Sich den Schlaf schön denken. Lässt sich mithilfe von Entspannungswörtern die Schlafqualität verbessern?
Interview: Andrea Pauli
Beeinflussen unsere Gedanken im Schlaf den Schlaf selbst? Forschende der Universität Freiburg FR haben erste Belege für eine Anwendung dieser Theorie gefunden. Sie konnten zeigen, dass die Aktivierung von psychologischen Konzepten zur Entspannung während des Schlafs den Schlaf subjektiv und objektiv vertiefen kann, und somit die Erholungsfunktion des Schlafs verbessert.
Ich arbeite schon viele Jahre zu den Themen Gedächtnisspeicherung und Schlaf. Hier zeigt sich deutlich, dass Schlaf die Gedächtnisspeicherung fördert. Wir gehen davon aus, dass die vor dem Schlaf gelernten Inhalte während des Schlafs erneut aktiviert und so besser gespeichert werden. Eine erneute Präsentation der gelernten Wörter im Schlaf verstärkt die erneute Aktivierung der Gedächtnisinhalte. Daraufhin stellte sich die Frage, ob wir durch eine Aktivierung von inhaltlichen Konzepten nicht nur das Gedächtnis verbessern können, sondern vielleicht insgesamt die Schlafqualität.
Die jungen gesunden Versuchspersonen schliefen für zwei Nächte in unserem Schlaflabor an der Universität Freiburg, mit einem Abstand von mindestens einer Woche. In einer Nacht hörten die Probanden in der ersten Hälfte des Schlafs leise über Lautsprecher Wörter wie «entspannt», «erholen», «Ruhe» oder «Schlaf». In der anderen Nacht hörten sie neutrale Wörter wie «fest», «gebunden», «Beispiel» oder «Oberfläche». Die Probanden wussten nicht, in welcher Nacht sie Entspannungswörter hören und in welcher die Kontrollwörter. Sie konnten es auch am nächsten Morgen nicht erraten.
Aber sie fühlten sich erholter und berichteten im Durchschnitt über eine bessere Schlafqualität, wenn sie nachts Entspannungswörter gehört hatten. Zusätzlich zeigten objektive Messungen der Hirnwellen im Schlaf, dass der Schlaf tiefer war, wenn nachts Entspannungswörter präsentiert wurden, im Vergleich zu der Nacht mit Kontrollwörtern. Tiefschlaf gilt als sehr wichtig für unsere nächtliche Erholung.
Wir haben die Hypothese zur Schlafverbesserung durch Entspannungswörter im Schlaf vor der Untersuchung aufgestellt und diese Vermutung durch diese Studie wissenschaftlich getestet. Insofern haben wir uns vor allem gefreut, dass wir unsere Hypothese bestätigen konnten.
Für den Alltag ist vor allem wichtig zu wissen, dass Inhalte, mit denen wir uns vor dem Schlaf beschäftigen, auch während des Schlafs weiterhin aktiv sind. Belastende und stressbezogene Inhalte können deshalb stark den Schlaf stören. Darum ist es wichtig, vor dem Schlaf den Tag abzuschliessen, seinen Sorgen und Belastungen einen guten Platz einzuräumen sowie eher entspannten und beruhigenden Tätigkeiten und Gedanken vor dem Schlaf nachzugehen. Das ist natürlich im Alltag oft alles andere als leicht.
Trotzdem ist die Art der gedanklichen Beschäftigung vor dem Schlaf wahrscheinlich ein entscheidender Faktor für einen guten Schlaf. Zusätzlich könnte eine weitere Aktivierung von entspannenden und positiven Gedanken während des Schlafs die Schlafqualität weiter verbessern. Es ist wichtig zu betonen, dass wir unsere Studie an jungen gesunden Probanden durchgeführt haben. Ob eine Aktivierung von Entspannungswörtern im Schlaf auch einen gestörten Schlaf verbessern kann, müssen zukünftige Studien erst zeigen.
Magnesium trägt zur normalen Funktion des Nervensystems und normalen psychischen Funktion bei.
Menschen mit Schlafstörungen haben oft eine Fehlwahrnehmung ihres tatsächlichen Schlafverhaltens. Eine Forschungsgruppe um Karin Trimmel und Stefan Seidel von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien, Ambulanz für Schlafstörungen und schlafassoziierte Störungen, erhob mittels Auswertung von Polysomnographien (Untersuchung und Messung bestimmter biologischer Parameter im Schlaf), bei welchen Formen eine Differenz zwischen Eigenwahrnehmung und Messresultaten auftritt, und ob es dafür begünstigende Faktoren gibt.
Das zentrale Ergebnis: Patientinnen und Patienten mit Insomnie unterschätzen ihre Schlafdauer am häufigsten, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Untersuchungsort. Und sie überschätzten ihre Schlaflatenz, also die Dauer bis zum Einschlafen. Eine Rolle könnte dabei ein konstant erhöhtes Grundanspannungsniveau der Betroffenen mit einer daraus resultierenden gestörten Schlafarchitektur spielen (Microarousals).
Im Gegensatz zu Insomnie-Betroffenen gab es bei Patienten mit anderen Schlafstörungen Tendenzen zur Unterschätzung der Schlaflatenz und Überschätzung der tatsächlichen Schlafdauer.