Drosera rotundifolia L. - Rundblättriger Sonnentau

Geschichte

Der Name Drosera kommt vom griechischen drósos und droseros, was «Tau» resp. «betaut» bedeutet und sich auf die Ausscheidung der am Blattrand stehenden Drüsenhaare bezieht. In den alten Kräuterbüchern hat die Pflanze den lateinischen Namen Rosa solis, was «Tau der Sonne», also Sonnentau bedeutet. Das lateinische rotundifolia heisst «rundblättrig». Volkstümlich wurde die Pflanze Himmelslöffelkraut oder Widdertod genannt.

In der nordischen Sage werden die Tropfen als die von der Göttin Freya um ihren in der Ferne weilenden Gemahl Odin vergossenen Tränen erwähnt. Die rätselhaften Tautröpfchen, die auch in der Sonne nicht verdunsteten, beschäftigten die Phantasie des Volkes sehr. Im 13. Jahrhundert versuchten die Alchemisten, aus diesem Sekret Gold oder ein Lebenselixier «ad longam vitam suam» herzustellen, was ihnen aber nicht gelang. Den römischen Medizinern scheint die Pflanze nicht bekannt gewesen zu sein. Sie wurde aber im Mittelalter arzneilich verwendet, vor allem bei Husten, Lungenleiden, Keuchhusten, Schwindsucht (= Tuberkulose), Epilepsie, sowie Nieren- und Blasenleiden.

Im Zusammenhang mit den proteolytischen Enzymen werden in Schweden Drosera-Arten benutzt, um frische Milch in sogenannte Zäh- oder Langmilch überzuführen. Dabei entsteht ein erfrischendes, säuerlich schmeckendes, schleimiges Getränk mit langer Haltbarkeit.

Botanische Merkmale: Drosera rotundifolia L. - Rundblättriger Sonnentau

Botanische Merkmale

Die fleischfressende Pflanze bildet eine Hauptwurzel mit Nebenwurzeln. Auffällig sind seine langgestielten, kreisrunden, hohlen Blätter, die eine bodenständige Rosette bilden. Die Blätter sind am Rande und auf der Oberseite mit zahlreichen purpurroten Drüsenhaaren besetzt, die an ihrer Spitze ein glänzendes rundes Köpfchen tragen. Ihr zähes, klebriges Sekret dient der Anlockung kleiner Insekten, die dadurch festgehalten werden. Die um das gefangene Insekt stehenden Drüsenhaare bewegen sich durch Wachstum langsam auf die Beute zu, bis schliesslich der Tierkörper mit Drüsenköpfchen, die einen pepsinähnlichen Verdauungssaft ausscheiden, dicht bedeckt ist. Die Eiweissspaltprodukte werden von den Drüsenhaaren aufgesogen, nur der Chitinpanzer bleibt auf dem Blatt zurück. Das tierische Eiweiss ist für carnivore Pflanzen notwendig, da sie meist auf nährstoffarmen Böden leben. Doch können sie in Notzeiten, wie die gewöhnlichen Pflanzen, ihre Nahrung auch aus Wasser, Kohlendioxid und Sonnenlicht fabrizieren. Sie sind dann jedoch weniger kräftig.

Aus der Mitte der Blattrosette spriessen dünne, 10 bis 20 cm hohe Blütenstengel. Sie tragen eine einseitige, vor dem Aufblühen eingerollte Scheinblütentraube mit kleinen grünlich-weissen Einzelblüten. Die Verbreitung der Pflanze erfolgt meist auf ungeschlechtlichem Wege durch Blattknospen.

Die Blütezeit ist von Juli bis August.

Vorkommen: Drosera rotundifolia L. - Rundblättriger Sonnentau

Vorkommen

Das kleine, interessante Pflänzchen gedeiht in sauren Mooren, Torfwiesen und Sumpfgebieten in arktischen und den gemässigten Zonen in Europa, Asien und Nordamerika, vom Tiefland bis in Höhen von 1800 m.ü.M. Durch den starken Rückgang von Feuchtgebieten in Mitteleuropa hat der Bestand von Sonnentau stark abgenommen. Die Pflanze steht unter strengem Naturschutz. Pharmazeutisch genutzt wird aus diesem Grund auch die aus Madagaskar   stammende D. ramentaceae.

Verarbeitung: Drosera rotundifolia L. - Rundblättriger Sonnentau

Verarbeitung

A.Vogel/Bioforce verwendet frisches Sonnentaukraut, das in Finnland, wo die Pflanze sehr häufig vorkommt und nicht geschützt ist, zur Blütezeit gesammelt wird. Es wird umgehend mit Luftfracht in die Schweiz gebracht, wo es mit Alkohol zur Tinktur verarbeitet wird. Die Bioforce veranlasste Untersuchungen in Finnland. Diese zeigten, dass D. rotundifolia, bedingt durch die umfangreichen Sumpfflächen in Finnland, nicht gefährdet und die jetzige Wildsammlung durchaus zu vertreten ist.

 
 
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