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Potenzprobleme: Männerproblem Erektile Dysfunktion

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Bei vielen Männern treten im Lauf des Lebens Erektionsstörungen auf. Potenzmittel aber können schwere Nebenwirkungen haben. Gesunde Ernährung dagegen wirkt sich unerwartet positiv aus. Und es gibt sanfte Mittel gegen die erektile Dysfunktion.

«Männer sind allzeit bereit», sang Herbert Grönemeyer in seinem Ohrwurm aus den 1980er-Jahren und fragte im Refrain ironisch «Wann ist ein Mann ein Mann?». Wenn er «kann», würden vermutlich die meisten Herren der Schöpfung antworten. Denn Sexualität gilt als Lebenselixir – egal, wie alt man(n) ist.

Liebe, Lust und Lebensqualität

Für jeden zweiten Mann zwischen 20 und 75 Jahren ist ein lustvolles Liebesleben von zentraler Bedeutung für seine Lebensqualität. Das ist ein Ergebnis der MALES-Studie, einer repräsentativen, 2001 in acht Ländern durchgeführten Befragung von rund 28 000 Personen. Die Potenz beeinflusst bei vielen Männern massgeblich das Selbstbewusstsein. Ist die Erektionsfähigkeit gestört, führt das häufig zu einer Einschränkung des männlichen Selbstverständnisses.

Auch wenn das Thema noch immer ein Tabu ist und viele Männer sich selbst ihrer Partnerin gegenüber schwertun, ein Potenzproblem anzusprechen – betroffen davon sind viele: Rund 400 000 Männer in der Schweiz, mehrheitlich in der zweiten Lebenshälfte, lautet die Schätzung von Urologen unter Berücksichtigung ausländischer Studien. Und fast vier Millionen Betroffene im Alter von 30 bis 80 Jahren in Deutschland, so eine Erhebung der Universität Köln.

Hilfsmittel in Pillenform

Zahlen, die deutlich machen, weshalb eine kleine, blaue Pille ein derartiger Verkaufsschlager werden konnte. Ihr Name steht als Synonym für Potenzmittel schlechthin: Viagra. Mittlerweile sind weitere Arzneimittel dieser Wirkstoffklasse eingeführt, allesamt sogenannte Phosphodiesterasehemmer.

Prof. Hartmut Porst, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin Hamburg, hält die Gabe dieser Mittel für eine «nicht mehr wegzudenkende Bereicherung in der Therapie von Potenzstörungen». Über 8000 Patienten hat er bereits Viagra verordnet. In seiner Praxis führt er zudem eine unabhängige Studie mit 1000 Patienten durch, welche auch die Viagra-Nachfolger bewerten.

Gleichgewicht trainieren – Stürze vermeiden

Böse Nebenwirkungen

Nebenwirkungen haben diese Potenzmittel durchaus. Die häufigsten sind Kopfschmerzen, auftreten können auch Gesichtsröte, Sodbrennen, verstopfte Nase, Rücken- und Muskelschmerzen und selten Farbsehstörungen. Wie Forscher nun nachwiesen, steigert der Viagra-Wirkstoff Sildenafil auch die Wirkung von Hautkrebs. Er greift in den Signalweg von Melanom-Zellen ein und stimuliert so das Wachstum der Krebszellen. Dadurch breitet sich der Hautkrebs schneller aus. Indizien dafür hatten bereits Studien an knapp 40 000 Männern aus Schweden und den USA geliefert. Auf zellbiologischer Ebene konnten Wissenschaftler der Universität Tübingen jetzt den Mechanismus entschlüsseln, über welchen Sildenafil das Wachstum von Melanomzellen fördert. Von grosser Bedeutung ist dabei der Botenstoff cGMP (cyclisches Guanosinmono- phosphat), verantwortlich für die Weiterleitung von Signalen in der Zelle.

Dieser zelluläre Botenstoff ist beispielsweise beteiligt beim Sehvorgang, der Regulation des Insulinspiegels und des Blutdrucks – und eben bei der Erregung des Mannes. Eine Erektion entsteht durch ein raffiniertes Zusammenspiel von Nervenreizen, Botenstoffen, Blutzirkulation und Muskeln. Simpel ausgedrückt geschieht vor allem eines: Der Penis füllt sich mit Blut und versteift sich.

Feuerwerk der Biochemie

Am Anfang des Erektionsprozesses steht der Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO). Er wird bei sexueller Erregung durch eintreffende Nervenimpulse in den Wänden der Arterien und der Schwellkörper-Hohlräume freigesetzt. Dabei aktiviert er ein Enzym, das wiederum den bereits erwähnten Botenstoff cGMP bildet. Dieser entspannt die Gefässmuskelzellen, so dass sich die Blutgefässe weiten.

Im Verlauf der sexuellen Erregung wird stetig Stickstoffmonoxid freigesetzt und cGMP gebildet. Jetzt kommt noch das Enzym PDE-5 (Phospodiesterase 5) ins Spiel: Dieses baut cGMP ab, so dass während der Erektion ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau des Botenstoffes cGMP herrscht. Endet die sexuelle Erregung, endet auch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid . Was an cGMP noch übrig ist, wird abgebaut, die Gefässmuskelzellen spannen sich wieder an. Dadurch verengen sich die blutzuführenden Gefässe, der Bluteinstrom in den Penis geht zurück, und er erschlafft. Den cleveren Botenstoff cGMP nutzen die Zellen des malignen Melanoms ebenfalls als Signalweg für ihr Wachstum, fanden die Tübinger Wissenschaftler heraus.

Melanome wachsen stärker

Der Viagra-Wirkstoff wiederum verhindert, dass das Enzym PDE-5 brav seinen Dienst tun (ergo als «Phosphodiesterasehemmer» schaltet und waltet) und neu gebildetes cGMP kontinuierlich abbauen kann – Sildenafil löst gewissermassen die angezogene Bremse für ungeregeltes Zellwachstum.

Die Folge: Melanome beginnen stärker zu wachsen. Wohlgemerkt: Melanome, die bereits vorhanden waren. Für die Neubildung fanden die Forscher keine Anhaltspunkte. Weshalb sie auch in gewisser Hinsicht Entwarnung geben: Eine gelegentliche Einnahme von Viagra sei wahrscheinlich unproblematisch. Hautkrebspatienten jedoch sollten sich unbedingt mit ihrem Arzt abstimmen.

So hilfreich Viagra in vielen Fällen von erektiler Dysfunktion sein mag – es ist nicht die einzige Alternative, die dem Mann bleibt. Für Fälle von leichter bis mittlerer «Impotenz» gibt es durchaus Hilfe aus der Natur. Zu den natürlichen Potenzmitteln zählt L-Arginin , das auch in Nüssen, Getreiden und rotem Fleisch vorkommt. Es setzt Stickstoffmonoxid im Blut frei und fördert auf diese Weise den Blutfluss. Aufgepasst: Eine Überdosierung kann Magen-Darm-Probleme zur Folge haben.

Vorsicht vor Allergien

Seit Jahrtausenden wird in China die Kraft des Ginsengs als Heilmittel beschworen. Kleinere wissenschaftliche Studien aus Asien bestätigen die Wirkung der Wurzel als Aphrodisiakum. Wobei man erst vor einigen Jahren entdeckte, dass die Wirkung der Ginseng-Beeren deutlich stärker ist als die der Wurzel (Asian Journal of Andrology, 2013).

Diabetiker und Bluthochdruckpatienten sollten allerdings Vorsicht walten lassen: Die Einnahme von Ginseng kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen! In freier Natur wächst der beste Ginseng übrigens auf den mineralstoffreichen Bergböden in Korea und der Mandschurei. Doch wilder Ginseng ist rar, deshalb züchtet man ihn in China seit dem 12. Jahrhundert auf Plantagen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) setzt auch durchblutungsfördernden Ginkgo zur Potenzsteigerung ein. Die generell durchblutungsfördernde Wirkung ist durch Studien belegt und wird darum gerne auch zur Stärkung der Manneskraft genutzt.

Interview mit Professor Frank Sommer

Ein ausgewiesener Fachmann zum Thema erektile Dysfunktion ist Professor Frank Sommer. 2005 wurde er als erster Arzt der Welt zum Universitätsprofessor für Männergesundheit berufen.

GN: Herr Prof. Sommer, wie verbreitet sind Potenzprobleme und wie gehen Männer damit um?

FS: In den Industrienationen sind Erektionsstörungen sehr häufig. Zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr sind 20 Prozent aller Männer davon betroffen, das heisst: jeder fünfte Mann! Also handelt es sich hier um eine richtige Volkskrankheit. Mit zunehmendem Alter treten auch immer häufiger Erektionsstörungen auf.

Beispielsweise haben unsere Studien ergeben, dass bei 20-Jährigen höchstens 2,4 Prozent der Männer betroffen sind, bei 50-Jäh- rigen sind es schon 21,3 Prozent und bei den 75-Jährigen 73,9 Prozent. Die Mehrzahl der Männer geht mit dem Thema eher verschämt und zurückhaltend um. Doch das kann zum generellen Gesundheitsrisiko werden.

Denn Erektionsstörungen, die durch eine Durchblutungsstörung bedingt sind, können ein Hinweis auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Lässt der Patient jedoch frühzeitig eine sogenannte Doppler-Duplex-Sonographie seiner penilen Gefässe durchführen, erhöht das die Chance, das Herzinfarkt- bzw. Schlaganfallrisiko vier bis acht Jahre vor seinem Eintreten abzuwenden. Dazu reichen schon einfache, lebensverändernde Massnahmen aus. Wer möchte schon seine Gesundheit aufs Spiel setzen, nur weil er seine Penisgefässe nicht hat untersuchen lassen?! Wie heisst es so schön: Der Penis ist die Wünschelrute des Herzens! Er ist ein Frühwarnsystem für schwerwiegende Erkrankungen, die sich Jahre danach zeigen können.


GN: Welches sind die gängigsten Risikofaktoren für erektile Dysfunktion?

FS: Grundsätzlich unterscheidet man grob körperliche und psychische Ursachen bei Erektionsstörungen. In meinem neuen Buch «Der beste Sex deines Lebens» gehe ich darauf ein, welche mentalen Stärkungen es gibt und welche Übungen Männer durchführen können, um sich «geistig» auf eine erfüllende Sexualität einzustellen und diese dann auch zu leben.

Wenn tiefergreifende psychogene Probleme oder Erkrankungen vorliegen, dann rate ich den Männern, entsprechende professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Was die körperlichen Ursachen angeht, möchte ich den Blick auf die häufigsten Risikofaktoren lenken. Ein stark erhöhter Bauchumfang mit entsprechen- den Veränderungen, wie z. B. im Zuckerstoffwechsel oder im Fettstoffwechsel, können zu Erektionsstörungen führen. Aber auch allseits bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel ...

Laut Prof. Sommer wirken sich ausgewogene und gesunde Ernährung sowie regelmässige körperliche Aktivität (Spazierengehen, Benutzung der Treppen statt des Fahrstuhls etc.) sehr positiv auf die erektile Funktion aus. Im Detail kann man vieles über weitere Risikofaktoren nachlesen unter: www.maennergesundheit.info.


GN: Auf Ihrer Internetseite widmen Sie auch dem Thema Ernährung Raum. Eine neue Studie weist nun eine positive, vorbeugende Wirkung von Flavonoiden auf die erektile Dysfunktion nach. Wie schätzen Sie das ein?

FS: Wie schon bei den Risikofaktoren erwähnt, hat die gesunde Ernährung einen positiven Einfluss auf die erektile Funktion. Flavonoide, die in Erdbeeren, Heidelbeeren, Äpfeln, Birnen und Zitrusfrüchten enthalten sind, haben eine protektive Wirkung. Ein gut dosierter Obstverzehr kann Männer also vor erektiler Dysfunktion schützen. Im Übrigen bin ich ein grosser Befürworter davon, dass man erst einmal lebensstilverändernde Massnahmen ergreift, bevor man tief in die pharmakologische Kiste langt.


GN: Sie geben online Hinweise auf hilfreiche Substanzen aus der Natur. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Praxis mit natürlichen Potenzmitteln gemacht?

FS: Lifestyle-Veränderungen können einen sehr positiven Effekt auf die Sexualität haben! Hier spreche ich von einer gesunden Ernährung und körperlicher Aktivität. Eine gross angelegte Studie, welche die deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) unter meiner Regie durchgeführt hat, macht das deutlich. Eine Patientengruppe mit erhöhtem Bauchumfang und «schlechtem» Lebensstil konnte durch entsprechende Umstellung der Gewohnheiten eine signifikante Verbesserung in ihrer Erektionsfähigkeit aufweisen.

Was natürliche Stimulanzien angeht: Je nachdem, wie weit fortgeschritten gewebliche Veränderungen im Penis sind respektive welche Ursachen der Erektionsstörung vorliegen, können solche Substanzen extrem hilfreich sein. Wie in jedem Fach der Medizin gilt der Slogan: «Vor der Therapie steht die Diagnose». Daher muss zuerst festgestellt werden: Wie sind die Nerven, insbesondere die Penisnerven, bei Männern mit einer Erektionsstörung ausgebildet? Wie sieht es aus mit der Kraft des Potenzmuskels? Aber auch die Durchblutung ist sehr entscheidend. Sie muss mit speziellen Apparaten gemessen werden. Zusätzlich sollte auch die Gewebszusammensetzung des Penis bestimmt werden. Hat der Mann genügend glatte Muskelzellen? Hat sich zu viel schlechtes Bindegewebe im Penis angesammelt? Wie viel Blut kann der Mann während der Erektion halten? Fliesst zu viel Blut ab? Liegen vielleicht generalisierte Störungen vor, die man anhand einer Blutabnahme erkennen kann?

All diese Fragen müssen erst abgeklärt werden. Je nachdem, welche Resultate diese Untersuchungen zeigen, kann dann die Verwendung von natürlichen Potenzmitteln gute Ergebnisse bezüglich einer verbesserten Sexualität zeigen.


GN: Beckenbodentraining wird gemeinhin Frauen empfohlen. Sie legen es auch Ihren männlichen Patienten ans Herz. Warum?

FS: Frauen kennen sich häufig gut mit ihrer Beckenbodenregion aus. Männer haben hier einigen Nachholbedarf. Viele wissen gar nicht, wo ihre Potenzmuskulatur liegt! Wenn Sie einen Mann bitten, seinen Bizeps anzuspannen, kann er das in der Regel sofort. Man sieht dann am Oberarm, wie sich eine entsprechende muskuläre «Kugel» an der Vorderseite bildet. Wenn ich die Männer, die zu mir kommen, nach ihrer Potenzmuskulatur frage, sehe ich meist viele Fragezeichen in den Gesichtern. Wo sitzt die denn, wollen sie wissen. Und wenn ich ihnen dann erläutere, dass es sich um eine zwar kleine Muskulatur handelt, die jedoch extrem effizient trainiert werden kann, sieht man häufig das Leuchten in den Augen dieser Männer.

Wichtig ist, wie vor jedem anderen Muskeltraining, dass der Mann genau erlernt, wo diese spezielle Muskulatur liegt. Hierzu gibt es ganz spezielle Vorübungen. Sind diese Routine geworden und gelingt es dem Mann infolgedessen, die entsprechende Muskulatur mit Willenskraft anzusteuern und anzuspannen, kann mit dem «richtigen» Training begonnen werden. Jetzt gilt es, die Muskulatur aufzubauen. Bereits nach wenigen Wochen und Monaten wird beispielsweise die Härte der Erektion besser. Und der Blutfluss aus dem Penis wird gedrosselt – falls nicht andere Erkankungen die Erektionsstörung verursacht haben. In «Der beste Sex deines Lebens» wird genau beschrieben, welche Übungen die sogenannte «Potenzmuskulatur» stärken und durch welche Ausdauer- Techniken die Durchblutung des Penis und das Gewebe positiv beeinflusst werden können.

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