Dr. Claudia Rawer, Chefredakteurin "Gesundheits-Nachrichten"

Sie ist Diplompsychologin und promovierte Biologin - und brachte die optimalen Voraussetzungen für die Chefredaktion der traditionsreichen Zeitschrift des Naturheilkunde-Pioniers A.Vogel mit. Per Ende Mai 2016 ging sie in Pension. Hier das Interview, das wir 2004 mit Frau Dr. Rawer geführt hatten:

Welche Ziele haben Sie sich als Chefredaktorin des beliebten und traditionsreichen Titels gesetzt?

Ich möchte vor allem zweierlei erreichen: zum einen die bisherigen Grundwerte der «A.Vogel Gesundheits-Nachrichten», nämlich gute und sorgfältige journalistische Recherche, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit, erhalten, wie sie sind. Zum anderen möchte ich gerne noch stärker neue Erkenntnisse in der Naturheilkunde – die ja auch ständig fortschreitet – in den Vordergrund stellen und auch neue, junge Leserinnen und Leser gewinnen.

Wer war Alfred Vogel? Wie nimmt sich in knappen Worten seine Philosophie aus?

Sein Kerngedanke war: Je frischer die Heilpflanze, desto gehaltvoller die fertige Arznei. Alfred Vogel war ein Pionier der Naturheilkunde. In den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts betrieb er in Teufen AR eine Praxis als Naturarzt und stellte fest, dass Tinkturen aus frisch geernteten, kontrolliert biologisch angebauten Pflanzen am besten wirken. Er gründete die «A.Vogel Gesundheits-Nachrichten», die es nunmehr seit über 75 Jahren gibt, schrieb Bücher wie «Der kleine Doktor» und gründete 1963 die Bioforce AG in Roggwil (TG).

Aus welchen Firmen besteht die A.Vogel-Gruppe?

Unter der Dachmarke A.Vogel sind verschiedene Leistungsbereiche zusammengefasst: die  Schwerpunktthemen sind Pharma, Food (Reformprodukte) und Information. Die Marke hat Zeit ein neues, frisches Erscheinungsbild erhalten, das sich künftig einheitlich durch alle Erzeugnisse hindurch ziehen wird – von der Venentablette über das Kräutersalz bis zu den «A.Vogel Gesundheits-Nachrichten» und den Büchern. In der Schweiz besteht die A.Vogel-Gruppe aus drei Firmen: Die Bioforce AG in Roggwil ist die Herstellerfirma der Pharma- und Foodprodukte; die A.Vogel GmbH in Teufen betreibt das Gesundheitszentrum mit dem Heilpflanzen-Schaugarten, dem telefonischen Gesundheitsberatungsdienst und der Drogerie. Der Verlag A.Vogel gibt die 10-mal pro Jahr erscheinenden «A.Vogel Gesundheits-Nachrichten» sowie die Bücher von Alfred Vogel heraus.

Sind die A.Vogel / Bioforce-Produkte eine Alternative zu chemischen Erzeugnissen oder eher als Ergänzung zur konventionellen Medizin gedacht?

Ich denke, das ist zunächst eine Frage der Lebenseinstellung, wie bei anderen Dingen, dem Essen, dem Wohnen, dem Anziehen auch. Ich persönlich ziehe eine möglichst natürliche Lebensweise und natürliche Produkte vor. Nur ein Beispiel: chemische Mittel dienen oft der Symptombekämpfung. Natürlich kann ich mal eine Kopfschmerz-Tablette nehmen. Wenn ich aber öfter Kopfschmerzen hätte, würde ich dem auf den Grund gehen und nach den Ursachen suchen, nicht einfach die Symptome behandeln. A.Vogel-Produkte sind Ausdruck einer ganzheitlichen Einstellung zu Gesundheit und zur Natur.

Die Quintessenz von Alfred Vogel, wenn Sie so wollen: seine Philosophie, basiert auf acht Pfeilern. Lesen Sie mehr >

Diese sind heute so einleuchtend wie vor fünfzig Jahren und haben nichts von ihrer Aktualität eingebüsst, im Gegenteil: Natürlichkeit und Lebensqualität, Gesundheitsvorsorge, Eigenverantwortung, das Gleichgewicht als Lebensprinzip, Achtung und Mitgefühl, Heilstreben als Naturgesetz, das Ganzheitsprinzip und die Kraft der Liebe – das sind Werte, die heute wie damals ihre Gültigkeit haben.

Inwieweit ist Alfred Vogel auch im Ausland bekannt?

Überall auf der Welt, wo der unermüdliche Forschungsreisende Alfred Vogel Station gemacht hat, gibt es auch heute noch Spuren von ihm, manchmal ganze „Nester“. Vogel – er lebte von 1902 bis 1996 – war ein leidenschaftlicher Reisender und hat bis ins hohe Alter Vorträge gehalten. Heute gibt es über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 25 Ländern, die einen Umsatz von rund 130 Millionen Franken erwirtschaften.

Aufgrund diverser Artikel auf unserem Portal betreffend Heilpflanzen könnten Leser daran interessiert sein, selber Kräuter im heimischen Garten zu züchten. Welche Pflanzen würden Sie dafür empfehlen?

Das gäbe eine lange Liste. Pfefferminze, Zitronenmelisse, Goldmelisse, Echinacea (Roter Sonnenhut), Salbei, Thymian, Rosmarin und viele andere habe ich in meinem eigenen Garten, wo sie wunderbar gedeihen. Im A.Vogel Gesundheitszentrum bieten wir übrigens unter der Bezeichnung „Learning by doing" Tagesseminare für den Anbau von Heil- und Küchenkräutern an. Auskünfte darüber erteilt gerne Remo Vetter vom A.Vogel Gesundheitszentrum, Telefon 071 / 35 66 11071 / 35 66 11.

Weitere Informationen darüber, wie man Heilpflanzen selber anbauen kann, finden Sie auch hier. Mehr >

Die von Ihrem Unternehmen verwendeten Pflanzen werden biologisch angebaut. Stammen diese Kräuter alle aus der Schweiz?

Viele ja, da wir aus Qualitätsgründen grossen Wert auf eigene Saatgut-Gewinnung und einen kontrolliert biologischen Anbau legen. Die Bioforce besitzt 45 ha Felder für den Eigenanbau in Roggwil. Von den knapp 300 Tonnen frischen Heilpflanzen, die die Bioforce jährlich verarbeitet, kommen allerdings verschiedene auch aus dem Ausland. Nur zwei Beispiele: Die Sägepalme, aus deren Früchten das Prostata-Arzneimittel hergestellt wird, wächst nur im ganz besonders heissen Klima in Florida, und die spezielle Arnika-Sorte, die aufgrund des ausserordentlich hohen Gehalts an Wirkstoffen verwendet wird, wurde von einem deutschen Bio-Bauern gezüchtet und wird ausschliesslich von ihm angebaut.

Besteht die Möglichkeit, diese Gärten zu besichtigen?

Selbstverständlich. Sowohl das Gesundheitszentrum in Teufen als auch die Produktion in Roggwil können besichtigt werden. Hier erfahren Sie mehr: Erlebnisbesuche und Ausflugstipps zu A.Vogel. Am schönsten blühen die Pflanzen in den Sommermonaten, und dann ist es wirklich ein Erlebnis, inmitten der herrlichen Kräuter und Blüten zu stehen. Remo Vetter (Tel. 071 / 335 66 11071 / 335 66 11) und Tanja Fässler (Tel. 071 / 454 62 42071 / 454 62 42) geben Interessierten gerne weitere Auskünfte. Übrigens gibt es seit in Roggwil auch einen lehrreichen und unterhaltsamen Gesundheitsweg zum Thema Rheuma.

(Das Interview erschien zuerst auf www.gesundheitskanton.ch; der Abdruck erfolgt mit Genehmigung.)

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