Wenig geschlafen und prompt erkältet? Zum Zusammenhang zwischen Schlafmangel und erhöhtem Risiko von Infektionserkrankungen wird intensiv geforscht.
Text: Andrea Pauli
Kaum hüllt uns der Herbst mit länger anhaltender Dunkelheit ein, fühlen wir uns schlapp und schläfrig. Diesem Schlafbedürfnis nachzugeben respektive gezielt auf ausreichend und guten Schlaf zu achten, ist mit Start der Erkältungssaison sicher empfehlenswert. Doch auch im Rest des Jahres ist ein gesunder Schlafrhythmus wichtig für die Gesundheit. Eine im Fachblatt «Chronobiology International» veröffentlichte Studie beleuchtet das Zusammenspiel von Schlafmangel und Infektionskrankheiten. Im Fokus standen Pflegefachpersonen in Norwegen. Fazit der Befragung: Hatten sie ein Schlafdefizit von bis zu zwei Stunden, erhöhte sich das Risiko für eine Erkältung um ein Drittel. Lag das Defizit über zwei Stunden, bekamen sie noch häufiger eine Erkältung. Auch das Risiko für eine Bronchitis und eine Nasennebenhöhlenentzündung war erhöht. Nun sage die Studie nichts über Ursache und Wirkung aus, betont das Forschungsteam ausdrücklich: Ob ein Schlafdefizit tatsächlich Infektionen verursacht oder ob die Infektionen zu einem Schlafdefizit führen, sei dahingestellt. Es könnte auch ein dritter (unbekannter) Faktor Schlafdauer bzw. Erkältungsrisiko beeinflussen.
Magnesium trägt zur normalen Funktion des Nervensystems und normalen psychischen Funktion bei.

Endlos (Schlafens-)Zeit am Handy vertrödelt statt beizeiten ins Bett zu gehen? Beruflich nachts gefordert im Schichtdienst? Zu wenig Schlaf ist mit einem
erhöhten Risiko für Infektionskrankheiten verbunden.
An der LMU München befasst man sich ebenfalls mit den Zusammenhängen von Schlaf(defizit) und Infektionserkrankungen. Dort wurden junge, gesunde Versuchspersonen im Schlaflabor entweder ihrem Schlummer überlassen oder über 24 Stunden wachgehalten. Danach wurden bestimmte Einflussgrössen gemessen.
Fazit: «Wir finden in diesen Studien, dass Schlaf sich auf verschiedene Immunparameter auswirkt», so Prof. Luciana Besedovsky vom Institut für Medizinische Psychologie. «Beispielsweise beeinflusst Schlaf die Freisetzung bestimmter Zytokine, also Botenstoffe des Immunsystems.» Schlaf wirke sich auch auf die Zahl der Immunzellen aus, die im Blut zirkulieren. Dass ausreichend Schlaf für unser Immunsystem und die Abwehr von Krankheitserregern wie z.B. Grippeviren wichtig ist, wird allgemein angenommen. Aber endgültig verstanden sei der Zusammenhang noch nicht, so die Schlafforscherin. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Besedovsky sind besonders daran interessiert zu verstehen, wie Schlaf die Entstehung des immunologischen Gedächtnisses beeinflusst. «Ausserdem erforschen wir die zugrundeliegenden Mechanismen des Einflusses von Schlaf auf das Immunsystem, wobei wir uns hier insbesondere auf die Rolle verschiedener Hormone fokussieren, die schlafabhängig freigesetzt werden.»
Mit Schlafdauer und Erkältungsrisiko befassten sich auch Forschende der University of California. Hierfür wurden 164 Probanden auf ihre Schlafdauer sowie ihren generellen Gesundheitszustand hin untersucht, um anschliessend Erkältungsviren verabreicht zu bekommen. Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, hat den Ergebnissen zufolge ein mehr als viermal so hohes Erkältungsrisiko wie Menschen, die mehr als sieben Stunden schlummern. Schlaf sollte darum den Wissenschaftlern zufolge einen höheren Stellenwert bei der Gesundheitsvorsorge erhalten.

Wenn man also davon ausgeht, dass sich der Körper im Schlaf regeneriert – was ist dann mit den Jugendlichen, die eher unter Schlafmangel leiden? Sie brauchen während der Pubertät lange, um müde zu werden. Grund: Das Hormon Melatonin, verantwortlich für den Schlafrhythmus, wird später produziert, und so verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus nach hinten. Das wirkt sich ungünstig auf die Gesundheit aus. «Als Schlafforscherin kann ich klar empfehlen, dass der Schulbeginn bei den Jugendlichen nach hinten verschoben werden sollte. Das ist ja durchaus auch etwas, was die Schulen umsetzen könnten», plädiert Prof. Luciana Besedovsky. Leider ist der frühe Schulbeginn derzeit noch Tatsache, da müssen die Teenies tapfer durch. Experten raten, dass man als Eltern darum am Wochenende grosszügig sein und die Pubertierenden ausschlafen lassen sollte. Zwei Tage ausreichend Schlaf zur Stärkung der Abwehrkräfte seien besser als nichts.