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Phytotherapie und ihre Formen

Die Pflanzenheilkunde treibt verschiedene Blüten

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Früher wie heute bewegt sich die Phytotherapie in einem Spannungsfeld. Da gibt es auf der einen Seite die Arzneimittelkunde, deren vordringlichstes Ziel die exakte naturwissenschaftliche Messung ist, und auf der anderen Seite eine Pflanzenheilkunde, der das lebendige, ganzheitliche Prinzip ebenso wichtig ist.

Erfahrung hat in der modernen Medizin einen relativ niedrigen Kurswert. Für den Schweizer Naturarzt Alfred Vogel, der Tag für Tag und Jahr für Jahr in der Praxis, im täglichen Umgang mit den Patienten seine Beobachtungen festhielt, addierten sich die einzelnen subjektiven Rückmeldungen zu einer Summe von Erfahrungen. Diesen empirischen Beobachtungen mass er eine grosse Bedeutung bei.

Heute genügt das nicht mehr. Der Forderung der Behörden nach schlüssigen und kontrollierten Wirkungsbeweisen muss Genüge getan werden. Meist geschieht dies durch kontrollierte klinische Studien, die hohen Finanzaufwand und viel Zeit fordern. Hier haben selektiv wirkende Mittel, die an einem ganz bestimmten Symptom anpacken, Vorteile gegenüber einem breit wirkenden Pflanzenheilmittel, das nicht nur Symptome kuriert, sondern im Sinne der Wiederherstellung der Ordnung in die körpereigenen Regulationen eingreift.

Traditionelle Phytopharmaka

Für die Zulassung eines Arzneimittels fordern Behörden und Gesetzgeber den Nachweis der Wirksamkeit, der Unbedenklichkeit und der Qualität. Das gilt auch für Phytopharmaka.

Im Gegensatz zu synthetischen Medikamenten, die aus einer chemisch genau definierten Einzelsubstanz bestehen, enthalten pflanzliche Arzneimittel ein ganzes Bündel verschiedener Substanzen. Die Gesamtheit der Inhaltsstoffe stellt den Wirkstoff dar, dessen Wirksamkeit oftmals nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden eingegrenzt und beurteilt werden kann – zumindest bis jetzt.

Daher gelten für traditionelle Pflanzenarzneien, die als vorbeugende, unterstützende oder stärkende Massnahme in der Selbstmedikation angewendet werden, vereinfachte Zulassungsbedingungen. Damit wird berücksichtigt, dass es pflanzliche Mittel und Zubereitungen gibt, die eine lange Tradition und eine hohe Sicherheit aufweisen. Der Nachweis der Verträglichkeit und Unbedenklichkeit wird durch eine Dokumentation erbracht, die für das Mittel auch eine mindestens 30-jährige medizinische Verwendung (davon mindestens 15 Jahre in der Europäischen Union) belegt. Hinsichtlich der Qualität unterscheiden sich die Zulassungsbedingungen weder von denen der rationalen Phytopharmaka noch von denen synthetischer Arzneimittel.

Rationale Phytopharmaka

Von dieser empirischen Pflanzenheilkunde grenzt sich die rationale Phytotherapie ab. Hier liegen die Hürden für eine Zulassung wesentlich höher. Rationale Phytopharmaka müssen eine definierte Indikation ausweisen und hinsichtlich der Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität dieselben Anforderungen erfüllen wie chemisch-synthetische Arzneimittel. Wie bei «schulmedizinischen» Medikamenten wird die Wirksamkeit durch pharmakologische und klinische Studien belegt. Häufig handelt es sich um standardisierte Extrakte, die nur einen speziell ausgewählten Ausschnitt aus dem gesamten Wirkungsspektrum der Pflanze berücksichtigen.  Rationale Pflanzenheilmittel haben eine Zulassungsnummer.

Ökonomische Feigenblätter

Sprechen wir von Pflanzenmitteln, müssen wir (leider!) auch ein dunkles Kapitel ansprechen. Nicht jeder Konsument  unterscheidet genau zwischen pflanzlichen Mitteln, Pflanzenheilmitteln (die eine Registrierung/Zulassung des Gesetzgebers benötigen) und sonstigen «Naturprodukten». So manches, was unter dem Etikett «Natur» verkauft wird, ist nichts als Quacksalberei. Das Spektrum reicht von nutzlosen Pflanzenpräparaten über «Wundersäfte», die von Arthrose bis Krebs angeblich einfach alles heilen, bis zu verunreinigten Kräutern aus Fernost.

Umso wichtiger ist, dass der Anwender Gelegenheit hat, Produkte einer vertrauenswürdigen, renommierten Firma zu verwenden und sich umfassend zu informieren.

Wer behält den Überblick?

Doch kommen wir noch einmal zurück zur Basis der Phytotherapie, den Pflanzen. Auf der ganzen Erde werden rund 300 000 bis 400 000 Pflanzen* gezählt, von denen knapp 10 Prozent in Bezug auf ihren möglichen Einsatz als Arznei mehr oder weniger gut untersucht sind. Von China bis Amerika bemühen sich zahllose Experten und Kommissionen, die historischen und aktuellen Daten und Fakten zu den verschiedenen Heilpflanzen zu sammeln, zu sichten und zu werten. Angefangen bei der Weltgesundheitsorganisation WHO über zahlreiche Datenbanken im Internet bis hin zu internationalen und nationalen Organisationen, die sich der Förderung der Pflanzenheilkunde und der Arzneipflanzenforschung verschrieben haben, wird eine schier unüberschaubare Fülle von Daten angehäuft.

Für die Zulassung von pflanzlichen Arzneimitteln in der EU (und der Schweiz) sind sogenannte HPMC-Pflanzenmonografien grundlegend und massgebend. Das Komitee für pflanzliche Medizinprodukte (Comittee on Herbal Medicinal Products HPMC), eine Arbeitsgruppe der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), hat zahlreiche «Gemeinschaftliche Pflanzenmonografien» erstellt, in denen die Pflanzen oder Pflanzenteile, ihre Inhaltsstoffe, die Art und Weise der Anwendung, die Wirkung und die Sicherheit beschrieben und wissenschaftlich beurteilt werden.

* (Die Inventur eines britisch-amerikanischen Forscherteams korrigierte 2010 die früher propagierte Zahl der Pflanzen von 900.000 Pflanzen auf 300.000 bis 400.000 herunter.  Ursache für die frühere Fehleinschätzung soll sein, dass viele Gewächse mehrfach gezählt wurden.)

Ethnobotanik

Ein Wissenschaftszweig, in dem sich viel getan hat und in Zukunft noch mehr tun wird, ist die Forschung über traditionelle Heilpflanzen aus der ganzen Welt. Alfred Vogel nahm auch auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle ein. Er hat sich immer für die Heilpflanzen und heilenden Nahrungsmittel der Naturvölker interessiert. So wie er in Südamerika die Papaya kennenlernte, im Westen der USA die Anwendung der Echinacea purpurea beobachtete, in Kalifornien auf die Meeresalge Kelp stiess, den chinesischen Rhabarber und die tropische Parakresse (Spilanthes oleracea) im eigenen Garten zog, in Korea die Wirkung des Ginsengs und in der Kalahariwüste die Heilkraft der Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) studierte, so forschte er auf seinen vielen Auslandsreisen nach, welche Beschwerden mit welchen einheimischen Pflanzen kuriert wurden.

Hier erfahren Sie, wo Alfred Vogel überall gewesen ist:

Heute kommen viele grosse Pharmafirmen, aber auch Forscher in den Universitäten auf der Suche nach neuen wirksamen Medikamenten verstärkt zurück auf die Apotheke der Natur. Expeditionen gehen in die entlegensten Gegenden der Welt, um bei den indigenen Völkern den traditionellen Gebrauch von Medizinalpflanzen zu erforschen, das teilweise höchst gefährdete Wissen zu sichern und möglichst auch medizinisch interessante Pflanzeninhaltsstoffe für die Entwicklung neuer Medikamente zu finden (wie das bei bestimmten Krebsformen und Malaria bereits gelungen ist).

 

Abgrenzung von Pflanzenheilkunde und Homöopathie

Was ist der Unterschied zwischen Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Homöopathie? Erfahren Sie alles darüber in unserem Dossier zum Thema:

Die schönste Blüte der Pflanzenheilkunde: Arzneimittel aus frischen Pflanzen



Üblicherweise werden Pflanzenheilmittel aus Drogen, so nennt man in der Fachsprache getrocknete Kräuter, hergestellt. Drogen, die einen Teil der Wirkstoffe bereits verloren haben, werden oft von weit her transportiert, gelagert und (meist mit chemischen Mittel) vor Schädlingsbefall geschützt.

Die Bioforce AG in Roggwil/TG in der Schweiz, der von Alfred Vogel bereits 1963 gegründete Produktionsbetrieb, bildet eine Ausnahme von der Regel. Wo immer möglich verarbeitet sie nach der Lehre Alfred Vogels frische Pflanzen und bietet somit auf dem Markt eine ganz besondere Spezialität an. Mit dieser Produktionsweise sind zahlreiche Herausforderungen verknüpft: Die sorgfältige Auswahl der Pflanzen, die Anbau-Standorte, die Beschaffenheit der Böden, der kontrolliert biologische Anbau und die schonende Verarbeitung – das sind alles selbstgesetzte Richtlinien eines besonderen Qualitätsbegriffs. Was Pflanzenverarbeitung nach Alfred Vogel – frisch von der Wiese bzw. frisch vom Feld – genau beinhaltet, erfahren Sie im Artikel Frischpflanzen-Verarbeitung

Ingrid Zehnder-Rawer

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