Frauen in und nach den Wechseljahren haben häufig Beschwerden im Urogenitalbereich. Die Scheide wird trockener, juckt oder brennt, und auch Blasenentzündungen treten vermehrt auf. Das kann sehr belastend sein – körperlich wie emotional. Die gute Nachricht: Keine Frau muss diese Beschwerden einfach hinnehmen. Es gibt heute verschiedene gut wirksame Möglichkeiten, um gezielt Linderung zu schaffen.
Autorin: Annette Willaredt, Verlag A.Vogel
Wenn sich der Intimbereich verändert: Etwa jede fünfte Frau entwickelt in den Wechseljahren Beschwerden im sogenannten urogenitalen Bereich. Damit sind die Scheide, die Schamlippen sowie die ableitenden Harnwege – also Harnröhre und Blase – gemeint. Die Schleimhäute werden trockener und empfindlicher, sie können jucken oder brennen. Beim Geschlechtsverkehr treten häufiger Schmerzen auf, was sich auch auf das Lustempfinden auswirken kann.
Die Veränderungen betreffen jedoch nicht nur die Scheide. Auch die Schleimhäute der Harnwege werden dünner und weniger widerstandsfähig. Dadurch können sich Bakterien leichter ansiedeln, was erklärt, warum Blasenentzündungen in und nach den Wechseljahren häufiger auftreten und oft langsamer abheilen als früher.
Auslöser dieser Veränderungen ist in erster Linie der sinkende Östrogenspiegel. Östrogen sorgt normalerweise dafür, dass die Schleimhäute gut durchblutet, elastisch und feucht bleiben. Nimmt die Hormonproduktion ab, verlieren die Schleimhäute an Feuchtigkeit und Schutzfunktion.
In der Scheide wird zudem weniger natürliches Sekret gebildet, insbesondere bei sexueller Erregung. Die Schleimhaut wird dünner und anfälliger für kleine Verletzungen – was Jucken, Brennen oder Schmerzen begünstigt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das veränderte Scheidenmilieu. In den fruchtbaren Jahren schützen Milchsäurebakterien die Scheide, indem sie ein saures Milieu aufrechterhalten. Dieses erschwert es krankmachenden Keimen, sich auszubreiten.
Mit dem Rückgang des Östrogens nimmt auch die Zahl dieser „guten“ Bakterien ab. Der pH-Wert steigt, und Keime können leichter in die Scheide und über die Harnröhre in die Blase gelangen. Die Folge ist eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen im gesamten Urogenitalbereich.
Neben den hormonellen Veränderungen gibt es weitere Faktoren, die Trockenheit, Brennen oder Infektionen begünstigen können. Dazu zählen körperlicher oder seelischer Stress, chronische Erkrankungen wie Diabetes oder ein schlecht eingestellter Blutdruck.
Auch eine ungeeignete Intimhygiene kann die Schleimhäute zusätzlich reizen. Häufiges Waschen, aggressive oder alkalische Seifen sowie Intimsprays stören das natürliche Gleichgewicht. Besser geeignet sind milde, unparfümierte Produkte, die auf den pH-Wert des Intimbereichs abgestimmt sind – oder einfach lauwarmes Wasser.
Im Gegensatz zu anderen Wechseljahrbeschwerden bilden sich Veränderungen der Schleimhäute im Intimbereich nicht von selbst zurück. Umso wichtiger ist es, frühzeitig aktiv zu werden. Die gute Nachricht: Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen gut lindern.
Für den Alltag stehen in Apotheken verschiedene frei erhältliche Gele, Cremes oder Vaginalzäpfchen zur Verfügung, die Feuchtigkeit spenden und das Scheidenmilieu unterstützen. Auch fettreichere Pflegeprodukte für die äusseren Schamlippen können helfen, Spannungsgefühle und Reizungen zu reduzieren.
Treten Beschwerden vor allem beim Geschlechtsverkehr auf, kann ein Gleitgel eine einfache und wirksame Unterstützung sein. Reicht dies nicht aus oder kommen häufige Infektionen hinzu, ist ein Gespräch mit der Gynäkologin sinnvoll. Lokal angewendete, niedrig dosierte Östrogenpräparate – etwa in Form von Cremes, Zäpfchen oder Vaginalringen – können die Schleimhäute gezielt stärken, ohne den Körper insgesamt stark zu belasten.
Auch Frauen, die bereits eine systemische Hormonersatztherapie erhalten, können weiterhin unter urogenitalen Beschwerden leiden. In diesen Fällen kann eine zusätzliche lokale Behandlung sinnvoll sein – immer in Rücksprache mit der behandelnden Ärztin.
Jucken, Brennen und wiederkehrende Infektionen im Intimbereich sind häufige Begleiterscheinungen der Wechseljahre – aber keine, mit denen Frauen sich abfinden müssen. Wer die Veränderungen versteht und frühzeitig geeignete Massnahmen ergreift, kann viel für sein Wohlbefinden tun und den Intimbereich nachhaltig unterstützen.