Der Phytotherapie gilt schon sehr lange dein persönliches wie berufliches Interesse. Was macht die Pflanzenheilkunde deiner Ansicht nach so wertvoll?
An der Phytotherapie mag ich vor allem den ganzheitlichen Ansatz. Der Gedanke, dass in uns eine regulierende Lebensenergie waltet, die es zu nähren und zu schützen gilt. Pflanzen eignen sich wunderbar dazu, diese selbstheilenden Kräfte im Körper zu unterstützen, ob als Lebensmittel, Gewürz, Tee oder als Heilmittel ... Man kann mit Pflanzen wunderbar spielen und diese kombinieren, je nach Bedarf und Belieben.
Was ist die wichtigste Erfahrung/Erkenntnis, die du aus deinem Bachelor-Studium der Phytotherapie in UK mitgenommen hast? (auch mit Blick auf die britische Mentalität)
In UK hat die wissenschaftliche Phytotherapie (Western Medical Herbalism) eine lange Tradition und wird auf sehr hohem Niveau praktiziert. Es gab zu meiner Zeit exzellente Ausbildungsmöglichkeiten an mehreren Universitäten und Training Clinics, wo das traditionelle empirische Wissen zusammen mit der stetig wachsenden Evidenzbasis für Heilpflanzen gelehrt und praktiziert wurde. Die britische Mentalität mag ich sehr: offen, gastfreundlich, relaxed, nach dem Motto «live and let live».
Du hast viele Jahre freiberuflich für A.Vogel gearbeitet, nun bist du fest im Team. Sind die Aufgaben gleich, ähnlich oder ganz anders? Wie läuft dein Arbeitsalltag als Produktentwicklerin ab?
Früher habe ich freiberuflich Projekte für die medizinische Abteilung umsetzen dürfen: in der Recherche für neue Produkte, im Schnittstellenbereich zu PhytotherapeutInnen oder ÄrztInnen, z.B. bei der Einholung von Erfahrungsberichten für die Arzneimittelzulassung, aber auch in der Umsetzung von klinischen Studien. Heute bin ich fix angestellt als Produktentwicklerin im Bereich Food und mache ein Jobsharing mit Heidi Ledermann (beide 60%). Während Heidi hauptsächlich die praktische Arbeit im Labor macht, bin ich vor allem im regulatorischen Bereich Food Supplements tätig und betreue die Länder international. Die Arbeit ist sehr vielfältig und ich kann mein Phytowissen und Englisch einbringen. Im Moment stehen viele Transfers aus NL an, was viel Koordination und gutes Projektmanagement erfordert. Für Neuprodukte hätte ich dann aber auch schon ein paar Ideen :-) …
Als Phytoexpertin und Store-Leiterin warst du in der Stadtapotheke Dornbirn tätig. Was hat dich das über die Sorgen und Nöte der Menschen in puncto Gesundheit gelehrt?
Klinische Forschung ist super spannend und auch notwendig, will man (pflanzliche) Arzneimittel auf den Markt bringen. Für mich war das ein logischer Schritt nach meinem BSc Hons in Herbal Medicine. Die Phytotherapie ist doch noch ziemlich eine Nische und etwas alternativ, also habe ich auch noch einen Master in einem etwas etablierteren Fach erworben ;-) Das Wissen habe ich bei meinen Projekten für die medizinische Abteilung gut brauchen können. Wenn wir dann nach den Transfers wieder mehr Kapazitäten für Neuentwicklung haben und vielleicht doch die ein oder andere Studie auch zu Food Supplements machen, wird das wieder sehr hilfreich sein.
Als Phytoexpertin und Store-Leiterin warst du in der Stadtapotheke Dornbirn tätig. Was hat dich das über die Sorgen und Nöte der Menschen in puncto Gesundheit gelehrt?
Ja, ich durfte den Saint Charles Store in der Stadtapotheke Dornbirn mitaufbauen und betreuen. Das sind wir eher im Premium Segment. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen wollen, die vorbeugen wollen, gesund leben und gut und fit altern möchten. Das lassen sie sich einiges kosten.
Frauengesundheit liegt dir besonders am Herzen. Welche Heilpflanzen setzt du für dich (und dein Umfeld) ein und was sollte jede Frau prinzipiell in ihrer Hausapotheke haben?
Ich bin ein grosser Fan von Nerven-Tonikas und Adaptogenen, Pflanzen, die die Stressresistenz und Leistungsfähigkeit erhöhen. Ganz wichtig bei den fordernden Zeiten, in denen wir leben, nicht nur wir Frauen. Meine persönlichen Lieblinge sind Avena sativa (grüner Hafer) und Withania somnifera (Ashwagandha). Daneben gibt es aber viele andere wunderbare Kräuter, die uns entspannen und stärken, Melisse, Kamille, Passionsblume, Californian Poppy, Rhodiola und die Ginsengs …
Sozial und sportlich bist du sehr engagiert. Warum ist das wichtig für dich?
Hier geht es für mich vor allem um das Thema Gemeinschaft und darum, ein schönes Leben zu haben, involviert zu sein und mitgestalten zu können. Da ist ein persönlicher Einsatz einfach nötig und man bringt den auch gerne, sei es im elterngeführten Waldorf Kindergarten oder im Sportverein. Das berühmte Geben und Nehmen. Sport, vor allem das Tennis liebe ich, um den Kopf frei zu kriegen. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung bei Turnieren und Ligaspielen und auch eine wichtige gesellige Komponente in meinem Leben. Die perfekte Kombination.
Welche Botschaft in Sachen Natur und Gesundheit vermittelst du deinen vier Kindern?
Da bin ich nicht sehr dogmatisch, aber ich glaube schon, dass meine Kinder mitbekommen, worauf ich Wert lege und dass ich damit ganz gut fahre. Gesundheit ist ein Schatz und das Fundament für ein gutes Leben. Eigenverantwortung übernehmen, vorbeugen statt behandeln, natürliche Heilmittel und gesunde (aber bitte genussvolle) Ernährung… Was auch ganz wichtig ist: achtsam mit sich umgehen und ein Gespür dafür entwickeln, was einem gut tut und was nicht. Und zu guter Letzt: sich freuen können und eine positive Einstellung. Es gibt für alles eine Lösung, ist mein Mantra...
In der Natur finde ich Orte und Augenblicke der Ruhe und der Schönheit. Vor allem der Wald ist super, um runterzufahren. Hier kann dann auch Raum entstehen für neue Gedanken, Inspiration, neue Kraft. Einfach nur kurz innehalten und wirklich sehen, wie schön es rundherum ist, das tut gut und kann sehr heilsam sein.
