Die Kleine Bibernelle wächst gut auf sonnigen bis leicht schattierten Standorten und enthält in ihren Pfahlwurzeln ätherische Öle (Pimpillin) sowie Cumarinderivate. Bibernellenwurzel wirkt schleimlösend, als Magenmittel, aber auch harntreibend und menstruationsfördernd.
Die Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), oft einfach Bibernelle genannt, ist mehr als nur eine zarte Wildpflanze mit weissen Doldenblüten. Sie wächst auf sonnigen Magerrasen und Waldlichtungen und begleitet uns durch den Sommer bis in den Herbst hinein. Mit ihren aromatischen Blättern und den kräftigen Wurzeln gehört sie zu den traditionsreichen Heilpflanzen Europas.
Die Bibernelle gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und ist eine mehrjährige, krautige Pflanze. Sie erreicht eine Höhe von 30 bis 60 cm, manchmal sogar bis zu 90 cm. Auffällig ist ihr fein gefiedertes Laub, das an Petersilie erinnert. Die Blätter sind in Grund- und Stängelblätter gegliedert, wobei die Grundblätter eine Rosette bilden. Pimpinella major (L.) HUDS., die Grosse Bibernelle, und Pimpinella saxifraga L., die Kleine Bibernelle, gelten beide als offizinell für die Wurzeldroge.
Beide Arten weisen eine grosse Formenvielfalt und viele Unterarten auf. Allein von der P. saxifraga sind drei Unterarten bekannt, die ssp. eusaxi fraga, ssp. alpestris und ssp. nigra. Die Kleine Bibernelle ist perennierend und wächst aus einer dicken, verzweigten Pfahlwurzel. Ihre 30–70 cm hohen Stängel sind gerillt und oft leicht behaart. Die unteren Laubblätter sind einfach unpaarig gefiedert mit drei bis neun länglich-ovalen, gesägten Teilblättern. Der Teilungsgrad der unteren und oberen Blätter ist sehr variabel. Endständig sitzen die weissen, in höheren Lagen rötlichen Blütendolden, die im Herbst längsgerillte, 2 mm lange Früchte tragen. Im Gegensatz zur Kleinen Bibernelle sind die Stängel der Grossen Bibernelle röhrig-hohl und tief kantig gefurcht. Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober.
Die Pflanze bevorzugt kalkreiche, trockene Böden, etwa in Halbtrockenrasen, Böschungen und lichten Wäldern, und gedeiht bis in Höhenlagen von über 2000 Metern.
Die Wurzeln der Bibernelle sind besonders reich an ätherischen Ölen, Gerbstoffen, Harzen und Cumarinderivaten wie Pimpinellin sowie anderen organischen Säuren. Diese Inhaltsstoffe sind charakteristisch für die Gattung Pimpinella und prägen den würzigen, leicht scharfen Geschmack der Droge. Einige der ätherischen Bestandteile gehören zu den Esterverbindungen des trans-Epoxypseudoisoeugenol, die ebenfalls in anderen Pimpinella-Arten vorkommen. Zusätzlich wurden in der Bibernelle Saponine nachgewiesen – seifenähnliche Pflanzenstoffe, die den Schleimhauten reflexartig vermehrte Flüssigkeitsabsonderung entlocken.

In der Volksmedizin galt die Kleine Bibernelle als vielseitiges Heilmittel. Heute wird sie insbesondere aufgrund traditioneller Erfahrungswerte geschätzt:
Wichtig ist: Diese traditionellen Anwendungen beruhen auf langjähriger Volksmedizin und historischen Erfahrungswerten. Sie ersetzen keine medizinische Beratung durch Fachpersonen.
Die Bibernelle wird meist als Tee aus der Wurzel zubereitet. Dazu wird die getrocknete Droge mit heissem Wasser übergossen und nach kurzer Ziehzeit als warmer Kräutertee genossen – besonders in der kühleren Jahreszeit.
Auch für Gurgellösungen kann ein schwacher Sud verwendet werden, um gereizte Schleimhäute im Mund und Rachenraum zu beruhigen.
Nicht nur als Heilpflanze hat die Bibernelle ihren Platz: Die jungen Blätter sind essbar und verfeinern Salate, Kräuterquark oder frische Saucen mit einem mild-anisigen Aroma – eine Erinnerung an die duftende Verwandtschaft zu anderen Doldenblütlern.
Die Heilwirkung der Bibernelle ist seit Jahrhunderten bekannt. Schon Dioskurides, der berühmte griechische Arzt des 1. Jahrhunderts, empfahl sie bei Husten und Heiserkeit. Im Mittelalter galt sie als eines der wichtigsten Mittel gegen „Brustkrankheiten“ und wurde sogar als Schutzmittel gegen die Pest eingesetzt. Der Ursprung der Bezeichnung Pimpinella liegt im Dunkeln. Von einigen Sprachforschern wird der Name auf das lateinische piper für «Pfeffer» zurückgeführt. Dieser Zusammenhang kommt wohl daher, dass die Wurzel auf der Zunge einen würzigen, nachher brennend scharfen Geschmack hinterlässt. Der Name erscheint erstmals im 7. Jahrhundert beim italienischen Arzt Benedictus Crispus. Doch die Bezeichnungen Pimpinella, Bibernella u. Ä. wurden für die verschiedensten Pflanzen gebraucht. Heute lässt sich nicht mehr feststellen, welche Arten damit gemeint waren.
Ab dem 16. Jahrhundert wird die Bibernelle zweifelsfrei in allen Kräuterbüchern erwähnt. 1626 wurde sie im «Kreutterbuch» des Matthiolus gegen Phthisis, Fieber, Stoss, lokal bei Sehschwäche und bei Milchmangel erwähnt. Im Volksmund wurde der Name Bibernell als Schimpf- und Spottname verwendet. Davon zeugen der elsässische Spottname «Mamsell Bimpernell» und das Schweizer «Pimpernell» als verächtliche Bezeichnung für eine dicke Weibsperson.
Der Name saxifraga ist abgeleitet von saxifragus, was «felsbrechend», «in Felsritzen wachsend» oder «Steinbrech» bedeutet. Die Bibernelle galt, wie auch andere als Steinbrech bezeichnete Arten (z.B. Saxifraga granulata), als Mittel gegen Blasensteine. So schreibt Hieronymus Bock 1551: «Bibernell ist ein recht steingewächß, denselbigen zermalen und außzutreiben.
Alfred Vogel, der Gründer unseres Unternehmens, kannte und schätzte die Bibernelle, im Kleiden Doktor heisst es:
«Gerade im Winter, zur allgemeinen Katarrhzeit, kann uns die Bibernelle gute Dienste erweisen; ist noch eine Heiserkeit mit dem Katarrh verbunden, dann wechsle man ab mit dem Kauen von Vogelbeeren, die ebenfalls in der Drogerie gekauft werden können. In ganz schweren Fällen ist der rohe Tannenknospensirup ein weiterer dankbarer Helfer.»