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Glaukom: Augen unter Druck

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Glaukom ist der Sammelbegriff für eine Reihe ernstzunehmender Schädigungen der Netzhaut und des Sehnervs. Meist verläuft die Krankheit schleichend und schmerzlos. Dadurch bleibt sie zunächst unbemerkt. Ihr Fortschreiten kann jedoch fatale Folgen haben. 


Bekam mein Vater zu hohen Blutdruck, merkte er das sofort. Ihm wurde schwindelig, und er hatte Ohrensausen. Meine Mutter leidet unter Glaukom, dieser Augenkrankheit, die auch der «grüne Star» heisst. Da geht es ebenfalls um hohen Druck – und zwar im Augeninneren. Ich habe diese Krankheit, zumindest in der Anlage, von ihr geerbt. Doch ob mein Augen-innendruck steigt oder nicht, spüre ich nicht. Das ist das Tückische daran. Die Veränderungen des Auges bis hin zu Sichteinschränkungen werden, da sie nach und nach passieren, nicht bewusst wahrgenommen.


Autorin: Christine Weiner

Glaukom: Eine schleichende Erkrankung


Meist kommt es erst nach einem Gespräch in der Familie oder einer Empfehlung des Augenarztes dazu, dass Menschen beginnen, sich mit dem Thema Augeninnendruck und Glaukom auseinanderzusetzen. Manchmal, wie bei mir, kommen mehrere Signale zusammen. Obwohl meine Mutter daran erkrankt war, wusste ich erst einmal nicht viel darüber.

Einer der Schwerpunkte der Mannheimer Augenärztin Dr. Béatrice Klein ist die Behandlung des Glaukoms. Sie war für mich eine der ersten Adressen, als es darum ging, mich mit der Erkrankung und den möglichen Behandlungsmethoden auseinanderzusetzen. «Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom (POWG)», so die Ärztin, «handelt es sich um eine der häufigsten vermeidbaren Erblindungsursachen.» Dass ich auch erblinden könnte, so weit hatte ich noch nicht gedacht. Wie mir ergeht es den meisten Menschen: Fehlendes Wissen über die Gefährlichkeit, unzureichende Programme zur Früherkennung und Unkenntnis über die Behandlungsmöglichkeiten führen dazu, dass sich nur etwa die Hälfte der Patienten ihrer eigenen Glaukomerkrankung und den möglichen Folgen bewusst ist.

Geändertes Verständnis der Krankheit


Noch vor einigen Jahren galt die These: Ohne hohen Augeninnendruck kein Glaukom. Heute weiss man, dass ein erhöhter Druck im Auge zwar ein wichtiger Risikofaktor für die Erkrankung ist, aber für Sehnerv– und Gesichtsfeldveränderungen sowie die mögliche Erblindung auch andere Ursachen infrage kommen.

80 Prozent aller Personen mit erhöhtem Augeninnendruck entwickeln kein Glaukom, und bei etwa 30 Prozent aller, die bereits einen Glaukomschaden entwickelt haben, konnte niemals ein erhöhter Augen-

innendruck gemessen werden. (Aus diesen Gründen bewertet der Medizinische Dienst der deutschen Krankenkassen die vom Patienten zu berappende Vorsorgemessung des Augeninnendrucks als «tendenziell negativ». Siehe: www.igel-monitor.de)

Tatsache ist aber auch: (Unbehandelte) Glaukome sind die Hauptursache für Blindheit. Insgesamt leidet an dieser Krankheit etwa ein Prozent der Bevölkerung, wobei das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter deutlich steigt.

Möglichkeiten der Therapie


In der Naturheilkunde setzt man sich schon lange mit dem Glaukom und dem schwankenden oder zu hohen Augeninnendruck auseinander. Da jede Erkrankung individuell ist, und Augeninnendruck und Glaukom nicht konsequent miteinander in Verbindung gebracht werden können,  wurden mir von der Heilpraktikerin Tina Cetto in Weinheim homöopathische Mittel empfohlen, welche die Zellwände durchlässiger machen, Stauungen im Blut- und Lymphsystem auflösen und so die Durchblutung fördern oder den Druck im Auge senken (z.B. Regenaplex, Mucokehl Augentropfen, Natrium chloratum D6).

Der Heilpraktiker Andreas Nieswandt aus Düsseldorf, den ich zu Rate ziehe, meint: «Wenn Sie das Gefühl haben, der Augendruck ist zu hoch, oder wenn Sie eine hohe Messung hatten, dann sind Senfbäder sehr unterstützend.» Also muss nun Senfpulver her, denn wenn ich darin die Füsse bade, dann tut es «am anderen Ende» gut. (Senfmehl aus der Apotheke: 1 EL in angenehm warmes Wasser geben, Füsse 15 Minuten darin baden, dann kalt abduschen.)

Nieswandt setzt auch auf Augenakupunktur, die er bei seinen Patienten eine Woche lang täglich macht.

Viele Betroffene berichten, dass sie eine spezielle Augenakupunktur an verschiedenen Meridianpunkten des Körpers als wirksam erleben. Weil ich diese Methode ausprobieren wollte, wurden mir die Nadeln am Arm sowie zwischen den Fingern und Zehen gesetzt.

Auch Dr. Béatrice Klein arbeitet nicht nur schulmedizinisch. «Interessanterweise», erklärt sie mir, «gehört das Glaukom in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zum Leberfunktionskreis, dem die Farbe Grün (grüner Star) zugeordnet wird. Dazu führt häufig eine lang bestehende emotionale Unausgeglichenheit in der Leber mit aufsteigender Hitze (immer wieder schwankender Augeninnendruck) und Schleimsymptomatik (steht in der TCM für alles, was dick, zäh, bewegungsarm ist). Die TCM versteht Glaukom als eine Kombination aus Trockenheit und Flüssigkeitsansammlung, was nach dieser Lehre langfristig zu einem Gewebeschaden führt.» Kräuterbehandlung und Akupunktur sind für die Ärztin unterstützend, ersetzen jedoch ihrer Meinung nach die schulmedizinische Behandlung nicht.

«Die zeitgemässe Glaukom-Therapie», so erklärt die Ärztin, «zielt neben der nachweislichen Drucksenkung auch auf die Verbesserung der individuellen Druckempfindlichkeit des Sehnervs. Wesentlich ist dabei, dass der Patient die auf ihn abgestimmten Medikamente gut verträgt und, das ist sehr wichtig, dass er die Therapie nachhaltig verfolgt, damit diese schnell der Erkrankung angepasst werden kann.»

Zur Verfügung stehen der Schulmedizin Arzneimittel, meist in Tropfenform, mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die auch untereinander kombiniert werden können:

  • Hemmung der Kammerwassersekretion: Karboanhydrasehemmstoffe, Betablocker, Brimonidintartrat,
  • Verbesserung des trabekulären Abflusses (Trabekelwerk heisst das Gewebe, das hauptsächlich den Abfluss des Kammerwassers sichert): Miotika,
  • Verbesserung des uveoskleralen Abflusses (über die Gefässe des Ziliarkörpers und der Iris): Prosta-glandin-Derivate, Brimonidintartrat,
  • Verbesserung der Durchblutung des Sehnervs: Karboanhydrasehemmstoffe.

Glaukom und Erkrankungen des Augeninnendrucks zu behandeln, ist auch für den Arzt nicht einfach, denn bis heute kann keine Untersuchungsmethode eine sichere Aussage darüber machen, wie hoch beim Einzelnen der intraokulare Druck (IOD) sein darf, um noch toleriert zu werden. Das zieht nach sich, dass auch der beste Zeitpunkt des Therapiebeginns nicht genau bestimmt werden kann.

Umfangreiche Studien zeigen nämlich, dass aufgrund der individuell unterschiedlichen Druckempfindlichkeit des Sehnervs von vielen Patienten ein gering erhöhter Augeninnendruck lebenslang schadensfrei toleriert wird, dass aber andererseits etwa 60 Prozent der Patienten mit glaukomatösen Gesichtsfeldausfällen einen normalen Augeninnendruck aufweisen. Glaukom ist also eine ganz persönliche Erkrankung mit einem eigenen Strickmuster, das anderen Mustern nur ähnelt, diese aber nicht als Vorlage nehmen kann. «Der Kern des Durchblutungsproblems», so weiss Dr. Klein, «ist bei vielen Glaukom-Patienten die gestörte Autoregulation. Neben der Minderversorgung weisen Glaukom-Patienten häufig auch eine reduzierte Geschwindigkeit des Blutflusses auf.»

Oft zeigt sich die Durchblutungsproblematik auch an anderen Organen (Ohr, Stammhirn), so dass das Glaukom das Symptom eines allgemeinen gefässbedingten Leidens ist.

Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, gilt dabei eine besondere Aufmerksamkeit in der Augenmedizin, da bei diesem Phänomen die Sauerstoffversorgung des Körpers im Schlaf extrem schlecht ist.

Messung des Augeninnendrucks


Das regelmässige Messen des Augeninnendrucks ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung für die Augengesundheit, wenn dabei auch das Gesichtsfeld, die Netzhaut, der Sehnerv und die Dicke der Hornhaut betrachtet werden. Die Kosten werden von den deutschen Kassen nur übernommen, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung besteht bzw. ein erhöhter Augeninnendruck bekannt ist. In der Schweiz wird für alle ab 45 Jahren und besonders für Risikopatienten in vom Arzt festzulegenden Abständen eine Vorsorgeuntersuchung empfohlen.

Die Messung des Drucks allein ist so gut wie schmerzfrei und dauert keine zwei Minuten. Die Augenärztin benutzt Tropfen, welche die Hornhaut betäuben. Manche Menschen verspüren hier einen leichten Brennschmerz, der aber schnell vergeht. Gleich nach dem Tröpfeln kann der Arzt mit einem Gerät, das die Hornhaut leicht berührt, messen, wie hoch der Druck im Augeninneren ist.

Inzwischen bieten verschiedene Praxen und Kliniken eine Operation mit minimalinvasivem Eingriff an, welche den Augeninnendruck senken soll. «Eine Operation ist sinnvoll, wenn trotz ausreichender medikamentöser Behandlung eine rasche Gesichtsfeldverschlechterung eintritt, Augentropfen nicht vertragen werden oder der Patient nicht regelmässig zur Untersuchung kommen kann», ist dazu die Sicht von Dr. Klein. Angesprochen werden ältere Menschen, die sich nicht mehr selbst Augentropfen verabreichen können, denn eine Operation sollte weniger Medikamente möglich machen.

Was ich noch für mich tue

Ich weiss nun, dass zwar nicht alles erforscht, aber vieles sicher ist, was mich gesund und meine Augen heil erhält. Unter anderem ist hier auch die gute Mutter Natur zu nennen, genauer die regelmässige Bewegung im Freien. Entspannung, Bewegung, Sauerstoff und ausgleichende Gedanken wirken sich auf den Blutdruck günstig aus, und der ist auch für die Augengesundheit wichtig.

Fakten-Check: Gesichtsfeldausfall


Als Gesichtsfeld bezeichnet man den Bereich, der beim unbewegten Blick geradeaus zu sehen ist. Die Ausfälle beginnen an den Rändern. Da diese oft vom anderen Auge ausgeglichen werden, werden die Einschränkungen erst spät – zu spät – bemerkt. Denn mit dem Fortschreiten der Krankheit breiten sich die «blinden Flecken» zur Mitte hin aus. Das kann bis zum völligen Verlust des Augenlichts führen. Nur der Augenarzt kann derartige Ausfälle frühzeitig nachweisen.

Fakten-Check: Risikofaktoren


Die wichtigsten Risiken für die Entstehung eines Glaukoms:

  • Alter über 65 Jahre,
  • häufiges Auftreten in der Familie,
  • Diabetes mellitus,
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Apparates,
  • schwere Augenentzündungen,
  • starke Kurz- und Weitsichtigkeit,
  • sehr niedriger Blutdruck
  • Kortisonbehandlung. Bei 5 bis 10 Prozent aller Menschen führt eine längere Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen/Medikamenten zu einer Form des Sekundärglaukoms.
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