Ramona, was hat dich dazu bewegt, Gärtnerin zu werden? Hast du während der Ausbildung eine bestimmte Fachrichtung gewählt?
Ich habe schon früh meine Leidenschaft für Pflanzen entdeckt. Damals waren es hauptsächlich Zimmerpflanzen, wovon mein ganzes Kinderzimmer voll war. Ursprünglich lernte ich Kaufmännische Angestellte auf der Stadtverwaltung in Bischofszell und hatte eine abwechslungsreiche und interessante Ausbildung und noch weitere 3 Jahre Berufserfahrung auf anderen Gemeindeverwaltungen. Trotzdem hat mich der reine Bürojob nicht erfüllt und ich wagte den Schritt, nach Auswertungen der Laufbahnberatung, nochmals eine Lehre zu absolvieren. Im Jahr 2015 schloss ich die gekürzte 2-jährige Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin bei der Gärtnerei und Stella Flor im Thusis erfolgreich ab.
Du bist verantwortlich für den A.Vogel Heilpflanzenschaugarten Teufen. Wie organisierst du deine Tätigkeit? (Hast du einen Tages-/Wochen-/Monatsplan?)
Ich habe eine strukturierte Arbeitsweise, indem ich mir Aufgaben, To-Do-Listen und Termine im Outlookkalender eintrage. Zudem arbeite ich mit einem Prioritäten-Plan. Das heisst, dass zuerst immer das Herzstück des Gartens - der Heilpflanzengarten – mit Jäten und Pflegen drankommt. Dort halten sich die meisten Besucher auf, vor allem bei unseren angemeldeten Besuchergruppen, wo einzelne Heilpflanzen direkt erklärt werden. Natürlich verlangt einem der Job eine gewisse Flexibilität ab. Das heisst, dass z.B. bei sehr trockenen und heissen Tagen das Giessen und bei vielen Besuchergruppen auch einmal ein Shuttledienst oder die Mithilfe im Catering anfällt.
Wenn man dich hier auf dem Hätschen werkeln sieht, wird schnell klar: Gärtnern ist harte Arbeit. Wie gehst du mit den körperlichen Herausforderungen (schwer schleppen, lange im Beet knien, draussen bei Wind und Wetter) um? (Braucht es Krafttraining in der Freizeit?)
Natürlich bin ich nicht mehr 20, da merkt man abends teilweise die körperlichen Herausforderungen des Tages in den Knochen. Ich achte vermehrt darauf, dass ich bei schweren Dingen wie z.B. Erde oder Grüngut zu Hilfsmitteln wie Schubkarre, Palettrolli oder Sackkarren greife. Falls einmal eine sehr strenge Arbeit wie z.B. das Bodenfräsen am Hang anfällt, unterstützt mich jemand aus dem Garten Roggwil. Für das Knien im Beet ist mir wichtig, dass ich entweder Knieschoner oder ein Mätteli unter die Knie nehme. Ausserdem gönne ich mir eine monatliche Massage bei meiner Naturheilärztin, welche mich wieder geraderückt und mir die Verspannungen – hauptsächlich im Nacken – löst.
Welche Möglichkeiten siehst du bei deiner Arbeit im A.Vogel Garten, etwas für Natur- und Umweltschutz zu tun?
Uns ist es wichtig, den Erhalt der biologischen Vielfalt hier im Garten zu erhalten. Deshalb haben wir in den letzten Jahren Insektenhotels, Altgrashaufen, Steinlinsen, Teich und einiges mehr für den Naturschutz und die Biodiversität geschaffen. Ausserdem achte ich z.B. beim Auflockern der Erde darauf, dass ich den Regenwürmern und Bodenlebewesen zuliebe, die Gartenkralle und nicht den Spaten nehme oder lese nach einem Regen jeweils vor Führungen kurz die Weinbergschnecken vom Weg.
Ob in der Drogerie oder draussen im Garten: Du stehst immer wieder auch im Kontakt mit Besuchern. Wie erlebst du die Begegnungen, was nimmst du daraus mit für deine Arbeit hier?
Es ist schön zu sehen, dass die Besucher diesen Ort hier oben als ein Kraftort sehen. Viele kommen hier hoch, um der Hektik in der Stadt zu entkommen, besuchen uns in ihren Ferien oder flüchten im Winter vom Nebel zu uns auf den Hätschen. Viele Besucher sind sehr interessiert und möchten einige Gartentipps. Viele Infos der Pflanzen wie Indikationen oder Anwendungsgebiete können sie direkt den Gartentafeln entnehmen. Wichtig ist, dass man sich irgendwann auch ein Bisschen abgrenzt, damit man vor lauter Besuchern überhaupt noch zum Arbeiten kommt und nicht ständig am Fragen beantworten ist.
Du bist ein Outdoor-Fan und reist gerne mit deinem gelben VW-Bus namens Johnny durch die Lande. Wie darf man sich deine perfekten Ferien vorstellen?
Für mich bedeuten perfekte Ferien zu Reisen, am liebsten natürlich ganz flexibel mit unserem alten VW Bus. Jeden Tag spontan zu entscheiden, wo man anhalten und die Angelrute auswerfen möchte. Bei unseren Campingferien ist weniger oft mehr, vor allem aber auch, da wir in unserem Bus auch nicht so viel Platz haben und nur das Nötigste mitnehmen können. Egal, ob im Ausland oder in unserer schönen Schweiz, Reisen mit unserem sehr zuverlässigen Oldtimer sind für uns perfekte und erholsame Ferien.
Was macht für dich privat einen gelungenen Tag aus, womit kann man dein Herz erfreuen?
Für mich ist ein gelungener Tag im Privatleben, wenn man mit seinen Plänen wieder einen Schritt vorwärtsgekommen ist. Sei es die To-Do Liste vom Haushalt & Garten zu Hause oder andere Projekte, an welchen man gerade dran ist. Wichtig ist aber dabei immer, ein gesunder Mix aus Aktivität und Entspannung. Darum tut es gut, nach einem strengen Tag zu Hause, sich im Yoga zu entspannen oder sich mit guten Freunden zum Nachtessen oder einem Drink zu treffen.
