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Begehrte Teufelskralle

Die Heilpflanze aus dem südlichen Afrika gegen Rheumabeschwerden


Clemens Umbricht


24. November 2020

Anspruchsvolles Gewächs

Die Teufelskralle ist eine Heilpflanze mit sehr besonderen Merkmalen. So zeigt sich jede einzelne ihrer hellroten bis rosavioletten, trompetenförmigen Blüten während der kurzen Regenzeit nur einen Tag lang. Ihren mysteriösen Namen verdankt sie den mit krallenartigen Widerhaken versehenen Früchten, die aus den Blüten entstehen.

Harpagophytum procumbens ist wählerisch in puncto Wachstum: Sie gedeiht ausschliesslich in den Steppenregionen Namibias, Botswana, Südafrikas und Angolas, welche die Wüste Kalahari bilden. Die Teufelskralle besitzt eine Haupt- oder Primärknolle und mehrere sekundäre Speicherknollen. Einzig aus den Primärknollen kann sich die Pflanze regenerieren. Arzneilich verwendet werden indes nur die Knollen der sekundären Wurzel. Diese bis sechs Zentimeter dicken und bis 20 Zentimeter langen sekundären Speicherwurzeln reichen bis in eineinhalb Meter Tiefe.

Die «Ernte» ist also alles andere als einfach, und das Ausgraben bei afrikanischer Hitze eine echte Herausforderung. Andreas Ryser, bis vor kurzem Leiter des Heilpflanzenbaus der A.Vogel AG, benötigte anlässlich eines Besuches in Südafrika für das Ausgraben der Knollen einer einzigen Pflanze eineinhalb Stunden! Die Wurzeln werden in dünne Scheiben geschnitten und getrocknet.

Traditionelles und begehrtes Heilmittel

Ob bei Leber-, Gallen-, Magen-, Nieren- und Blasenleiden oder Rheuma: Die ortsansässigen Medizinmänner verordnen die getrockneten Wurzeln seit Jahrhunderten. Beliebt war die Anwendung dieser schmerzstillenden und die Verdauung anregenden Pflanze auch bei der Wundbehandlung und in der Geburtshilfe.

Wie andere Forscher vor ihm, zog es auch den Schweizer Naturheilkunde-Pionier Alfred Vogel (1902 – 1996) in den 60er-Jahren in die Kalahari- und Namib-Wüste, um die Wirkung der Teufelskralle zu untersuchen. Was ihm, bei aller Faszination, gleich auffiel: der erhebliche Raubbau an der in der gesamten westlichen Welt begehrten Pflanze.

Für das Unternehmen A.Vogel kam darum von Anfang an nur eines in Frage: die Kultivierung von Harpagophytum procumbens. Ein Unterfangen, das sich in den Wüstengegenden an der Südspitze des afrikanischen Kontinents als nicht ganz einfach erwies.

Nachhaltiges Anbauprojekt

In einem Verbund, dem A.Vogel und ein weiteres Unternehmen angehören, wurde in den Jahren 1998 bis 2005 auf der Farm „Avontuur", 150 Kilometer nördlich der südafrikanischen Stadt Kuruman, gemeinsam mit Prof. Dieter J. von Willert vom Institut für Ökologie der Pflanzen von der Universität Münster (D) ein nachhaltiges Anbauprojekt durchgeführt.
Dieses Projekt verfolgte drei Ziele:

  1. Die Verhinderung von Raubbau.
  2. Die Rohstoffversorgung mit guter, gleichbleibender Qualität
  3. Die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Nachfrage an ihren einheimischen Pflanzen.

 

Hintergrund ist der seit den 1990er-Jahren geradezu sprunghaft angestiegene Bedarf an Teufelskrallen. Der Export allein aus Namibia hat sich in den vergangenen Jahren auf ca. 650 Tonnen jährlich eingependelt. Diese Menge entspricht je acht bis elf Millionen Pflanzen! Aufgrund der extrem niedrigen Erneuerungsrate durch Samenkeimung wird damit die Grösse der Wildpopulationen sukzessive dezimiert.

Angesichts dieser Gefährdung bedurfte (und bedarf) es dringender Massnahmen zum Schutz dieses wertvollen Wüstengewächses.

Höherer Ernteertrag dank nachhaltigem Anbau

Grundlage bei der Entwicklung des nachhaltigen Anbaus der Teufelskralle war ein Vorschlag des „Avontuur"-Farmers Gert Olivier. Er entwickelte ein Verfahren, auf dessen Basis die aus dem Anbau stammenden Teufelskrallen um ein Mehrfaches grössere Wurzeln liefern als solche aus Wildsammlungen. Auf 200 Metern Länge hat Olivier das Weideland so behandelt, dass auf drei Meter breiten Streifen jede Vegetation entfernt wird. Diese vegetationsfreien Streifen alternieren mit fünf Meter breiten Streifen, deren Vegetation belassen wurde. Diverse Reaktionsmechanismen führen dazu, dass der Boden der vegetationsfreien Streifen bedeutend mehr Wasser enthält und der Wassergehalt in der Regenzeit viel geringeren Schwankungen unterworfen ist als der Boden der Vegetationsstreifen.

Ein Mann bei der Ernte von Wurzeln der Teufelskralle.

Im Ertragsvergleich zeigt sich, dass die kultivierten Pflanzen bereits am Ende der ersten Wachstumsphase mehr Trockenmasse auf die Waage bringen als die wildwachsenden Pflanzen. Bis zum Ende der dritten Vegetationsphase hat sich der Ertrag kultivierter Pflanzen gegenüber den Wildpflanzen beinahe verachtfacht– und das bei gleicher Inhaltsstoffkonzentration!

Das ist nicht zuletzt deshalb von entscheidender Bedeutung, weil, wie eingangs beschrieben, aus 100 Kilogramm frischen Wurzeln dieser einzigartigen Pflanze gerade mal rund 10 Kilo Extrakt (Wirkstoff) für die hochwirksamen Harpagophytum-Tabletten von A.Vogel gewonnen wird.

Bestmögliche Qualität des Rohstoffes

Mittlerweile erfüllt der nachhaltige Anbau der Teufelskralle in Südafrika alle Vorgaben, und das Ausgraben der Pflanzen ist stark erleichtert. Die Mitarbeiter der Farm graben ihre Löcher nicht, wie bei den Wildpflanzen, bis zu anderthalb Meter tief, sondern nur noch ca. 20 bis 30 Zentimeter. Der Boden in den Anbaustreifen ist lockerer als der Wüstenboden und die Sekundärknollen wachsen dank des höheren Feuchtegehaltes in den oberen Bodenschichten weniger in die Tiefe als jene der wilden Teufelskrallen.

Teufelskralle: Frucht & Wurzel

Krallenförmige Frucht links, Knollenförmige Wurzel rechts.

 

Das Anbauprojekt hat noch weitere Vorteile gebracht: Es verhindert z.B. die bei Wildpflanzensammlungen häufig auftretenden Verwechslungen mit Knollen anderer Pflanzen. Weil die Standorte bekannt sind, kann die Ernte (nach dem vierjährigen Wachstum) zudem zu jeder Jahreszeit erfolgen. Da die kultivierten Pflanzen etwa 100 Mal mehr Früchte produzieren, erfolgt die Vermehrung über Samen. Das bedeutet, dass die genetische Vielfalt des Pflanzgutes erhalten bleibt.

Die Wildbestände werden, auch wenn Einheimische die Pflanzen nach wie vor sammeln, nicht mehr ausgebeutet. Damit ist ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Teufelskralle, zum Erhalt der genetischen Ressourcen und zur Sicherstellung der bestmöglichen Qualität des Rohstoffes gewährleistet – nicht zuletzt für die Harpagophytum-Tabletten von A.Vogel.

Seit 2018 kann kein Rohstoff mehr von Farm Avontuur bezogen werden. Grund ist das Fehlen eines Betriebsnachfolgers. Es erfolgt ein Wissenstransfer zu einem Anbauer in Namibia. Dazu trafen sich der bisherige, alte Anbauer, ein neuer Anbauer sowie Fachleute der A.Vogel AG in Namibia. Dort wird gegenwärtig (Stand Ende 2020) der Anbau in ähnlicher Art, mit denselben nachhaltigen Zielen, aufgebaut.

Alfred Vogel und die Teufelskralle

„Zu jener Zeit, als ich die Teufelskralle suchte, war diese Pflanze in Europa nahezu unbekannt. Dann aber bemächtigte sich ihrer die ... Geschäftswelt ..., Reklame verhalf zu einer weiten Bekanntmachung. Die Nachfrage stieg dadurch so sehr, dass die Sammler statt der echten Teufelskralle ähnlich bitterschmeckende Wurzeln lieferten. Es war nicht leicht, später wieder Ordnung in diesen unreellen Wirrwarr zu bringen. Da sich aber die Regierung gegen eine Ausbeutung einsetzte und Einschränkungen in Kraft setzte, gelang es, der Pflanze einen gewissen Schutz zuteil werden zu lassen. Dies hatte zur Folge, dass sie inzwischen wieder fast in Vergessenheit geraten ist. Ich selbst war bei meinem Aufenthalt eifrig damit beschäftigt, die Pflanze in ihrer Heilkraft zu studieren ... Eine dünne Scheibe der Speicherwurzel brachte ich im Munde mit dem Speichel in Berührung, um die sich dadurch gelösten Bitterstoffe tapfer zu schlucken ... Natürlich habe ich mich auch der Teufelskralle bedient, wenn ich unter gesundheitlichen Störungen bei meinen Aufenthalten in den Tropen litt."

Alfred Vogel, 1970. Das Zitat stammt aus dem Buch A.Vogel – Aktiv gegen Rheuma. Strategien für eine ganzheitliche Behandlung. Tipps zur Vorsorge und Selbsthilfe, Heinz Scholz, Verlag A.Vogel AG, CH Teufen AR

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