Bernhard, als Leiter Internationale Märkte bist du für A.Vogel weltweit unterwegs und als Mitglied der Geschäftsleitung für die strategische Ausrichtung und die Entscheidungsfindung auf höchster Ebene verantwortlich. Wie managst du diese Herausforderung?
In meiner Rolle als Leiter Internationale Märkte und Mitglied der Geschäftsleitung bewege ich mich jeden Tag in einem Spannungsfeld zwischen globaler Verantwortung und lokaler Nähe. Unsere Welt ist komplex und dynamisch – doch genau darin liegt für mich die Faszination: zu verstehen, wie unterschiedlich Menschen leben, arbeiten und Gesundheit wahrnehmen, und daraus eine gemeinsame strategische Richtung für A.Vogel zu formen.
Für mich beginnt Führung immer bei den Menschen. Ich suche aktiv den Austausch mit unseren Teams und Partnern rund um den Globus, besuche Märkte, höre zu und lerne. Erst wenn ich wirklich begreife, was unsere Kunden bewegt, kann ich fundierte Entscheidungen treffen, die Wirkung zeigen. Gleichzeitig behalte ich den Weitblick: Welche Trends werden unsere Branche prägen? Welche Chancen ergeben sich aus neuen Technologien oder regulatorischen Veränderungen? Wie können wir unsere Mission – Gesundheit aus der Natur – noch stärker in die Welt tragen?
Entscheidungen müssen dabei mutig sein, aber nie abgehoben. Ich setze auf klare Prioritäten, auf Fakten und auf eine Kultur, die Verantwortung teilt. Ich möchte Teams ermächtigen, Ideen einzubringen und Zukunft aktiv zu gestalten. Denn nur gemeinsam können wir unsere ambitionierten Ziele erreichen und A.Vogel weiter stärken.
Die Herausforderung meiner Aufgabe besteht darin, Brücken zu bauen: zwischen Vision und Realität, zwischen Tradition und Innovation, zwischen unterschiedlichen Kulturen und Menschen. Diese Rolle fordert – aber sie inspiriert mich. Denn ich weiss: Jede Entscheidung, die wir heute mit Weitsicht und Überzeugung treffen, kann dazu beitragen, die Welt von morgen gesünder zu gestalten.
Deine bisherige berufliche Laufbahn führte dich rund um den Globus, du sprichst acht Sprachen und bist hervorragend vernetzt. Aus dieser Erfahrung heraus: Welche Chancen siehst du für A.Vogel als KMU mit multinationaler Ausrichtung?
Meine beruflichen Stationen in verschiedenen Teilen der Welt haben mich nicht nur fachlich weitergebracht, sondern vor allem meinen Blick geschärft: Gesundheit, Marktbedürfnisse und Unternehmenskulturen unterscheiden sich überall – und doch gibt es gemeinsame Werte, die verbinden. Sprachen zu sprechen bedeutet für mich nicht nur Kommunikation, sondern Verständnis. Verständnis dafür, was Menschen bewegt, wie Märkte funktionieren und wie Vertrauen entsteht.
Diese Erfahrung bringe ich heute in meine Arbeit bei A.Vogel ein. Ich weiss, wie wichtig es ist, sich auf lokale Besonderheiten einzulassen und gleichzeitig global zu denken. Ich habe in Konzernen erlebt, was Effizienz und Skalierbarkeit bedeuten – und in KMUs, wie Nähe, Mut und schnelle Entscheidungen echte Veränderungen schaffen. Beides inspiriert mich, das Beste zusammenzuführen.
A.Vogel ist ein Schweizer KMU, das international gross denkt – und genau darin liegt für mich eine enorme Chance. Wir haben eine authentische Geschichte, qualitativ herausragende Produkte und eine starke Marke. Wenn wir diese Basis mit moderner Marktorientierung, digitaler Präsenz und einem noch engeren Austausch mit unseren internationalen Partnern verbinden, können wir weltweit weiter wachsen, ohne unsere Seele zu verlieren.
Ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört Unternehmen, die Menschen ernst nehmen – innen wie aussen. Mit meinem globalen Netzwerk, meiner interkulturellen Erfahrung und meinem strategischen Anspruch möchte ich dazu beitragen, dass A.Vogel seine internationale Präsenz weiter ausbaut und dabei das bleibt, was uns ausmacht: ein Unternehmen, das Gesundheit aus Überzeugung lebt.
Wie gehst du mit den unterschiedlichen Mentalitäten der internationalen Geschäftspartner von A.Vogel um, was braucht es, um im International Business inhaltlich die «gleiche Sprache zu sprechen»?
Die Vielfalt der Mentalitäten und kulturellen Prägungen unserer internationalen Partner empfinde ich als grosse Bereicherung. Jede Region bringt ihre eigene Dynamik, ihre Prioritäten und ihre Art der Zusammenarbeit mit. Für mich beginnt echtes International Business deshalb nicht bei Verträgen oder Zahlen, sondern beim Verstehen. Ich nehme mir die Zeit zuzuhören, Fragen zu stellen und mich auf das Gegenüber einzulassen – denn Vertrauen entsteht nicht durch Worte, sondern durch Haltung.
Die «gleiche Sprache» zu sprechen, bedeutet für mich nicht, dass alle gleich denken müssen. Es bedeutet, gemeinsame Ziele zu formulieren, Klarheit in Erwartungen zu schaffen und respektvoll miteinander umzugehen – selbst dann, wenn Perspektiven auseinandergehen. Interkulturelle Kompetenz ist kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Offenheit: Manchmal ist Geduld gefragt, manchmal Pragmatismus, und oft hilft Humor mehr als jede PowerPoint-Folie.
Entscheidend ist, den Menschen hinter der Rolle zu sehen. Wenn wir es schaffen, auf Augenhöhe zu kooperieren und den jeweiligen Beitrag wertzuschätzen, entsteht eine Basis, auf der wir gemeinsam erfolgreich sein können. Ich habe in vielen Ländern gelernt: Unterschiede sind keine Hürden, sondern Potenziale. Und genau darin liegt unsere Stärke im internationalen Geschäft – wir verbinden das Beste aus vielen Welten für ein Ziel, das uns eint: natürliche Gesundheit für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.
Lebenslanges Lernen ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Du hast 2024 noch einen MBA in Marketing and Business Development an der Uni Basel gemacht. Was kommt als nächstes?
Lebenslanges Lernen war für mich nie ein Trend, sondern eine Grundhaltung. Jede Phase meines Berufslebens hat mich weitergebracht – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Der MBA in Marketing and Business Development an der Universität Basel im Jahr 2024 war für mich ein wichtiger Meilenstein: Er hat meinen strategischen Werkzeugkasten erweitert und meine Sicht auf moderne Marktentwicklung geschärft.
Doch Stillstand ist keine Option. Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära, in der künstliche Intelligenz Wertschöpfungsketten, Geschäftsmodelle und Entscheidungsprozesse tiefgreifend verändert. Genau hier möchte ich meinen nächsten Schwerpunkt setzen. Für mich geht es nicht um Technologie um ihrer selbst willen, sondern um die Frage: Wie kann KI uns helfen, Menschen besser zu verstehen, Potenziale früher zu erkennen und Gesundheit noch zielgerichteter zu fördern?
Ich sehe enorme Chancen, zum Beispiel in datenbasierter Marktintelligenz, in personalisierter Kundenansprache oder in der Optimierung internationaler Zusammenarbeit. Mit diesem Fokus möchte ich A.Vogel dabei unterstützen, die digitale Transformation aktiv zu gestalten – mit Weitsicht, Verantwortung und einem klaren Nutzen für Kundinnen und Kunden.
Ich lerne nicht, um Diplome zu sammeln, sondern um Zukunft zu gestalten. Und die Zukunft wird intelligent sein – wenn wir es richtig machen.
Wie siehst du die Entwicklungen im Bereich KI und wie können wir als Unternehmen davon profitieren?
Künstliche Intelligenz entwickelt sich gerade in einem Tempo, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Für mich ist KI weit mehr als ein technischer Trend – sie verändert, wie wir denken, lernen und Entscheidungen treffen. Besonders im Gesundheits- und Konsumgüterbereich eröffnet sie Möglichkeiten, die uns helfen, Menschen besser zu verstehen und ihnen genau das anzubieten, was sie wirklich benötigen.
Für A.Vogel sehe ich darin einen enormen Hebel: Wir können Marktbewegungen früher erkennen, Bedürfnisse präziser analysieren und unsere internationale Strategie datenbasiert weiterentwickeln. Gleichzeitig unterstützt uns KI dabei, komplexe regulatorische und operative Anforderungen effizienter zu gestalten – von der Supply Chain bis hin zur Qualitätssicherung.
Aber der wohl grösste Wert liegt für mich in der Kundennähe: KI kann uns helfen, Beratung und Kommunikation noch persönlicher zu machen und natürliche Gesundheit mit digitaler Intelligenz zu verbinden. Entscheidend ist dabei, dass wir verantwortungsvoll vorgehen – transparent, ethisch und stets im Dienst des Menschen.
Wenn wir KI als Partner nutzen, nicht als Selbstzweck, wird sie uns ermöglichen, mutiger und schneller zu agieren – und unsere Mission, die Kraft der Natur weltweit zugänglich zu machen, noch wirksamer umzusetzen. Ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört jenen Unternehmen, die Technologie und Menschlichkeit nicht als Gegensatz sehen, sondern als ideale Ergänzung.
Du warst in unterschiedlichsten Branchen tätig; nun stehen Heilpflanzen im Fokus. Was macht den Reiz aus, für einen Hersteller von Phytopharmaka zu arbeiten?
Ich habe in verschiedenen Branchen gearbeitet und überall wertvolle Erfahrungen gesammelt – von Industriegütern bis zu Konsumprodukten. Doch bei Heilpflanzen und Phytopharmaka ist die Motivation eine andere. Hier geht es nicht nur um Marktanteile oder Innovation um jeden Preis, sondern immer auch um einen Beitrag zu Gesundheit und Lebensqualität. Dieser direkte, menschliche Mehrwert ist das, was mich besonders fasziniert.
Bei A.Vogel verbinden sich Wissenschaft, Natur und Verantwortung in einer Weise, die Sinn stiftet. Wir arbeiten mit lebenden Ressourcen – Pflanzen, die nur dann ihre volle Kraft entfalten, wenn man sie mit Respekt behandelt. Gleichzeitig steht modernste Forschung dahinter, damit die Wirksamkeit nachweisbar bleibt und Vertrauen entsteht. Diese Kombination aus Tradition und Wissenschaft ist einzigartig und äusserst inspirierend.
Mich reizt, dass wir nicht nur Produkte herstellen, sondern eine Haltung vertreten: Naturverbundenheit, Authentizität und Nachhaltigkeit. Wir helfen Menschen – und das weltweit. Zu wissen, dass Entscheidungen, die wir heute treffen, global Wirkung zeigen und dabei Gesundheit fördern, gibt meinem Beruf eine besondere Tiefe.
Für mich ist das mehr als eine Industrie. Es ist eine Aufgabe mit Bedeutung – und genau das treibt mich an.
Wenn du Firmengründer Alfred Vogel noch persönlich kennengelernt hättest: Was wäre deine dringendste Frage an ihn?
Wenn ich Alfred Vogel heute noch persönlich treffen könnte, wäre meine dringendste Frage: Wie hätte er die Kraft der digitalen Welt genutzt, um seine Vision weiterzutragen? Er war ein Pionier, der stets neugierig blieb und seine Überzeugung in die Welt hinausgetragen hat – auf Reisen, in Vorträgen, in Büchern. Ich bin sicher, er hätte in modernen Technologien nicht ein Risiko gesehen, sondern ein Werkzeug, um Gesundheit für noch mehr Menschen zugänglich zu machen.
Besonders spannend fände ich seine Sicht darauf, wie wir natürliche Heilmittel und die individuelle Gesundheitserfahrung der Menschen mit Hilfe von Daten und KI noch besser verstehen können. Würde er uns ermutigen, digitale Lösungen zu entwickeln, die den persönlichen Kontakt ergänzen und Menschen auf ihrer Gesundheitsreise begleiten? Würde er sagen: Nutzt die Technologie – aber bleibt euren Werten treu?
Ich bin überzeugt: Alfred Vogel hätte gross gedacht. Er hätte gefragt, wie wir Wissen demokratisieren können, wie wir Kundinnen und Kunden weltweit erreichen – und wie wir Natur, Wissenschaft und Technologie in Einklang bringen. Genau diese Frage treibt auch mich an: Wie können wir im digitalen Zeitalter seine Mission wirksamer, persönlicher und verantwortungsvoller gestalten als je zuvor?
Du bist nicht nur Business-Globetrotter, sondern auch dreifacher Vater. Wie gestaltest du die Zeit mit der Familie, was ist dir wichtig im Privaten?
Auch wenn mich mein beruflicher Alltag oft rund um den Globus führt, ist meine Familie mein wichtigster Anker. Ich bin dreifacher Vater und sehr stolz darauf, wie sich meine Kinder entwickelt haben. Zu sehen, wie zielstrebig und erfolgreich sie ihre eigenen Wege gehen, erfüllt mich mit grosser Freude und gibt mir unheimlich viel Energie.
Die Zeit mit meiner Familie ist für mich ein bewusster Ausgleich zur internationalen Geschäftswelt: Da geht es um Nähe, um gemeinsame Abenteuer, um Gespräche, die inspirieren.
Was mir privat besonders wichtig ist: Echtheit. Erfolg im Beruf hat grossen Wert – seine wahre Bedeutung bekommt er aber erst durch die Menschen, mit denen ich ihn teilen kann. Genau diese Balance zwischen globaler Verantwortung und familiärer Verbundenheit ist das, was mich motiviert und mir Kraft gibt.
