Die weltweite Zahl der Bewegungsmuffel nimmt kontinuierlich zu, zeigen Studien. Dabei ist Bewegung der beste Schutz vor chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Die Ursachen sehen Fachleute in der Technisierung und Urbanisierung unseres Lebens.
Die weltweite Zahl der Bewegungsmuffel nimmt kontinuierlich zu, zeigt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das hat Folgen: «Bewegungsmangel ist eine stille Bedrohung für die globale Gesundheit und trägt erheblich zur Belastung durch chronische Krankheiten bei», erklärt Rüdiger Krech, Direktor für Gesundheitsförderung bei der WHO. Das wird nicht nur zur Last für jede und jeden Einzelnen, sondern auch für die Gesundheitssysteme der jeweiligen Länder. Erst recht, weil der Bewegungsmangel immer jüngere Altersgruppen betrifft.
Der Grundstein für ein bewegliches Leben wird im Alter von zwei bis sechs Jahren gelegt. Gemeint ist dabei nicht Sport, sondern ganz normale Alltagsbewegung, also Spielen und ausgelassenes Toben. Doch viele Kinder erreichen nicht mal mehr die eine Stunde pro Tag, die als Bewegungsminimum empfohlen wird – Jugendliche ebenso wenig. Die Ursachen sehen Fachleute in der Technisierung und Urbanisierung unseres Lebens. Bewegung müsse folglich viel gezielter und nachdrücklicher in Kitas und Schulen gebracht werden.
Es braucht deutlich mehr Bewusstsein dafür, was Bewegung bewirkt. Körperliche Aktivität ist schlichtweg notwendig für das normale Funktionieren des Organismus und den Erhalt der Leistungsfähigkeit. In dem Masse, in dem der Körper beansprucht wird, nimmt die Leistungsfähigkeit zu oder eben ab (oder bleibt gleich). Werden unsere Körpersysteme zu wenig beansprucht, wird der Körper anfälliger für Funktionsstörungen oder Erkrankungen.
Körperliche Fitness ist einer der wichtigsten herzschützenden Faktoren. «Bereits ein täglicher, zügiger Spaziergang von zehn Minuten senkt das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent», so die Deutsche Herzstiftung. Menschen, die sich nicht ausreichend bewegen, haben gegenüber aktiven Personen ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Sterberisiko. Körperlich nicht Aktive erleiden öfter Herzinfarkte und Schlaganfälle, neigen vermehrt zu hohem Blutdruck, sind von Schlafstörungen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen und erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes, Krebs oder Demenz. Im Umkehrschluss heisst das: Menschen, die sich regelmässig bewegen, sind vitaler, resilienter und leben länger. Sport ist die einfachste und kostengünstigste «Anti-Aging-Medizin», die Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten empfehlen können.
Schon 2,5 Stunden aktives Spazieren pro Woche verringerte bei Gesunden das Diabetesrisiko um 30 Prozent, zeigen Studienergebnisse. Wer bereits an Diabetes erkrankt war, konnte den HbA1c-Wert um 0,5–0,7 Prozent senken.
Regelmässiger Ausdauersport (dreimal 45 Minuten/Woche) erhöht Studien zufolge die Aktivität des Enzyms Telomerase, das die Schutzkappen der Chromosomen (Telomere) verlängert und die Körperzellen dadurch wieder verjüngt.
Ältere Menschen, die jahrzehntelang regelmässig Ausdauersport getrieben haben, wiesen in einer Studie deutlich aktivere B- und T-Zellen im Blut auf, d.h., sie waren weniger anfällig für Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.
Regelmässiger Sport aktiviert die natürlichen Killerzellen, zu deren Aufgaben u.a. die Bekämpfung von Krebszellen gehört. Wer dreimal mehr als das mindestens empfohlene Bewegungssoll trainiert, kann sein Risiko für die Entwicklung von 13 Krebsarten um bis zu 42 Prozent verringern.
Schon 15 Minuten Bewegung pro Tag senken das Sterberisiko um 14 Prozent. Jede zusätzliche Viertelstunde reduziert es um weitere 4 Prozent.