Experten zufolge sollten sich Männer deutlich mehr um ihre Gesundheit kümmern.
Tragen Männer ihrer Gesundheit zu wenig Sorge? Fakt ist: «Nur jeder zweite Mann sucht regelmässig den Arzt oder die Ärztin auf. Jeder dritte sogar gar nicht. Und nur jeder zehnte geht zur Krebsvorsorge», bilanziert Dr. Manuela Birrer. Sie ist Gefässspezialistin am Kantonsspital Baden (KSB) und Initiantin der Männersprechstunde, die seit 2019 am KSB durchgeführt wird. Dabei arbeiten verschiedene Disziplinen zusammen; die Patienten werden von Fachärztinnen und -ärzten der Urologie, Endokrinologie und Angiologie beraten und behandelt. Wichtig ist dem Team dabei eine ausführliche Anamnese, die den Beschwerden nachgeht. Häufig liegt den Problemen eines Patienten nicht nur eine Ursache zugrunde; vielmehr haben sich im Laufe der Zeit aufgrund eines wenig sorgsamen Lebenswandels Faktoren summiert – und hier bewährt sich die Vernetzung der ärztlichen Spezialistinnen und Spezialisten.
Quelle: KSB
Der 2000 verstorbene Berliner Psychotherapeut Wilfried Wieck hatte einmal in einem Interview mit den «Gesundheits-Nachrichten» gesagt: «Natürlich reden Männer miteinander. (...) Berufliche Dinge, Erfolge bei Frauen oder was sie in der Freizeit unternehmen, kommen ihnen flüssig von den Lippen, aber wenn es etwas tiefer geht, in Richtung private oder emotionale Fragen, da teilen sie sich einander nicht mit. (...) «Sie sind darauf angewiesen, dass Frauen für sie fühlen. Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass Männer es selbst nicht merken, wenn sie überarbeitet sind oder krank.»
Allerdings zeigt eine forsa-Umfrage aus dem Jahr 2024 auch: Männer sind heute zumindest deutlich besser über Vorsorgeuntersuchungen informiert, als ihr Ruf vermuten lässt. Über 90 % kennen die wichtigsten Früherkennungen wie Prostata-, Darm- und Hautkrebs. Rund zwei Drittel nehmen entsprechende Untersuchungen auch wahr, insbesondere ab einem gewissen Alter. Dennoch gibt es Potenzial: Vorsorge wird oft erst bei Beschwerden als wichtig angesehen. Regelmäßige Erinnerungen könnten hier helfen – mehr als die Hälfte der Männer würde dadurch häufiger zur Vorsorge gehen, besonders Jüngere.

«Erektionsprobleme? Als Erstes denkt man an eine urologische Abklärung. Dabei ist die häufigste Ursache der Erektionsstörung in rund 40 Prozent der Fälle vaskulär bedingt; das heisst, es liegt eine Durchblutungsstörung vor», so Dr. Birrer. Immer noch zu wenig bekannt ist auch die Tatsache, dass eine Erektionsstörung ein Frühwarnsymptom für das Vorliegen einer Gefässverkalkung (Arteriosklerose) ist und dem zufolge ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, Hirnschlag oder eine Durchblutungsstörung in den Beinen besteht.
«Abklärung und Behandlung einer Erektionsstörung ist darum keine Lifestyle-Medizin, sondern eine sinnvolle medizinische Vorsorge», betont die Angiologin Dr. Birrer. Störungen des männlichen Hormonhaushalts wiederum «gehen häufig Hand in Hand mit Übergewicht, hohem Blutzucker, Cholesterin und Bluthochdruck. Oft sind sich unsere Patienten dessen aber nicht bewusst. Deshalb richten wir in der Männersprechstunde den Fokus auf beides: Hormone und Risikofaktoren», sagt Dr. Michelle Egloff, Fachärztin Innere Medizin, Diabetologie und Endokrinologie.
Rund 80 Prozent aller Männer ab 60 Jahren haben Prostatabeschwerden. Heimtückisch dabei ist, dass Prostatakrebs im noch heilbaren Anfangsstadium keine bis wenige Beschwerden verursacht. «Deshalb ist die Vorsorgeuntersuchung so wichtig», unterstreicht Urologe Dr. Philipp Maletzki vom KSB.
Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, Nikotin und Alkohol: Vor diesen Risikofaktoren warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon lange und ruft zu einer gezielten Förderung der Männergesundheit auf. Andrologen, also «Männerärzte» wie z.B. Prof. Frank Sommer (weltweit erster Mediziner mit einer Professur für Männergesundheit), empfehlen, Männer bereits auf dem Weg über die Apotheke in eine ärztliche Versorgung zu bringen. Es sei wichtig, ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen, damit sie den Wunsch entwickeln, sich insgesamt besser um ihre Gesundheit zu kümmern, so Prof. Sommer.

In den Früchten der Sägepalme finden sich pflanzliche Hormone sowie weitere Inhaltsstoffe wie langkettige Zuckermoleküle, Flavonoide und pflanzliche Öle.
