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Selbstbewusst werden mit viel Freude! (Teil 1)


Ängstlich, verkrampft, unsicher, unkonzentriert? Wenn Kinder über längere Zeit mit solchem Verhalten auffallen, kann eine Psychomotoriktherapie helfen. Sie stellt die Wechselwirkung zwischen Denken, Fühlen und Bewegen und deren Bedeutung für die Entwicklung des Menschen ins Zentrum.



Die Tür fliegt auf und ein kleiner Engel steht im Rahmen: grosse, strahlende Augen, hellbraune Locken und ein bezauberndes Lächeln. Das Engelchen heisst Nina, ist neun Jahre alt und beginnt in wenigen Minuten eine Therapiestunde in Psychomotorik. Die Vorfreude lacht aus dem Gesicht der Primarschülerin, als sie Barbara Müller begrüsst.

Die 42-Jährige arbeitet als Psychomotoriktherapeutin am Schulhaus Kappelenfeld im bernischen Hinterkappelen. Unbefangen plaudert das Mädchen drauflos, erzählt von den Spielsachen zu Hause und von der grandiosen Aussicht, noch am selben Nachmittag mit Mami ins Schwimmbad gehen zu dürfen.


«Möchtest Du heute über den Kissenturm springen, Nina?», fragt Barbara Müller. «Jaaaa!» ruft Nina begeistert und springt in die Hängematte, die von der Decke des Therapieraumes baumelt. Mit Hilfe von kräftigen Körperbewegungen schaukelt sich das Kind immer höher, während Barbara Müller in einigen Metern Entfernung einen Turm aus grossen, bunten Schaumstoffkissen aufbaut.

Dann ruft die Therapeutin mit kräftiger Stimme: «Eins, zwei, dreeiii …!» Das ist das Kommando: Nina löst sich von der Schaukel, fliegt durch die Luft über den Kissenturm und landet mit einem Plumps auf der Bodenmatte. «Darf der Turm noch etwas höher sein?» will Barbara Müller wissen. «Jaaaa!», ruft Nina wieder und rennt zurück zur Hängematte, während die Therapeutin am Kissenturm weiterbaut. Auch den auf Mannshöhe angewachsenen Turm überfliegt Nina ohne die geringste Angst.  


Rasch und sicher reagieren

Noch vor wenigen Monaten wären solche Mutproben nicht ohne Weiteres möglich gewesen. «Das Mädchen kam in die Therapie, weil es ängstlich und verträumt war», erklärt Barbara Müller. «Es ging darum, Ninas motorische Fertigkeiten zu verbessern und ihr Selbstvertrauen zu fördern – auch die Fähigkeit, mit unvorhergesehenen Situationen rasch und sicher umzugehen.»


Barbara Müller wählt die dafür geeigneten Bewegungsspiele mit Bedacht. So auch die Mutprobe, die als nächstes folgt. Die Kissen sind weggeräumt, ein grosser, bunter Ball wird zum Spielhelfer. Nina schaukelt erneut in der Hängematte, diesmal jedoch mit geschlossenen Augen. Plötzlich ruft die Therapeutin «Monster!!!» und schleudert Nina den Ball entgegen. Rasch öffnet das Mädchen seine Augen, stoppt den heranfliegenden «Monster-Ball» und kickt ihn energisch mit den Füssen weg.   


Spüren und selbstbewusst werden

Zu einer Psychomotoriktherapie gehören auch Tast- und Wahrnehmungsübungen – denn: «Je besser ein Kind seinen Körper spürt, desto selbstsicherer fühlt es sich», erklärt Barbara Müller. Ruhig setzt sie sich mit dem Mädchen an einen Tisch, auf dem eine Kiste voller Maiskörner steht. Nina beginnt, mit geschlossenen Augen in den Maiskörnern zu wühlen. Nach kurzem Suchen haben ihre Finger einen kleinen, stacheligen Massageroller ergriffen. «Ds Igeli!», ruft Nina und hält den Roller strahlend in die Luft.


Die Suche geht weiter. Als nächstes findet Nina im Maiskörner-Meer ein kühles, glattes Marmor-Ei, gefolgt von einem weichen Stoffball, den sie sogleich «Pfludi» tauft.

Danach legt sich die Neunjährige bäuchlings auf den Boden und die gefundenen Gegenstände wandern einer nach dem anderen – von der Therapeutin geführt – über den Rücken des Mädchens. «Bei dieser Übung geht es ums Spüren mit dem ganzen Körper», sagt Barbara Müller. «Sie trägt dazu bei, dass sich Nina entspannt und erdet.»


Die 45 Therapieminuten sind fast verstrichen, doch Nina will unbedingt nochmals in die Hängematte. Eng zurrt sie das grobe Baumwolltuch um ihren Körper, bis nur noch der Kopf rausguckt. Dann dreht sie sich mit einem Ruck um die eigene Achse, so dass das Gesicht zu Boden schaut und eine beachtliche Körperbeherrschung notwendig ist, um nicht wie ein Kartoffelsack erdwärts zu fallen. Nina strahlt: «Das isch dr Schmätterling!» Eine sinnige Beschreibung – auch für das Mädchen, das wenige Minuten später glücklich an der Hand seiner Mami Richtung «Badi» stapft.   


Lesen Sie hier Teil 2 des Artikels u.a. mit folgendem Inhalt:

  • Einsatzfelder des Psychomotorik
  • Selbstbewusstsein: Geschützt üben
  • Nützliche Adressen

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