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Mandeln: raus oder nicht?

 

Noch vor 20, 30 Jahren wurden die Gaumenmandeln oft als überflüssige Risiken im Nasen-Rachen-Raum betrachtet und nicht selten schon bei Kindern ab drei Jahren mehr oder minder routinemässig entfernt. Heute weiss man mehr über die wichtige Aufgabe der Mandeln als erste Wächter vor Viren- und Bakterienattacken. Trotzdem werden die Mandeln nach wie vor zu häufig geschnitten.


Vier Mandeln sitzen als Wachtposten am Eingang des Rachenraums: je eine Zungen- und eine Rachenmandel und die beiden Gaumenmandeln. An ihnen muss alles vorbei, was wir einatmen: Schwebstoffe, Staub, Pollen, Viren, Bakterien. Befinden sich darunter Krankheitserreger, werden die Mandeln aktiv. Weisse Blutkörperchen, die in den Mandeln sitzen, erkennen den Eindringling und bekämpfen ihn gezielt.


Autorin: Ingrid Zehnder (2/03)

Frühwarnsystem im Hals


Mandeln sind ähnlich aufgebaut wie Lymphknoten. Gemeinsam mit den Seitensträngen bilden sie den so genannten lymphatischen Rachenring. Es handelt sich dabei um ein Art Frühwarn- und Lernsystem gegenüber körperfremden Stoffen aus der Umwelt (Viren, Bakterien, sonstige Antigene). Spricht man von einer Mandelentzündung, so versteht man darunter nur die Entzündung der beiden Gaumenmandeln, die bei geöffnetem Mund hinten zwischen den Gaumenbögen liegen und meist gut zu sehen sind. Ist die Rachenmandel (oben am Nasen-Rachen-Raum, dem Blick meist verborgen) betroffen, spricht man dagegen von Wucherungen – im Volksmund fälschlich auch Polypen (auffälligstes Symptom: eine ständig verstopfte Nase).

Auslöser von Mandelentzündungen


Zu den Erregern der Mandelentzündung gehören eine Vielzahl von Viren. Einen grossen Teil der Infektionen löst jedoch eine Bakterienart aus, die Streptokokken. Auch Krankheiten wie Tuberkulose, Diphtherie und Scharlach können eine Mandelentzündung zur Folge haben. Die meisten Erreger gelangen mit der Atemluft, durch Tröpfcheninfektion in den Rachenraum. Deshalb sollte man mit einem Mandelentzündungsopfer weder das Besteck noch die Tasse teilen oder es gar küssen. Einen bequemeren und direkteren Transportweg gibt es für die Erreger nicht.

Kennzeichen einer akuten Mandelentzündung


  • Die Gaumenmandeln schwellen an und röten sich.
  • Der Hals schmerzt (mitunter bis zum Ohr hinauf) und das Schlucken tut weh.
  • Durch fortschreitende Infektion können sich gelblich-weisse Eiterherde in den kleinen Gruben der Mandeln bilden.
  • Die Lymphknoten am Hals unter dem Kiefergelenk schwellen an und sind druckempfindlich.
  • Die Zunge ist belegt und es entsteht ein süsslicher Mundgeruch.
  • Der Erkrankte spricht, als hätte er einen Kloss im Hals
  • Hohes Fieber (mit anfänglichem Schüttelfrost), das etwa zwei bis vier Tage anhält.

Die Entzündung bannen



  • Die meisten «banalen» Virusattacken haben die Mandeln in wenigen Tagen überwunden. Wie bei jeder fieberhaften Erkrankung sollte viel getrunken werden, damit die Schleimhäute gut befeuchtet werden.  Verzichten Sie auf zucker- und kohlensäurehaltige Getränke. Alternativen sind Hagebuttentee, Apfelschalentee, aber auch verdünnter Karottensaft oder Apfelsaft. Diese Getränke werden auch speziell von Kindern sehr gerne angenommen. Die Beschwerden etwas lindern kann man durch Lutschen von Eis und den Verzicht auf feste und gewürzte Kost.

  • Schwerer zu kämpfen haben die Mandeln bei einer Attacke durch Bakterien. Ein grosser Teil der Infektionen wird dabei von der Bakterienart Streptokokken ausgelöst. Eine bakterielle Infektion erkennt man oft am Eiter, spuckt der Patient gelb-grünen Schleim sind Bakterien mit im Spiel.

  • Kalte Wickel hemmen die Entzündung und beruhigen die Schleimhaut: Ein Leinentuch in kaltes Wasser tauchen, ausdrücken und um den Hals legen. Darüber ein trockenes Baumwolltuch, abschliessend ein Wolltuch straff und faltenlos, aber nicht eng um den Hals wickeln. Während der Anwendung (zweimal täglich) sollte man sich hinlegen. Den Wickel abnehmen, wenn er sich nicht mehr kalt anfühlt. Wenn eine Erkältung gerade beginnt oder das Fieber noch steigt, sollte man auf kalte Wickel verzichten. Den Wickel sofort abnehmen, wenn sich die Schmerzen dadurch verstärken. Alfred Vogel empfahl bei Mandelentzündungen  auch Auflagen mit gequetschten Kohlblättern im Wechsel mit Lehmwickeln (Lehm mit Zinnkrauttee angerührt) oder besonders stark wirkende Quark-Meerrettich-Auflagen (ein Drittel geriebener Meerrettich, zwei Drittel Quark).

  • Eine weitere wichtige Massnahme ist das Spülen des Rachens spülen. Bewährt haben sich Spülungen mit ein paar Tropfen Salbei- oder Thymian-Tinktur in einem Glas lauwarmem Wasser. Auch Gurgeln mit Salzwasser hilft: Ein Teelöffel gelöst in einem halben Liter lauwarmen Wasser ergibt eine heilsame Gurgellösung. Das Kauen von Bibernellwurzeln oder Imperatoria (Meisterwurz) oder das Auslutschen eines ungespritzen Zitronenschnitzes trägt zur Desinfektion und guter Mundhygiene bei. «Innerlich nimmt man Lachesis D12 und Nierentee mit Goldrute (Solidago) ein, denn dies hilft, die Anginagifte auszuscheiden», so Alfred Vogel.

Den Arzt aufsuchen


Fühlt sich der Patient schwer krank bzw. stellt sich nach oben genannten Therapieversuchen keine Besserung ein, ist ein Arztbesuch unerlässlich. Dank der Antibiotikatherapie gibt es heute kaum noch die früher gefürchteten Komplikationen wie das rheumatische Fieber, eine chronische Nierenerkrankung oder eine Herzbeteiligung.

Pro und kontra Mandeloperation


Eine chronische Mandelentzündung kann, muss aber nicht ein Grund für eine Mandeloperation sein. Dauernd mässige Halsschmerzen, ständiger Mundgeruch, chronische Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Erkältungsneigung, Probleme beim Hören sowie unklare Temperatur-erhöhungen können im individuellen Fall anzeigen, dass eine Operation notwendig ist.

Ein weiterer Grund, die Mandeln zu entfernen, sind immer wiederkehrende akute Entzündungen (vier- bis sechsmal pro Jahr gilt als in der Norm) und wenn der Patient auf Antibiotika nicht mehr reagiert. Bei manchen Patienten sind die Gaumenmandeln so stark vergrössert, dass sie Schlucken und Atmen behindern. Die Betroffenen schnarchen und leiden zum Teil unter nächtlicher Apnoe, einem kurzfristigen Atemstillstand. Auch in diesem Fall macht eine Operation Sinn.

Operiert wird normalerweise nur, wenn keine akute Entzündung vorliegt. Der Eingriff erfolgt bei Kindern unter Vollnarkose, bei Erwachsenen auch unter örtlicher Betäubung und dauert im Schnitt 15 bis 20 Minuten. Die häufigsten Komplikationen bei einer Mandeloperation sind Nachblutungen an der Operationswunde, wobei Erwachsene etwas gefährdeter sind als Kinder. Seltener kommt es zu Geschmacksstörungen, die meist nur vorübergehend sind. Schmerzen können bis zu zehn Tage lang bestehen.

Alfred Vogel über Halsmandeln


Schon vor 50 Jahren schrieb A. Vogel im «Kleinen Doktor»

  • «Nicht allen mag bekannt sein, dass die Halsmandeln und der Wurmfortsatz ein sehr gut ausgebautes Lymphnetz besitzen. Da sie zudem in ihrer Aufgabe als Bakterienfilter und Bakterienvernichter verwandt sind, könnte man sie als Schwesterorgane bezeichnen. Weil ihre Wirksamkeit für den Körper überaus wichtig ist, sollte man sie auf keinen Fall herausnehmen, so lange sie noch funktionstüchtig sind. Im Krankheitsfall sollte man sich sorgfältig bemühen, durch konservative Methoden eine Heilung zustande zu bringen, damit diese wichtigen Organe dem Körper erhalten bleiben.»
  • «Erschrecken Sie nicht, liebe Leser, wenn ich Ihnen sage, dass es sich bei Lachesis um ein Schlangengift handelt, und zwar von einer Schlange, deren Biss unrettbar den Tod bringt (Lachesis mutus, Buschmeister). Homöopathisch ist Lachesis eines der besten Heilmittel. Nach überstandenen Krankheiten, wenn noch allerlei Gifte im Körper zirkulieren und das Blut noch mit den Krankheitsstoffen zu kämpfen hat, leistet Lachesis Wunderbares. Eine beginnende Angina kann man in der Regel mit Lachesis D10 kupieren (3-mal 5 Tropfen/Tag). Auch gegen Halsleiden besonders schwerer Natur ist Lachesis eine gute Hilfe. Um die restliche Ausscheidung der Giftstoffe zu fördern ist eine Nachkur mit Schwitzbädern sowie Nieren- und Lebertropfen notwendig.» (Alfred Vogel Vogel)
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