Meilenstein der Pflanzenheilkunde: Die Begegnung von Alfred Vogel und dem Indianerhäuptling Ben Black Elk
Das Geschenk: Echinacea-Samen spielen heute eine bedeutende Rolle in der Pflanzenheilkunde
Echinacea in der Blüte: Eine in der Pflanzenheilkunde häufig eingesetzte Pflanze.
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Suche nach neuen Heilpflanzen für die Phytotherapie

Es war die erste seiner vielen Forschungsreisen, mit der Alfred Vogel Anfang der 1950er Jahre in Nordamerika seine Suche nach neuen Heilpflanzen startete. 5.000 Kilometer legte er mit seiner Familie im Auto, Zug oder Wohnmobil zurück – quer durchs Land, um Kontakt mit den Ureinwohnern und ihren traditionellen medizinischen Kenntnissen aufzunehmen. Doch die Reise verlief eher ernüchternd, lebten die Indianer mittlerweile in Reservaten und hatten mit den erwarteten Naturvölkern wenig gemein. Mit dem Besuch des Pine-Bridge-Reservats in South Dakota wendete sich jedoch alles zum Guten. Den Grund dafür schilderte der Naturheilkundepionier rückblickend im Mai 1964: “Fahrt mit Frau und Tochter zu den Black Mountains und Begegnung mit einem alten Oglala Lakota-Indianerhäuptling, dessen Grossvater gegen Buffalo Bill gekämpft hatte.” Der Häuptling, auf den er traf, war Ben Black Elk, dessen Vorfahren und besonders sein Vater Nicholas Black Elk schon berühmte Medizinmänner des Stammes waren (und letzterer in der Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas eine der bedeutendsten Persönlichkeiten).

Das was bisher nicht gelungen war, ließ der Indianerhäuptling zu: Die beiden bauten eine persönliche Beziehung auf. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, das Leben im Reservat und über die Heilkraft der Natur. Black Elk fasste Vertrauen zu Alfred Vogel und ließ ihn an dem  jahrhundertealten Wissen des Indianerstammes teilhaben. Er weihte ihn in die Geheimnisse der Echinacea-Pflanze für die Pflanzenheilkunde ein, die bei den Ureinwohnern traditionell zur Heilung von Wunden, Verbrennungen, Infektionen, Entzündungen und auch bei Schlangenbissen erfolgreich eingesetzt wurde. Schließlich schenkte er ihm sogar eine Handvoll Samen des Roten Sonnenhuts, wie die Pflanze wegen ihrer Form und Farbe bei uns genannt wird.

Echinacea: Angepasst ans Bergklima

Später erst erkannte Alfred Vogel, wie großzügig das Abschiedsgeschenk von Ben Black Elk tatsächlich war, denn in Ländern Südamerikas musste er die Erfahrung machen, dass tatsächlich die meisten Indianer «ihre Geheimnisse auf dem Gebiet der Heilkunde sorgfältig hüten» und keineswegs bereit waren, sie zu teilen. Doch das Geschenk des Oglala Lakota-Häuptlings pflanzte er in Teufen und im Engadin ein, wo er die Pflanzen hegte und pflegte – bis auf über 1.600 Meter Höhe. Bis heute stammen Zehntausende von Echinacea-Pflanzen, die jährlich auf A.Vogel-Feldern ausgebracht werden, von diesen Sämlingen ab. Das konnte A.Vogel-Forschungsleiter Dr. Andy Suter mit Hilfe des italienischen Forschers Dr. Emidio Albertini* von der Uni Perugia im Jahr 2011 mit Hilfe eines Gen-Tests eindeutig belegen.

Viele Jahre nachdem Alfred Vogel den Roten Sonnnenhut erfolgreich an das Bergklima angepasst hatte, erinnert sich der Naturarzt und Phytotherapeut: «Ich habe die Echinacea im Engadin aufgezogen und langsam akklimatisiert. Allerdings musste ich … 15 Jahre Geduld haben, bis sich die Echinacea-Pflanze der Oglala Lakota-Indianer durch gute Pflege völlig dem Klimaunterschied angepasst hatte.»

Mit seiner Ausdauer legte Alfred Vogel also den Grundstein für eines seiner bedeutendsten Phytotherapeutika. Noch heute setzen die Menschen in mehr als 30 Ländern auf die Frischpflanzenprodukte mit Echinacea purpurea, um ihr Immunsystem zu stärken. Und alles basiert auf dem Roten Sonnenhut, Alfred Vogels schöne Lieblingspflanze, die er dank seines Freundes Ben Black Elk in die Schweiz brachte.

Autorin: Heike Mühldorfer

* Basierend auf seiner Studie über das Genom der Echinacea-Samen aus Iowa, dem Bundesstaat direkt neben South Dakota, konnte Dr. Albertini belegen, dass die genetische Zugehörigkeit gegeben ist und von A.Vogel tatsächlich von den geschenkten Sonnenhut-Samen der Oglala Lakota abstammen. Russi L., Moretti C., raggi L., Albertini E., Falistocoo E.: Identifying commercially relevant Echinacea species by AFLP molecular markers. Genome. 2009; 52(11): 912-8


Erfahren Sie mehr über Leben und Werk des Naturheilkunde-Pioniers Alfred Vogel (1906 – 1996):

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