaten kann es vor allem nachts empfindlich kalt werden. Es regnet sehr wenig. Mehr als 80 Prozent des Niederschlags fallen im Sommer, von Oktober bis April; ob, wann und wo es regnet, ist jedoch nie sicher.
In einem trockenen Jahr können in diesen sieben Monaten gerade mal 100 Millimeter Regen zusammenkommen, in einem feuchten Jahr kann es allein im Dezember 200 Millimeter regnen. Fallen kurzzeitig grosse Mengen, verwandelt sich die Wüste fast über Nacht in eine grüne Oase mit farbenprächtigen Wildblumen.

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Hausmittel der San
Diese herausfordernde Umwelt ist die Heimat der San, noch häufig als Buschmänner oder Buschleute bekannt. Die kleinwüchsigen San leben traditionell als nomadische Jäger und Sammler vom reichlichen Wildbestand der Kalahari, von Früchten und Wurzeln. Wasser bekommen sie aus wasserspeichernden Pflanzen und vom Tau.
Das bescheidene Leben unter schwierigen Bedingungen wurde den sanftmütigen Ureinwohnern in der modernen Zeit jedoch nicht leicht gemacht. Unter anderem wurden in der Kalahari Diamanten und andere Bodenschätze gefunden. Daraufhin versuchte man die Buschleute  «umzusiedeln» und aus der Zentralkalahari, ihrem angestammten Lebensraum, zu vertreiben.
Sofern sie noch ihre traditionelle Lebensweise leben können, kamen und kommen die San aber mit ihrer wenig komfortablen Umwelt gut zurecht. Ihr Wissen, unter anderem ihre ausgezeichneten botanischen Kenntnisse, erlaubt ihnen, in ihrer Umwelt nicht nur zu überleben, sondern sich des Lebens zu erfreuen und bei guter Gesundheit zu bleiben. Es waren die Buschleute, die die Teufelskralle als wichtige Medizinalpflanze entdeckten und sie in getrocknetem Zustand oder in Form von Aufgüssen und Abkochungen jahrhundertelang nutzten.

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Traditionell gegen Fieber und Rheuma
Betrachtet man die Liste der traditionellen Indikationen, scheint es fast, als sei die Teufelskralle ein Universalmedikament. Die einheimischen Heiler verordnen sie bei Leber-, Gallen-, Magen-, Nieren- und Blasenleiden.
Dabei wissen die San auch um die Wirkung der Dosierung: in kleinen Dosen wird die Wurzel eingenommen, um Durchfall zu behandeln, in grossen aber gegen Verstopfung. Sie wird bei Infektionen und Fieber, bei Asthma, in der Wundbehandlung und zur Geburtshilfe eingesetzt. Sehr beliebt war und ist auch die Anwendung bei Arthrosen und anderen rheumatischen Erkrankungen.  


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Pflanze mit Geschichte
Nach dem Herero- und Hottentotten-Aufstand (1904-1906) in Südafrika wurde die Teufelskralle von der westlichen Welt entdeckt. Der Farmer G. H. Mehnert bekam das bis dahin wohlgehütete Geheimnis heraus, als sein Jagdhund die Spur eines Medizinmannes bis zum Ausgrabungsloch der Pflanze verfolgte.
Auch Alfred Vogel studierte bei seinen Reisen in die Wüsten Kalahari und Namib die Eigenschaften und Heilkräfte des interessanten Gewächses und notierte in den «Gesundheits-Nachrichten»: «Natürlich habe ich mich auch der Teufelskralle bedient, wenn ich unter gesundheitlichen Störungen bei meinen Aufenthalten in den Tropen litt.»
In neuerer Zeit war es besonders der südafrikanische Arzt und Botaniker Dr. Nigel Gericke, der die Pflanze erforschte. Er spezialisierte sich auf Ethnobotanik und ist Mit-Autor mehrerer Bücher über südafrikanische Heilpflanzen.
Ein Freund Dr. Gerickes ist der Tswana-Heilkundige Isaac Mayeng, der auch einen akademischen Grad in medizinischer Chemie besitzt. Er ergänzte das Wissen um die Heilkräfte der Teufelskralle: Die Gabe von getrockneten Wurzeln erhöht auch die Lebensqualität bei Diabetes Typ 2 und bei Bluthochdruck. 


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Hoffnung für Schmerzgeplagte
Heute ist das vielseitige Tonikum der San in der westlichen Wissenschaft als wirkungsvolle Heilpflanze anerkannt. Man weiss, dass Präparate aus der Teufelskralle entzündungs- und schmerzlindernd wirken, sehr gut verträglich sind, kaum Nebenwirkungen und keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Das macht sie zu einer hochinteressanten Alternative bei Rücken- und Kreuzschmerzen, beim «Verschleiss-Rheumatismus» Arthrose und anderen rheumatischen Erkrankungen.

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Natürliche Alternative zu NSAR
Rheuma, egal in welcher Form, tut weh. Nicht umsonst stehen auf der Liste der meistverkauften Medikamente noch immer so genannte «nichtsteroidale Antirheumatika» ganz weit vorne.
Ihre Wirksamkeit ist unbestritten, doch die Schmerzlinderung ist oft teuer erkauft: Diese Mittel zeichnen sich durch eine Reihe unangenehmer bis gefährlicher Nebenwirkungen aus. Schwindel, Kopfschmerzen, Ödembildung, Hautausschlag, Haarausfall, Leber- und Nierenschäden treten auf; das Risiko für ein Ansteigen des Blutdrucks ist erhöht.
Besonders häufig aber sind heftige Magen- und Darmprobleme, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Es kann zu Magenschleimhautentzündungen, Geschwüren und Blutungen kommen. So genannte «selektive COX-2-Hemmer», die zu den NSAR gehören, aber diese Nebenwirkungen nicht haben, steigern wiederum die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Der schmerzgeplagte Mensch geht diese Risiken ein, weil es sonst kaum auszuhalten ist.

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Gut Ding will Weile haben
Genau hier kann die Teufelskralle ansetzen: Zur Behandlung akuter Schmerzen ist sie nicht geeignet, da ihre Wirkung erst in zwei bis vier Wochen nach Beginn der Einnahme einsetzt. Dann aber wirkt sie ausgezeichnet.
Der Effekt, auch wenn es ein Weilchen dauert, hat schon viele Patienten aufatmen lassen: ob chronische Rückenbeschwerden, schmerzende Gelenke oder Arthrose, Teufelskrallenextrakt hilft. Bei leichten Schmerzen kann er allein, bei stärkeren zur Unterstützung der bestehenden Therapie eingesetzt werden.

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Das Ganze macht’s
Die Afrikanerin Harpagophytum procumbens - so der botanische Name der Teufelskralle - ist ein schönes Beispiel für Alfred Vogels Überzeugung, dass Heilpflanzen ein «Gefüge» darstellen, deren Wert und Potenzial als Ganzes zum Tragen kommt.
Hauptinhaltsstoffe der Speicherknollen sind Iridoidglykoside, darunter als wertbestimmender Anteil das Harpagosid.   Den Weg jedoch, der zur erleichternden Wirkung führt, kann man noch nicht nachvollziehen : ein Hauptwirkmechanismus konnte bislang nicht identifiziert werden.
Man nimmt daher an, dass der Gesamtextrakt – der zudem bessere Wirkung hat als die Einzelsubstanz Harpagosid – mehrere Faktoren im Entzündungsgeschehen beeinflusst. Zusammen mit der verbesserten Verdauungsfunktion, die durch die Bitterstoffe von Harpagophytum ausgelöst wird, führt dies wahrscheinlich zur Linderung der rheumatischen Beschwerden.

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Pflanzen wirken eben doch anders
Im Gegensatz zu den nichtsteroidalen Antirheumatika hemmt Teufelskrallen-Extrakt die Cyclooxygenasen nur geringfügig. Nebenwirkungen, die dadurch entstehen, dass wie bei den NSAR in die Prostaglandinproduktion eingegriffen wird, treten also beim Harpagophytum-Extrakt nicht auf.
Insgesamt ist Teufelskralle gut bis sehr gut verträglich – auch bei Langzeitanwendung. Nebenwirkungen gibt es nur selten, am häufigsten leichte Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Sodbrennen, Blähungen, Durchfall).
Wichtig zu wissen: Diese Erscheinungen rühren von den Bitterstoffen der Teufelskralle her, die die Verdauung stimulieren. Die Nebenwirkungen sind also reversibel und nicht mit denen der NSAR zu vergleichen, die eine Schädigung der Magenschleimhaut hervorrufen.

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Eine steile Karriere
Alfred Vogel schrieb: «Zu jener Zeit, als ich die Teufelskralle suchte, war diese Pflanze in Europa nahezu unbekannt. Dann aber bemächtigte sich ihrer die Geschäftswelt … Die Nachfrage stieg so sehr, dass die Sammler statt der echten Teufelskralle ähnlich bitter schmeckende Wurzeln lieferten.
Es war nicht leicht, später wieder Ordnung in diesen unreellen Wirrwarr zu bringen. Da sich aber die Regierung gegen eine Ausbeutung einsetzte und Einschränkungen in Kraft setzte, gelang es, der Pflanze einen gewissen Schutz zuteil werden zu lassen. Dies hatte zur Folge, dass sie inzwischen wieder fast in Vergessenheit geraten ist.»
Das blieb nicht so: Noch Mitte der siebziger Jahre exportierte Namibia jährlich nur etwa 200 Tonnen getrockneter Teufelskrallenwurzeln. Diese Zahl stieg innerhalb weniger Jahrzehnte auf 650 Tonnen im Jahr 2000, d.h. etwa 10 Millionen Pflanzen.
Zwar bedeutet dies nicht, dass ebenso viele vernichtet werden, da die Mutterknolle ja zurückgepflanzt werden kann. Dennoch schätzen Fachleute einen Schwund von drei Millionen Pflanzen pro Jahr als realistisch ein. Ökologisches Denken und Schutz für die Ressourcen der Natur sind also auch hier unabdingbar.

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Ökologie in Afrika …
Die Firma Bioforce beteiligt sich daher schon seit 1998 an einem Forschungsvorhaben mit der Universität Münster, den Firmen Salus und Parceval sowie der südafrikanischen Farm Avontuur. Der Münsteraner Prof. v. Willert engagierte sich so stark in diesem Projekt, dass er in Afrika auch als «Mr. Harpago» bekannt war.
Das Anbauprojekt verfolgt die Ziele, die Art zu schützen, die genetische Vielfalt zu erhalten, Rohstoffe mit guter, möglichst gleichbleibender Qualität zu produzieren und eine wichtige Einkommensquelle der Bevölkerung durch nachhaltige Nutzung zu sichern.
Das ist nicht ganz einfach, denn die Teufelskralle ist eine empfindliche Pflanze und die Savanne ein schwieriges Anbaugebiet. Spezielle Verfahren berücksichtigen die fragile Ökologie: Die natürliche Vegetation wird nur auf fünf Meter breiten Streifen entfernt. Zwischen den pflanzenfreien Zonen bleiben sieben Meter breite, natürlich bewachsene Ab-schnitte, die die Winderosion verhindern. Die Teufelskralle, in den vegetationsfreien Streifen angebaut, kommt ohne Bewässerung aus. Durch dieses Anbausystem konnte zudem der Ertrag um das Zehnfache gesteigert werden.

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… und bei uns
Synthetische Arzneimittel verschwinden nicht aus der Welt, wenn wir sie geschluckt haben. Wir scheiden zumindest Rückstände davon wieder aus – und in den Abwasserreinigungsanlagen werden diese nicht oder bestenfalls teilweise biologisch abgebaut.
Das hat Folgen: Inzwischen findet man in fast allen Gewässern Spuren von Arzneimitteln. Unter den häufigsten: Diclofenac, das schmerzstillende Antirheumatikum, so berichtete die «Appenzeller Zeitung» erst im März 2006.
Auf das Leben im Gewässer – Pflanzen, Kleintiere und Fische – hat das schädliche Auswirkungen, die Gewässerbiologen grosse Sorgen machen. Ein Grund mehr, mit synthetischen Medikamenten vorsichtig und sparsam umzugehen.    

  • Dr. Claudia Rawer


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