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Tinktur herstellen aus Frischpflanzen

Frisch geerntete Heilpflanzen als Ausgangsstoffe

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Die Qualität eines Pflanzenheilmittels wird einerseits durch die Qualität des Rohstoffs bestimmt und andererseits auch durch die Fabrikationsmethode entscheidend beeinflusst. Die systematische und vollständig kontrollierte Überprüfung aller Arbeitschritte und Kontrollverfahren wird Validierung genannt und jeweils akribisch in einer Herstellungsdokumentation festgehalten.

Nur dank validierter Produktionsverfahren kann die gewünschte Qualität jederzeit zuverlässig und reproduzierbar hergestellt werden. Die Validierung ist ein wichtiges Element zur Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit.

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Zeitlimit für die Verarbeitung der frischen Pflanzen

Nach der Anlieferung der Pflanzen direkt vom Feld ist Eile geboten: Frische Pflanzen müssen in der Regel innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden. Nur in Ausnahmefällen können auch 48 Stunden erforderlich sein, wenn die Ernte beispielsweise einen längeren Transportweg von Vertragsbauern hinter sich hat. Dann allerdings werden vor der Verarbeitung zusätzlich umfassende Kontrollen erforderlich.

Analytik während aller Produktionsvorgänge

Nach der Überprüfung der Identität und eventueller Fremdanteile (Unkraut) werden Proben für die Analysen der Laboratorien entnommen, die in Roggwil/TG mit modernen Geräten ausgestattet sind und sich entsprechender Untersuchungsmethoden bedienen: Die Gaschromatographie (GC) ist hier ebenso an der Tagesordnung wie die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (high performance liquid chromatography HPLC) oder auch die bewährte Dünnschichtchromatographie (DC).

Die GC wird beispielsweise zur quantitativen Analyse von organischen Substanzen bzw. Stoffgemischen angewandt sowie zu deren qualitativer Analyse. Bei letzterer gehören die Identifizierung von Stoffen und die Reinheitsprüfung zu den wichtigsten Anwendungen. Naturstoffe mit komplexen Molekülstrukturen und thermischer Instabilität bedürfen allerdings schonenderer Trennverfahren, beispielsweise der HPLC, mittels deren Substanzen getrennt werden, die Inhaltsstoffe über die entsprechenden Standards identifiziert und ihre genaue Konzentration bestimmt werden.

Eine derartige Laborausstattung und geschultes Fachpersonal sind gerade bei der Verarbeitung von Heilpflanzen unbedingt erforderlich, weil hierbei der Komplex an Wirkstoffen, Inhaltsstoffen und Leitsubstanzen ausserordentlich gross ist und es Hunderte von verschiedenen Verbindungen in einer Pflanze gibt.

Zu den einfachsten Verfahren gehört die Bestimmung des Wassergehalts der Pflanzen. Sie ist Grundvoraussetzung aller weiteren Schritte, denn nur auf dieser Basis lässt sich die Formel errechnen, die das Verhältnis von Pflanzenmasse, Wasser und Alkohol für die Herstellung einer Tinktur bestimmt. Um den Trocknungsverlust errechnen zu können, wird die Pflanze über einen bestimmten Zeitraum einer festgelegten Temperatur ausgesetzt. Dann fliesst die Trockenmasse in die Berechnung des Alkohol- sowie des Wassergehaltes ein, abschliessend wird, je nach Herstellungsmethode, der bereits in der Pflanze vorhandene Wassergehalt wieder abgezogen.


Auszugs- und Konservierungsmittel Ethanol

Alkohol ist das natürlichste Konservierungsmittel für pflanzliche Wirkstoffe. Alkoholische Auszüge sind wirkungsvoll, lange haltbar, praktisch im Gebrauch und bei vorschriftsgemässer Dosierung gesundheitlich unbedenklich.

Der zugesetzte Alkohol erfüllt mehrere Zwecke zugleich: Die wasser- und fettlöslichen Stoffe aus dem Zellinnern der Pflanzen werden von ihm aufgenommen und eventuell vorhandene Bakterien werden abgetötet. Bei dem Alkohol handelt es sich um Ethanol, also Trinkalkohol, der durch natürliche Gärung gewonnen wird. Auch das entspricht den Grundsätzen und Qualitätsansprüchen der Firma, laut denen möglichst wenig Chemikalien zu verwenden sind.

Nach der Berechnung der benötigten Mengen an Ethanol und Wasser beginnt die eigentliche Bearbeitung der Pflanzen, die sich in mehrere Schritte aufteilt.

Ansetzen des Mazerats

Zunächst werden die Frischpflanzen maschinell zerkleinert. Danach werden sie über ein Förderband in einen 1000-Liter-Container oder einen noch grösseren Mazerationstank gefüllt. Zu den Pflanzenteilen fügt man auf einer Waage die vorgeschriebenen Alkohol- und Wassermengen hinzu und lässt alle «Zutaten» gründlich durch Rührwerke miteinander vermischen. Wie lange die Pflanzenteilchen nun in der Flüssigkeit ziehen müssen, ist ebenso genau festgelegt wie die Häufigkeit inklusive Dauer des Umrührens der Masse.

Bezüglich der Mazeration, also der Gewinnung von Heilpflanzenextrakten durch das Ziehenlassen von Pflanzenteilen in Wasser oder Alkohol, hat die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei der Neuentwicklung von Phytopräparaten langwierige Testreihen durchzuführen. Dabei werden die optimale Extraktionszeit sowie der optimale Alkoholgehalt bestimmt. Zu diesem Zweck werden zahlreiche Analysen vorgenommen und die neu entwickelten Verfahren jeweils validiert (überprüft). Die Experten entnehmen zu festgesetzten Zeiten – nach Stunden oder auch Tagen – Proben, um den Extraktionsverlauf exakt bestimmen zu können. Die diversen Verfahrensschritte werden mit drei verschiedenen Pflanzeneingängen bzw. –chargen durchgeführt, bis man die unterschiedliche Mazerationsdauer der einzelnen Pflanzenarten prinzipiell festlegen kann. Die Fachleute des Unternehmens wissen: Einige Heilpflanzen müssen nur einen einzigen Tag lang im Wasser-Alkohol-Gemisch ziehen, andere fünf, zehn oder sogar zwanzig Tage.

Wiederholte Kontrollen der Tinkturen

Nach Ablauf der vorgeschriebenen Zeit wird das Mazerat abgepresst, und die Tinktur wird von den festen Rückständen, dem sogenannten Trester, getrennt. Der Trester wird anschliessend recycelt. Nach einem bestimmten Verfahren wird er mit Champignon- oder Pferdemist kompostiert und als Dünger und Bodenverbesserer eingesetzt. Was jetzt noch vom Trester übrig bleibt, wird einer Biogasanlage zugeführt.

Die gefilterte Tinktur landet nach weiteren Laboruntersuchungen in riesigen Tanks mit Kapazitäten von zehn- bis vierzigtausend Litern und bleibt zunächst im Lager. Auch dort werden anhand von Probeentnahmen laufend Kontrollen durchgeführt, wobei die Mitarbeiter auf Etiketten in Leuchtfarben vom Labor über den jeweiligen Untersuchungsstand auf dem Laufenden gehalten werden. Orangefarbene Klebeschilder beispielsweise signalisieren: «Hände weg: Tinktur ist in Quarantäne». Erst wenn ein grünes Etikett die «Freigabe durch das Labor» dokumentiert, kommt der jeweilige Tank in die Abfüllabteilung, wo der Inhalt nochmals einer Identitätsprüfung unterzogen wird.

Weitere Informationen:

Abfüllung und Konfektionierung

Ein Teil der Tinkturen wird in Tropfflaschen aus Glas abgefüllt, ein anderer Teil wird weiterverarbeitet. In der Abteilung Abfüllung und Konfektionierung werden weitere Kontrollen vorgenommen. So wird die abgefüllte Menge der Tinktur überprüft, ferner werden die Etiketten, die Packungsbeilage und die Faltschachteln durch Strichcode-Lesegeräte auf ihre Richtigkeit untersucht.  

Angelika Eder/Ingrid Zehnde­r-Rawer

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