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Von Diäten und dem Jo-Jo-Effekt

Warum viele Diäten nicht halten, was sie versprechen

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Diäten enden nur allzu oft mit der Erkenntnis, dass sich nichts geändert hat. Ein neues Gefühl für den Körper zu gewinnen, hilft mehr als eine neue Diät oder Entschlackungskur.


Diäten flüstern ins Ohr, dass bald alles ganz anders aussieht, besonders der Körperumfang. Frauen machen – leider zu oft – Diäten. Wer kennt diese Sätze nicht: «Nein danke, ich mache gerade eine Diät» und bald darauf: «Ooch nein, alles wieder zugenommen!» Diäten halten meist nicht, was sie versprechen.

Jo-Jo-Effekt: Nutzlosigkeit kalorienreduzierter Diäten

Der berüchtigte Jojo-Effekt ist zu erklären: In der strengen Diätzeit hat der Körper weniger Kalorien bekommen als er für seine Gewebezellen braucht. Was macht er? Er schaltet auf Sparflamme um. Das bedeutet, jede zugeführte Energie (Kalorie) wird maximal ausgenützt, der ganze Stoffwechsel «heruntergefahren». Bekommt der Körper dann wieder Nahrung, braucht der Körper lange, um sein Notprogramm wieder abzustellen. Gnadenlos wird jede Kalorie in Speicherfett oder Energie umgewandelt.

Deshalb können stark kalorienreduzierte Diäten auf Dauer kein Erfolgsprogramm sein. Nebenbei bemerkt: je strenger die Diät, um so grösser das Risiko, das normale Körperbewusstsein zu verlieren. So laufen selbst ursprünglich übergewichtige Kinder Gefahr, nach einer solchen Diät (ohne ärtzliche oder therapeutische Überwachung) magersüchtig zu werden.

Aber es schmeckt doch so gut!

Gutes Essen ist wahrlich ein Genuss, doch in erster Linie essen wir, um Energie aufzunehmen. Das ist der Sinn und Zweck aller Brötchen, Bananen, Trüffeltorten und Gemüse. Wir essen, damit wir denken, gehen, lieben, uns bewegen, arbeiten und lachen können – um damit nur ein paar unserer wunderbaren Möglichkeiten zu nennen.

Jeder Körper hat dabei ein ganz eigenes Energiebedürfnis. Manche Menschen benötigen mehr Nahrung, andere weniger. Diäten sind jedoch pauschal. Bei Diäten handelt es sich höchstens um Ernährungsempfehlungen, die man jeweils für sich prüfen kann.

Manche der Empfehlungen sind sinnvoll. So ist es sicher gut zu wissen, dass ein herkömmliches Croissant oder Gipfeli sehr, sehr fettig ist. Hat man früher doch eben mal aus Lust darauf und nebenbei gegessen. Was Diäten leider oft völlig ausser Acht lassen, ist das Gefühl für Hunger oder andere Gründe der Nahrungsaufnahme. Wenn wir aber essen, obwohl wir keinen Hunger haben, werden wir dick. Mit Diät und ohne.

Schon dick oder nur moppelig?


Man spürt es selbst, wenn man zugenommen hat. Oder etwa nicht? Die meisten Menschen brauchen dafür nicht mal eine Waage, sondern es genügt der Blick in den Spiegel oder ein zwickender Hosenbund. Und die meisten wissen auch ohne Tabellen, dass Süsses dick macht, Fett fett, dass naturbelassene und vollwertige Nahrung die beste ist, die wir unserem Körper geben können. Auch dass wir auf die Qualität der Nahrung achten sollten, ist uns bekannt.

Meist läuft es doch so: Abnehmen geht nur auf Zeit. Kaum hat man abgenommen, steigt die Zahl der Kilos auf der Waage auch schon wieder hoch. Die guten Vorsätze, kein Fett zu essen und sich mehr zu bewegen, hat man bei verschiedenen Gelegenheiten vergessen (Feiertag, Urlaub, Regen, kalt, Kopfweh).


Entschlackung und Diät: Es geht um Körperkompetenz

 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die wenigsten Diäten Ihnen vorschlagen, dann zu essen, wenn Sie Hunger haben und dann aufzuhören, wenn Sie satt sind? Kennen Sie eigentlich noch Ihr Hungergefühl?

Wirklichen Hunger zu spüren, ist eine Seltenheit. In unseren Breitengraden scheint er fast ausgerottet zu sein. Was wir kennen, ist Appetit. Das ist aber kein Signal des Körpers, dass er «Sprit» braucht.

Wenn Sie essen, wenn Sie bloss Appetit verspüren, ist es so, als würden Sie Ihren Wagen bei jeder Tankstelle am Strassenrand auftanken, ungeachtet dessen, ob der Tank leer ist oder noch voll.

Jojo-Diaet

Zunehmen, abnehmen, zunehmen – Diäten und Entschlackungskuren halten meist nicht, was sie versprechen. Und wenn man einmal ein paar Pfunde weg hat, gehört der Jojo-Effekt zu den eher frustrierenden Erfahrungen.

Um beim Wagen zu bleiben: Wir sind stolz, je weniger unser Auto an Benzin verbraucht. «Nur 5,5 Liter! Toll!» jubeln wir. Wenn aber unser Körper energiearm fährt, wollen wir das nicht wahrhaben. «Ich habe heute früh nur ein Müesli gegessen und mittags eine Suppe! Mmmh. Das ist zu wenig. Ich habe keinen Hunger, aber ich esse mal was.»

Kennen Sie Gedanken dieser Art? Ihr Körper hat vielleicht einen wunderbaren Sparmotor. Um das herauszufinden, müssen Sie auf Hungergefühle achten.

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Hunger ist ein gutes Gefühl!


Denn Hunger ist ein Signal, dass wir wieder Energie brauchen. So wir nicht an einer Stoffwechselkrankheit leiden, ist Hunger ein sehr gesundes Zeichen. Wie fühlt sich Hunger an? Bei manchen Menschen ist er wie ein nagendes Gefühl im Bauch, häufig mit einem Grummeln verbunden. Wenn Sie Hunger haben, dann möchten Sie essen. In der Regel ist das nichts Süsses, sondern etwas Handfestes, also Nahrung, die dem Körper Energie zuführt. Erst der Heisshunger verlangt nach schnellem Zucker ins Blut.

Versuchen Sie, mehr und mehr herauszufinden, wann sich Ihr Hunger meldet und essen Sie dann langsam, bis Sie spüren, dass Sie satt werden. Es geht nicht um pappsatt – das wäre schon zu viel. Falls die Menge nicht reicht, können Sie später noch ein bisschen «nachessen». Vermutlich wird es eine Zeitlang brauchen, bis Sie mit Ihren Körpersignalen wieder vertraut werden.

Als wir uns noch von unserer Hände Arbeit ernährten, auf den Feldern und im Wald, assen die meisten Menschen einfach dann, wenn sie Hunger hatten. Vorausgesetzt, es war etwas da – damals gab es noch keinen Kühlschrank, in dem man Nahrungsmittel horten konnte, oder Gefriertruhen, die bis zum Rand gefüllt sind und die man «leer essen» muss, weil sonst selbst das Gefrorene verfällt. Es gab keine Regale voll mit Schokolade und Chips. Und es gab längst nicht die Auswahl an gezuckerten und mit künstlichen Aromen versetzten   Getränken. Man ass, was die Natur hergab und manchmal Leckereien, die Reisende aus anderen Ländern mitbrachten. 

Entschlacken? Wer ist der Chef?


Heute ist das anders. Wir leben in der Vielfalt. Das bedeutet aber, dass wir einen kühlen Kopf und die Regie in der Hand behalten müssen, wollen wir in der Vielfalt nicht untergehen. Eine grosse Herausforderung unseres derzeitigen Lebens liegt darin, nicht alle Nahrungsangebote anzunehmen, die man uns anpreist. Obwohl wir so viel offeriert bekommen, ist vieles davon keine wirkliche Qualität, sondern enthält nur «leere   Kalorien», Energie, die uns nicht nährt, sondern sich nur auf die Hüften legt.


Auf Körper und Seele hören


Das Wissen, das zum individuellen und idealen Gewicht verhilft und gleichzeitig ein hohes Mass an Qualitätsbewusstsein zum Merkmal des Lebens macht, muss man sich erarbeiten. Um nicht dick zu werden oder abzunehmen, müssen Sie sich selbst und Ihre Ernährungsgewohnheiten kennen lernen.

Das bedeutet auch, die Gefühle zu untersuchen, die uns dazu bewegen, ein Gipfeli zu kaufen, obwohl wir keinen Hunger haben. Ist es Langeweile? Ist es Frust? Oder findet am Tisch mit den Kollegen einfach keine nahrhafte Unterhaltung statt, und wir essen deswegen aus Verzweiflung noch ein Dessert?

Je mehr wir uns auf die Schliche kommen, desto seltener wird es passieren, dass wir unbewusst etwas in uns hineinstopfen. Von ganz alleine reguliert sich die Nahrungsaufnahme und damit auch das Gewicht. Aber nicht nur dies ist das Ziel. Das bedeutet, täglich sollten wir nachspüren, ob es Hunger ist oder ein seelisches Bedürfnis. Als Resultat wird man immer selbstbewusster und unabhängiger von Werbung und von Pralinen, die einem die freundliche Kollegin auf den Schreibtisch stellt. «Vielen Dank! Aber ich habe keinen Hunger.» Die Kollegin hält das aus, und was die Pralinen angeht, die laufen Ihnen ganz sicher nicht davon. Wetten dass?
• Autorin: Christine Weiner

Fotos: Panthermedia
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