Steffen, du bist Experte für Supply Chain Management und als Leiter der Abteilung also zuständig für die ganzheitliche Planung, Steuerung und Optimierung der gesamten Lieferkette, vom Rohstofflieferanten über die Produktion bis zum Endkunden. Was sind die wichtigsten (persönlichen) Voraussetzungen, die man für dieses komplexe Aufgabenspektrum mitbringen muss?
Supply Chain Management ist für mich vor allem die Kunst, Komplexität so zu steuern, dass am Ende Verlässlichkeit entsteht – für Kunden, Mitarbeitende und Partner.
Persönlich braucht es dafür drei Dinge:
- Erstens ein starkes analytisches Denken, um Zusammenhänge zu erkennen und Entscheidungen auf Fakten zu stützen.
- Zweitens eine ausgeprägte Kommunikations- und Teamfähigkeit, weil man in der Supply Chain ständig zwischen unterschiedlichen Interessen vermittelt – von Produktion über Qualität bis Vertrieb.
- Und drittens eine hohe Umsetzungsstärke: Probleme nicht nur zu identifizieren, sondern Lösungen pragmatisch umzusetzen, Prioritäten zu setzen und auch unter Druck ruhig zu bleiben.
Gerade diese Mischung aus Struktur und Pragmatismus macht für mich den Unterschied.
Du hast in deiner beruflichen Laufbahn globale Veränderungsprojekte geleitet und machst dies nun auch bei A.Vogel. Was ist dabei die grösste Herausforderung? Und wie gehst du persönlich mit Veränderungen um?
Die grösste Herausforderung in globalen Veränderungsprojekten ist selten die Technik oder der Prozess – es sind die Menschen und die unterschiedlichen Ausgangslagen. Unterschiedliche Standorte, Kulturen, Prioritäten und manchmal auch Sorgen müssen zusammengebracht werden, damit Veränderung nicht nur «eingeführt» wird, sondern wirklich funktioniert. Ich versuche Veränderungen deshalb sehr transparent zu gestalten: Warum machen wir das? Was ändert sich konkret? Und was bleibt bewusst gleich?
Persönlich gehe ich mit Veränderungen gut um, wenn sie Sinn ergeben und klar geführt sind. Ich arbeite gern mit einem strukturierten Vorgehen, aber mit genügend Flexibilität, um unterwegs zu lernen. Für mich ist wichtig, zuzuhören, früh Feedback einzubauen und schnelle, sichtbare Fortschritte zu schaffen. So entsteht Vertrauen und damit die Basis, damit Veränderung nachhaltig wird.
Wie erlebst du mit deiner umfassenden Berufserfahrung das Arbeiten in der Schweiz? Siehst du bedeutende Unterschiede zu Deutschland?
Ich arbeite schon seit 2003 in der Schweiz und habe damit den grössten Teil meiner beruflichen Laufbahn hier verbracht. Meine Erfahrungen aus Deutschland stammen eher aus früheren, kleineren Tätigkeiten, deshalb würde ich direkte Vergleiche nur vorsichtig ziehen. Was ich aber sehr klar sagen kann: Das Arbeitsumfeld in der Schweiz erlebe ich insgesamt als sehr professionell, verlässlich und pragmatisch. Entscheidungen werden häufig sachlich vorbereitet, Zusagen haben Gewicht, und die Zusammenarbeit ist stark auf Qualität und saubere Umsetzung ausgerichtet. Das passt sehr gut zu meiner Arbeitsweise.
Besonders positiv empfinde ich die in vielen Unternehmen gelebte «du»-Kultur. Sie schafft aus meiner Sicht schnell Nähe, fördert den direkten Austausch und macht es leichter, bereichsübergreifend und lösungsorientiert zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig ist es interessant zu sehen, dass diese informelle Ansprache nicht im Widerspruch zu Professionalität steht. Im Gegenteil: Oft führt sie zu mehr Offenheit und Geschwindigkeit im Alltag. Manchmal kann dieser Unterschied aber auch herausfordernd sein, vor allem wenn ich geschäftlich mit Partnern in Deutschland zu tun habe.
Was macht dir an deinem Job besonders Freude?
Das Arbeiten mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen bietet immer wieder Chancen, etwas Neues zu lernen. Im Endeffekt ist Supply-Chain-Management nicht nur das Bewegen von Waren, sondern auch das Bewegen von Informationen, Wissen und Menschen, um einen Mehrwert für unsere Firma zu schaffen und somit auch den Sinn zu stiften, der den effizienten Motor für unsere Motivation und die Freude an unserer Arbeit darstellt.
Was ist dir wichtig im Leben?
Zufriedenheit mit sich selbst und mit den anderen. Wir leben in einer Welt mit viel zu vielen Individualisten! Wichtig wäre aus meiner Sicht, wieder mehr im Team zu denken, denn da liegt das wahre Potenzial. Das Leben sollte einen Sinn ergeben – und was kann besser sein, als Menschen in Ihrer Gesundheit zu unterstützen?!
Selbstverständlich sind mir auch meine Familie und die Freunde wichtig – und dass ich ab und zu die Zeit finde, um meinen Hobbys zu frönen.
Was unternimmst du in deiner Freizeit?
An den Wochenenden bin ich gern in den Bergen, zum Bergsteigen, Wandern, Mountainbiken oder fürSkitouren. Während längerer Ferien erhole ich mich gern am Meer bei Stand-up-Paddling, Kitesurfen, Schwimmen. Tauchen oder einfach Sonnen am Strand. Kulturstädtetrips mag ich aber auch.
