Experten zufolge sollten sich Männer deutlich mehr um ihre Gesundheit kümmern.
Tragen Männer ihrer Gesundheit zu wenig Sorge? Fakt ist: «Nur jeder zweite Mann sucht regelmässig den Arzt oder die Ärztin auf. Jeder dritte sogar gar nicht. Und nur jeder zehnte geht zur Krebsvorsorge», bilanziert Dr. Manuela Birrer. Sie ist Gefässspezialistin am Kantonsspital Baden (KSB) und Initiantin der Männersprechstunde, die seit 2019 am KSB durchgeführt wird. Dabei arbeiten verschiedene Disziplinen zusammen; die Patienten werden von Fachärztinnen und -ärzten der Urologie, Endokrinologie und Angiologie beraten und behandelt. Wichtig ist dem Team dabei eine ausführliche Anamnese, die den Beschwerden nachgeht. Häufig liegt den Problemen eines Patienten nicht nur eine Ursache zugrunde; vielmehr haben sich im Laufe der Zeit aufgrund eines wenig sorgsamen Lebenswandels Faktoren summiert – und hier bewährt sich die Vernetzung der ärztlichen Spezia listinnen und Spezialisten.
Quelle: KSB

«Erektionsprobleme? Als Erstes denkt man an eine urologische Abklärung. Dabei ist die häufigste Ursache der Erektionsstörung in rund 40 Prozent der Fälle vaskulär bedingt; das heisst, es liegt eine Durchblutungsstörung vor», so Dr. Birrer. Immer noch zu wenig bekannt ist auch die Tatsache, dass eine Erektionsstörung ein Frühwarnsymptom für das Vorliegen einer Gefässverkalkung (Arteriosklerose) ist und dem zufolge ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, Hirnschlag oder eine Durchblutungsstörung in den Beinen besteht.
«Abklärung und Behandlung einer Erektionsstörung ist darum keine Lifestyle-Medizin, sondern eine sinnvolle medizinische Vorsorge», betont die Angiologin Dr. Birrer. Störungen des männlichen Hormonhaushalts wiederum «gehen häufig Hand in Hand mit Übergewicht, hohem Blutzucker, Cholesterin und Bluthochdruck. Oft sind sich unsere Patienten dessen aber nicht bewusst. Deshalb richten wir in der Männersprechstunde den Fokus auf beides: Hormone und Risikofaktoren», sagt Dr. Michelle Egloff, Fachärztin Innere Medizin, Diabetologie und Endokrinologie.
Rund 80 Prozent aller Männer ab 60 Jahren haben Prostatabeschwerden. Heimtückisch dabei ist, dass Prostatakrebs im noch heilbaren Anfangsstadium keine bis wenige Beschwerden verursacht. «Deshalb ist die Vorsorgeuntersuchung so wichtig», unterstreicht Urologe Dr. Philipp Maletzki vom KSB.
Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, Nikotin und Alkohol: Vor diesen Risikofaktoren warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon lange und ruft zu einer gezielten Förderung der Männergesundheit auf. Andrologen, also «Männerärzte» wie z.B. Prof. Frank Sommer (weltweit erster Mediziner mit einer Professur für Männergesundheit), empfehlen, Männer bereits auf dem Weg über die Apotheke in eine ärztliche Versorgung zu bringen. Es sei wichtig, ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen, damit sie den Wunsch entwickeln, sich insgesamt besser um ihre Gesundheit zu kümmern, so Prof. Sommer.